Prozess vorm LandgerichtPsychose durch Drogen: Mann aus Versmold drangsaliert seine Nachbarin

Die Liste der Vorwürfe ist lang. Dem 26-Jährigen wird unter anderem gefährliche Körperverletzung vorgeworfen. Doch ist der Angeklagte überhaupt schuldfähig?

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Ohne Anlass soll der Mann aus Versmold einen anderen Bewohner beim Türöffnen mit der Faust geschlagen haben - nur eine von vielen angeklagten Taten. - © Symbolbild Pixabay
Ohne Anlass soll der Mann aus Versmold einen anderen Bewohner beim Türöffnen mit der Faust geschlagen haben - nur eine von vielen angeklagten Taten. © Symbolbild Pixabay

Versmold. Am Donnerstag, 8. Dezember, startet am Landgericht Bielefeld der Prozess gegen einen 26-Jährigen aus Versmold. Die Straf- und Unterbringungssache wird vor der II. Strafkammer verhandelt.

Der Angeklagte/Beschuldigte soll unter einer drogeninduzierten paranoiden-halluzinatorischen Psychose leiden, schreibt die Pressestelle zu den Hintergründen. Sowohl das Amtsgericht Halle, wo zunächst Anklage erhoben worden war, als auch die Staatsanwaltschaft gehen davon aus, dass die Einsichts- und Steuerungsfähigkeit des Beschuldigten zur Tatzeit aufgehoben beziehungsweise erheblich vermindert gewesen sein soll. Neben einer Bestrafung des Mannes kommt auch die Unterbringung in einem psychiatrischen Krankenhaus in Betracht. Deshalb hat die große Strafkammer des Landgerichts den Fall übernommen.

Die Staatsanwaltschaft legt dem Mann folgende Taten zur Last:

14. März 2020: An diesem Tag war der Mann, der in einer kommunalen Unterbringungseinrichtung in Versmold wohnte, wegen des Verdachts eines Verstoßes gegen das Betäubungsmittelgesetz von der Polizei durchsucht worden. Dabei soll er einen Beamten mit der linken flachen Hand auf den rechten Oberarm geschlagen haben.

Beschuldigter greift gleich drei Männer an

3. Juli 2020: Mit der Eisenstange soll der Angeklagte mehrfach gegen die Eingangstür zur Wohnung seiner Nachbarin geschlagen und die Tür dadurch beschädigt haben.

3. Juli und 4. September 2020: Der Mann soll unerlaubt Marihuana besessen haben. In der Anklage ist von 0,61 und 0,28 Gramm die Rede.

4. Juli 2020: Diesmal soll der Angeklagte seinen Nachbarn angegriffen haben. Er schellte an dessen Tür und habe dem Geschädigten "sofort und anlasslos" zweimal mit der Faust schmerzhaft gegen den Hals geschlagen. Eine andere Person eilte zur Hilfe. Diesem Mann wiederum soll der Angeklagte mit einer Holzlatte derartig heftig auf die Hand geschlagen haben, dass dieser dadurch eine Fraktur des linken Ringfingers erlitten haben soll. Einen schließlich dritten Hinzukommenden soll der Angeklagte durch einen Schlag ins Gesicht eine leichte Stirnverletzung beigebracht haben.

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9. September 2020: Erneut soll es einen tätlichen Angriff an der Wohnadresse gegeben haben. Der Angeklagte soll dabei seiner Nachbarin, die zuvor ein Gespräch mit ihm aus Zeitgründen abgelehnt haben soll, mit der Faust zunächst ins Gesicht geschlagen und der dann am Boden Liegenden mehrfach mit seinem Fuß gegen Kopf, Oberkörper und Beine getreten haben.

Angriff auf Zimmernachbarn mit Messer

1. Oktober 2020: Der Angeklagte soll erneut versucht haben, mit seiner Nachbarin zu sprechen. Dazu soll er versucht haben, mithilfe eines Hammers und eines Schraubendrehers die Tür zu deren Wohnung gewaltsam zu öffnen. Die alarmierte Polizei wollte den Mann festnehmen; dagegen habe sich der Angeklagte "mit erheblicher Kraftentfaltung" gesperrt.

24. Januar 2021: Der Angeklagte soll in einer Asylbewerberunterkunft in Versmold seinem Zimmernachbarn mit einem Küchenmesser mit einer 14 Zentimeter langen Klinge von hinten unvermittelt ohne jegliche Vorwarnung in den Rücken im unteren Brustwirbelbereich gestochen haben. Er soll sich von Schlafgeräuschen des Mannes gestört gefühlt haben.

10. Februar 2021: Erneut griff der Mann zu einer Eisenstange. Diesmal um auf die Wohnungstür seiner oben genannten Nachbarin einzuschlagen. Der Sachschaden belief sich auf etwa 750 Euro.

Insgesamt vier Prozesstage geplant

14. oder 15. September 2021: Der Mann beschädigte der Anklage zufolge erneut die Tür zur Wohnung seiner Nachbarin. Er soll versucht haben, diese in Höhe des Türschlosses aufzustemmen.

Das Landgericht Bielefeld hat bis zum Jahresende drei weitere Termine angesetzt: 12., 13. und 15. Dezember jeweils ab 9 Uhr.

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