Kupplung für den Weltraum

NRW-Arbeitsminister Rainer Schmeltzer besucht Poppe+Potthoff

Anja Hanneforth

Hat ordentlich Gewicht: Wie schwer ein Common-Rail-Aggregat für einen Schiffsdiesel ist, hätten Minister Rainer Schmeltzer, Landtagsabgeordneter Georg Fortmeier, Bürgermeisterin Marion Weike und SPD-Ratsherr Udo Lange nicht vermutet. Es ist in einer metallenen Ummantelung eingelassen, damit der Brennstoff in Notfällen nicht nach außen dringen kann. - © Foto: Anja Hanneforth
Hat ordentlich Gewicht: Wie schwer ein Common-Rail-Aggregat für einen Schiffsdiesel ist, hätten Minister Rainer Schmeltzer, Landtagsabgeordneter Georg Fortmeier, Bürgermeisterin Marion Weike und SPD-Ratsherr Udo Lange nicht vermutet. Es ist in einer metallenen Ummantelung eingelassen, damit der Brennstoff in Notfällen nicht nach außen dringen kann. (© Foto: Anja Hanneforth)

Werther. Sie sind auf der ganzen Welt unterwegs, in Maschinen, Autos, Lastern, Schiffen: Aggregate von Poppe + Potthoff aus Werther. Und haben sogar den Sprung ins Weltall geschafft. Ohne Sicherheitskupplungen »made in Werther« würde die Internationale Raumstation nämlich nicht fliegen können. Und die Astronauten ihre Muskeln verlieren, denn auch in den Fitnessgeräten stecken Kupplungen von P + P. Bei diesen Ausführungen von Firmenchef Dr. Christian Potthoff-Sewing geriet sogar NRW-Arbeitsminister Rainer Schmeltzer ins Staunen. Er war gestern zu Besuch bei Werthers größtem Arbeitgeber und erhielt zusammen mit weiteren SPD-Vertretern Einblicke in das Hochtechnologieunternehmen.

„Wir machen die Motoren unserer Kunden besser", sagte Verkaufs- und Marketingdirektor Andreas Homann mit Überzeugung. Ein Spruch, der spätestens beim Blick hinter die Kulissen des Technologiezentrums nicht mehr angezweifelt wurde.

An der Dammstraße in Werther werden Prototypen entwickelt, gebaut und getestet, von Common-Rail-Systemen über Hochdruckleitungen bis hin zu Diesel-Einspritzaggregaten, Präzisionskomponenten, Kupplungen und Gelenkwellen.

Info

Das Unternehmen

- 1928 wurde die Firma Poppe + Potthoff von Friedrich Poppe und Hermann Potthoff als Rohrwerk in Werther gegründet.
- Heute ist das Unternehmen weltweit tätig, beschäftigt 1300 Mitarbeiter an 15 Standorten und erzielte 2015 einen Umsatz von rund 170 Millionen Euro.
- Im Firmensitz in Werther sind insgesamt 185 Mitarbeiter tätig, 150 in der Produktion an der Engerstraße, 35 im Technologiezentrum an der Dammstraße. Damit ist das Unternehmen Werthers größter Arbeitgeber.
- Die Liste der Kunden liest sich wie das Who is Who der Automobil- und Maschinenindustrie: Technik von P + P wird verbaut in Motoren von Daimler, BMW, Audi, Renault, Scania, Caterpillar, Liebherr und vielen anderen mehr.

„Qualität ist für uns entscheidend", sagte Homann. „BMW und Daimler wollen Hightech, also bekommen sie Hightech." Ja, unterstrich er, Qualität koste Geld. Aber mit Qualität verdiene man auch Geld. „Wir sind nicht die Billigsten auf der Welt. Aber wir wollen die Besten sein."

Kaum verwunderlich also, dass viele namhafte Fahrzeug- und Maschinenhersteller zum Kundenstamm von P + P gehören. „Unser Vorteil ist, dass wir sehr früh in den Bereich Nutzfahrzeuge und Schiffsdiesel eingestiegen sind", beschrieb Homann. Das käme ihnen heute zugute.

Vielleicht auch ein Grund, warum die Führungskräfte von P + P die aktuelle Diskussion um Fahrverbote von Diesel-Pkw in deutschen Großstädten gelassen sehen. „Selbst wenn Pkw-Dieselmotoren komplett verboten würden, könnten wir gut überleben", sagte Potthoff-Sewing. Diese Sparte mache im Unternehmen gerade einmal zehn Prozent des Umsatzes aus.

Einblicke in eine Hochtechnologie: Landesarbeitsminister Rainer Schmeltzer (Zweiter von links) besuchte gestern zusammen mit dem SPD-Landtagsabgeordneten Georg Fortmeier (Fünfter von links) sowie Vertretern des SPD-Ortsvereins Werther das Technologiezentrum und die Produktion von Poppe und Potthoff. Firmenchef Dr. Christian Potthoff-Sewing (Dritter von links (Geschäftsführer der Poppe + Potthoff Holding)) und Sales- und Marketing-Director Andreas Homann (Vierter von links) führten die Gäste durch den Betrieb. Auf unserem Foto erläutert Mitarbeiter Dirk Stampke (links) die Abläufe an seinem Prüfstand. Fotos: A. Hanneforth - © Foto: Anja Hanneforth
Einblicke in eine Hochtechnologie: Landesarbeitsminister Rainer Schmeltzer (Zweiter von links) besuchte gestern zusammen mit dem SPD-Landtagsabgeordneten Georg Fortmeier (Fünfter von links) sowie Vertretern des SPD-Ortsvereins Werther das Technologiezentrum und die Produktion von Poppe und Potthoff. Firmenchef Dr. Christian Potthoff-Sewing (Dritter von links (Geschäftsführer der Poppe + Potthoff Holding)) und Sales- und Marketing-Director Andreas Homann (Vierter von links) führten die Gäste durch den Betrieb. Auf unserem Foto erläutert Mitarbeiter Dirk Stampke (links) die Abläufe an seinem Prüfstand. Fotos: A. Hanneforth (© Foto: Anja Hanneforth)

„Jeder Arbeitsplatz in Ungarn sichert auch Arbeitsplätze hier in Werther"

Er beklagte allerdings, dass die Debatte über das Thema unsachlich geführt werde. „Dieselmotoren sind heute viel sauberer als noch vor Jahren." Würden nur Fahrzeuge mit modernen Motoren in Städten fahren, wäre das kein Problem. Dass sie eine hohe gesundheitliche Gefährdung bedeuten, ließe sich sachlich nicht belegen. Daher seine und die Aussage Homanns: „Wir glauben an den Diesel."

Entwickelt werden die Einspritzanlagen in Werther, gefertigt allerdings im großen Werk in Ungarn. „In Deutschland lässt sich Hochtechnologie nicht mehr wettbewerbsfähig produzieren", so Potthoff-Sewing. Das ginge nur in Osteuropa. „Aber jeder Arbeitsplatz, den wir in Ungarn haben, sichert auch Arbeitsplätze hier in Werther."

Um weiterhin mit ihren Produkten am Markt bestehen zu können, seien neben Qualität vor allem Schnelligkeit und Flexibilität gefragt, betonte Potthoff-Sewing. Außerdem sei man stets dabei, neue Geschäftsfelder zu erschließen. Hochdruckleitungen für Gasantriebe etwa oder Kupplungen für E-Bikes. „Auch Komponenten für Luftfahrt und Medizintechnik sind für uns ein Thema. Dafür muss man allerdings speziell lizenziert sein – und das sind unsere Werke derzeit noch nicht."

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