Streit um Betreuung in der Grundschule

Standort Mühlenstraße: Geplante Zusammenlegung von Randstunde und Offenem Ganztag sorgt für Diskussionen

Kerstin Spieker

Ein Stein des Anstoßes: Die Mitglieder des Schulausschusses nahmen vor der Sitzung den Zugang zur OGS im Schulkeller in Augenschein. Einhellige Meinung: Er könnte schöner sein. Die eigentlichen Räume der OGS wurden nicht beanstandet. - © Kerstin Spieker
Ein Stein des Anstoßes: Die Mitglieder des Schulausschusses nahmen vor der Sitzung den Zugang zur OGS im Schulkeller in Augenschein. Einhellige Meinung: Er könnte schöner sein. Die eigentlichen Räume der OGS wurden nicht beanstandet. (© Kerstin Spieker)

Werther. Randstunde und Offene Ganztagsgrundschule (OGS) sollen am Wertheraner Grundschulstandort Mühlenstraße unter ein Dach – räumlich und konzeptionell. Das ist die Position, mit der die Stadt, die Trägerin AWO und die Schulleitung im Mai an die Elternschaft herangetreten waren. Überall sonst ist die gemeinsame Betreuung der Kinder aus Randstunde und OGS gängige Praxis. In Werther setzte die Ankündigung dennoch einen Sturm der Entrüstung in Gang.

„Eine Diskussion über gute Eltern, schlechte Eltern, Randstundeneltern und OGS-Eltern, wie wir sie jetzt haben, habe ich hier so noch nicht erlebt", sagte am Montagabend Birgit Ernst (CDU), Vorsitzende des Schulausschusses. Ihre Fraktion hatte den Antrag eingebracht, der anberaumten Zusammenlegung beider Betreuungsbereiche nicht zuzustimmen. Hintergrund waren massive Proteste vor allem von Eltern aus dem Randstundenbereich. Susanne Weiß-Honsel (FDP) griff in der Sitzung eines der elterlichen Gegenargumente auf. Gerade weil die Qualität von Ausstattung und Arbeit in der Randstunde von den Eltern so positiv bewertet werde, habe man hier so viele Kinder. Die Befürchtung sei, dass die gewohnte Qualität durch die Zusammenlegung mit der OGS leide.

Hauptargument der CDU gegen die Zusammenlegung war die aus ihrer Sicht mangelnde Kommunikation. „Es geht nicht um die Bewertung der Entscheidung", betonte Alexander Fillers (CDU). Die Ankündigung der Maßnahme zum kommenden Schuljahr habe viele Eltern aber getroffen wie der sprichwörtliche Blitz aus heiterem Himmel. „Wir meinen, man hätte erst zusammen überlegen und dann handeln müssen", so der Christdemokrat. Dem schloss sich auch Rolf Düfelmeyer von der UWG an: „Das Theater, das Sie eigentlich vermeiden wollten, das haben Sie jetzt", warf er Schulleiter Jens Gadow vor.

Kommentar

Friedvolles Miteinander wird schwierig

VON KERSTIN SPIEKER

Da werden Mütter zu Löwinnen. Aber nicht etwa, um das existenzielle Wohlergehen ihrer Kinder zu verteidigen. Nein, es geht nur darum, dass es die Kleinen, die eine Stunde Freizeit am Tag in der Grundschule verbringen, bevor sie zum Mittagessen nach Hause geholt werden, möglichst kuschelig haben sollen. Hört man den Ton, der sich in die Auseinandersetzung um die Zusammenlegung von Randstunde und OGS eingeschlichen hat, könnte man aber meinen, es ginge doch ums Leben. Vielleicht hätte die Schulleitung in ihrer Kommunikation gegenüber den Eltern offensiver sein sollen. Aber ob das für die Beschwerde führenden Eltern wirklich das ausschlaggebende Argument ist? Es entsteht zumindest der Eindruck sozialer Berührungsängste. Eine Entwicklung, die das friedvolle Miteinander in der Schule schwierig machen könnte.

Damit spielte Düfelmeyer wohl vor allem auf die hoch emotional geführte Diskussion unter Eltern sowie zwischen Eltern und Entscheidungsträgern an. Die erreichte ihren bisherigen Höhepunkt bei einem Elternabend im Mai, in dessen Verlauf Stadt, AWO und Schule eigentlich über ihr räumliches und pädagogisches Konzept hätten informieren wollen. „Das konnte dann aber angesichts der Heftigkeit der Auseinandersetzung gar nicht mehr stattfinden", sagte AWO-Kreisgeschäftsführerin Ulrike Boden. Erfahren hätten die Eltern sonst, dass eine Trennung von OGS und Randstunde – auch wenn sie vor 23 Jahren bei Entstehung der Randstundenbetreuung aus einer Elterninitiative heraus historisch gewachsen ist – heute pädagogisch keinesfalls mehr zeitgemäß sei. „Wir legen Wert darauf, den Kindern zu vermitteln, dass sie alle gemeinsam Kinder einer Schule sind."

Es solle den Kindern möglich sein, im freien Spiel miteinander im Kontakt zu sein, wie es im Unterricht und auf dem Schulhof ja ohnehin der Fall sei. Es gehe auch weder darum, das Ende der Randstundenbetreuung auf diesem Wege einzuleiten. „Oder darum, dass wir dadurch große Einsparungen vornähmen", so Boden.

Ausschuss sagt zunächst Nein zur Zusammenlegung

Allerdings seien vorhandene Ressourcen – personelle und räumliche – durch die Veränderungen besser nutzbar. Angesichts der steigenden Zahl von Kindern in der Betreuung müsse auf Sicht mehr Platz her. Wenn die Randstundenkinder aus ihren Räumen unterm Dach im Nordflügel in das Erdgeschoss des Haupttraktes ziehen – wo jetzt Deutschunterricht für Kinder mit Migrationshintergrund und Differenzierungsunterricht stattfinden – würden dem Bereich Randstunde/OGS 65 Quadratmeter mehr zur Verfügung stehen. Deutschunterricht und Differenzierung zögen in die Räume der Randstunde. Die OGS-Kinder blieben zunächst im Souterrain. Dadurch wäre zumindest ein Teil der Betreuungsräume ohne Umbauarbeiten barrierefrei, wie Bürgermeisterin Marion Weike betonte. Ohnehin sei das Raumkonzept Angelegenheit der Lehrerkonferenz. „Anspruch darauf, unterm Dach betreut zu werden, hat meines Wissens nach niemand."

Dem Vorschlag der Bürgermeisterin, die räumlichen Veränderungen abzunicken und an Stelle der Zusammenlegung nach den Ferien einen ergebnisoffenen Dialog zum Thema aufzunehmen, stimmten CDU, UWG und FDP nicht zu. Allein SPD und Grüne taten das. Mit acht zu sieben Stimmen wurde der CDU-Vorschlag verabschiedet, der Zusammenlegung zunächst eine totale Absage zu erteilen. Darüber wird nun im nächsten Haupt- und Finanzausschuss zu befinden sein.

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