HalleLeben im Handwerker-Bulli: Dauercamper stemmen jetzt tierischen Knochenjob

Ein Haller Paar ist im selbstausgebauten Camper seit mehr als einem Jahr unterwegs. Ein Dauerurlaub ist diese Reise nicht. In Portugal packen die beiden mit an – und treffen dabei sogar auf eine Versmolder Auswandererin.

Melanie Wigger

Dario Marcello (Zweiter von links) und Smiljka Fan (vorne) helfen Evelyn Schmidt-Barthold (Mitte) seit Monaten auf der Hundefarm. Darios Papa Aniello Marcello (links) packt bei einem Besuch ebenfalls mit an. Aktuell ist auch Helfer Christian (rechts) vor Ort. - © Fan/Marcello
Dario Marcello (Zweiter von links) und Smiljka Fan (vorne) helfen Evelyn Schmidt-Barthold (Mitte) seit Monaten auf der Hundefarm. Darios Papa Aniello Marcello (links) packt bei einem Besuch ebenfalls mit an. Aktuell ist auch Helfer Christian (rechts) vor Ort. (© Fan/Marcello)

Halle/Versmold. Seit März 2021 reisen Smiljka Fan und Dario Marcello jetzt in dem zuvor selbstausgebauten Handwerker-Bulli namens „Charlie" durchs Ausland – natürlich mit kleinen Besuchen in der Heimat zwischendurch (wir berichteten). Von Reisemüdigkeit ist bei den beiden noch keine Spur. Aber untätig am Strand faulenzen, wollen die Globetrotter nicht. Bereits vor ihrer Abreise – für die sie ihr altes Leben in Künsebeck zurückgelassen haben – stand auf ihrer Bucket-Liste für die Tour, dass sie im Ausland ehrenamtlich arbeiten wollten. Am liebsten mit Tieren.

Ein Wunsch, der nun in Portugal in Erfüllung gegangen ist und das Pärchen ebenfalls erfüllt. „Die Arbeit mit Tieren ist eine dankbare Aufgabe", strahlt Smiljka, als sie über ihre Erfahrungen bei „Tierschutz Esperanca" spricht.

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Ganz besonders ist für das Paar, dass es nebenbei in der Ferne ein Stück Heimat gefunden hat: Die Farm für Straßenhunde gehört der Versmolderin Evelyn Schmidt-Barthold, die in den portugiesischen Süden ausgewandert ist und dort ihr Leben den Tieren widmet (wir berichteten). „Ich habe so einen großen Respekt vor dem, was Evelyn täglich leistet", schwärmt die gebürtige Versmolderin Smiljka. Auch ihr Freund Dario Marcello lobt, dass die Tierschützerin einen grandiosen Job mache: „Sie opfert sich zu hundert Prozent dafür auf – schon seit so vielen Jahren."

Seit Monaten packen sie immer wieder mit an

Die beiden sind nicht nur angetan von dem Engagement der Versmolderin, sondern selbst dadurch dermaßen motiviert, dass sie seit Monaten immer wieder vor Ort mit anpacken. „Evelyn hat keine festen Angestellten. Sie macht alles alleine oder mit wechselnden Helfern", erläutert Smiljka.

Welpen sowie ältere und trainierte Hunde leben auf der Farm. - © Fan/Marcello
Welpen sowie ältere und trainierte Hunde leben auf der Farm. (© Fan/Marcello)

Gekannt habe man sich vorher nicht. Der Kontakt entstand zufällig. Als Hundehalter waren die beiden regelmäßig im Versmolder Fressnapf und erzählten der Mitarbeiterin Gabi Schmidt-Stephan beiläufig, dass sie ins Ausland reisen werden. Beim Stichwort Portugal kam dann der Gedankenblitz. Denn im Versmolder Fachhandel wird Evelyns Tierschutzarbeit seit vielen Jahren unterstützt, indem dort Spenden gesammelt werden. So ergab sich die Idee, Futterrationen im Camper nach Portugal zu befördern. „Eigentlich wollten wir nur zwei, drei Tage bleiben, um alles abzuladen", erinnert sich Smiljka.

„Doch daraus wurden einfach mal acht Wochen. Wir wollten Evelyn unter die Arme greifen, weil wir ihre Arbeit mega finden." Dario ergänzt: „Und weil hier auch einfach ultraviel zu tun ist." Füttern, Gehege säubern, Medizin verabreichen, Gassi gehen, sich mit den Tieren beschäftigen, das Gelände säubern und vieles mehr. Neben den etwa 40 Hunden wollen auch Katzen, Schweine, Hühner, Esel und ein Pferd versorgt werden.

„Es ist halt nicht nur kuscheln"

Ein Knochenjob, den die beiden nun alle paar Wochen weiter unterstützen, indem sie trotz ihrer Reiselust den Hof immer wieder ansteuern. „Es ist wie ein Zuhause", erklärt Smiljka. Das gemeinsame Kochen, Essen und Lachen verbindet sie zu einer Gemeinschaft.

Und dabei lernen sie auch neue Leute kennen. Dario: „Es sind immer mal wieder Helfer für ein paar Wochen da." Leider seien diese häufiger mal überfordert mit den Aufgaben. „Es ist halt nicht nur kuscheln", klärt Smiljka auf, „es ist mit Arbeit verbunden." Und die sind nicht immer angenehm: Als sie zu Beginn in einer Regenphase dort arbeiteten, waren sie Tag für Tag komplett mit Schlamm verdreckt. „Es lohnte sich nicht mal, am nächsten Tag saubere Sachen anzuziehen", schildert Dario.

Auch der rustikale Lifestyle schreckt manche ab, meint Dario. Es sei zwar zum einen eine schöne Naturoase, aber zum anderen einfach gehalten. Umso dankbarer ist Evelyn Schmidt-Barthold über ihr eingespieltes Team: „Ich bin glücklich, zwei so junge engagierte und aufrechte Menschen kennengelernt zu haben."

„Doch jeder Cent hilft"

Beim Spendensammeln helfen ihr die Haller ebenfalls. Letztere seien erschreckend rückläufig. Die Tierschützerin erklärt, dass seit Kriegsbeginn im Frühjahr die Hilfe enorm abgenommen habe. „Doch jeder Cent hilft", appelliert Smiljka. Auch über ihre Reichweite auf Instagram, 3.500 User folgen ihrem Kanal „vanchapter" inzwischen, erhoffen sie sich, helfen zu können. Dort haben sie auch einige Vermittlungstiere vorgestellt.

Dieser kleine Racker sucht noch nach einem Zuhause. - © Fan/Marcello
Dieser kleine Racker sucht noch nach einem Zuhause. (© Fan/Marcello)

Die Tiere haben es dort sehr gut, berichten die beiden: viel Auslauf, ein kleiner See, schattenspendende Bäume und vieles mehr. „Dennoch hat es jeder Hund verdient, eine eigene Familie zu bekommen", findet Dario. Auch die Dauercamper haben ihre „Familie" erweitert. Hündin Nala, die kurz vor der Abreise adoptiert wurde, hat eine Gefährtin auf der Hundefarm gefunden: Ella reist jetzt ebenfalls im Camper mit. „Es war Liebe auf den ersten Blick", sagt Smiljka.

Die frisch kastrierte Hündin, die mit ihrem Schutztrichter um den Kopf erst einmal mit Karacho gegen eine Schubkarre lief, ließ ihr Herz schmelzen. „Sie ist aufgestanden und weitergesprintet", berichtet Smiljka und lacht, „da wusste ich – das ist mein Hund." Dario hat die Hündin ebenfalls ins Herz geschlossen – und freut sich zudem für Nala, die sich in den seltenen Momenten ohne ihre Halter nun nicht mehr langweilen muss. Zu eng wird es auf den wenigen Quadratmetern des ehemaligen Handwerker-Bullis trotzdem nicht. Der Camper wurde sogar noch einmal hundegerecht angepasst. Unter dem Bett von Dario und Smiljka haben die tierischen Begleiter jetzt ihre eigene Kuschelhöhle.

„Ich habe einen Riesenrespekt davor"

Trotz aller Begeisterung – dauerhaft könnten sich die beiden diesen Job nicht vorstellen. „Eher immer mal wieder", so Smiljka. „Aber ich habe bei Evelyn gesehen, dass man damit eigentlich kein anderes Leben mehr hat." Der Druck sei zu groß. „Ich habe einen Riesenrespekt davor." „Es ist ein Fulltime-Job und du verdienst kein Geld damit", stellt Dario klar.

Die Tierschützerin kann Interessenten viel über das Wesen ihrer Hunde berichten, damit sich schlussendlich die passenden Paare finden. - © Fan/Marcello
Die Tierschützerin kann Interessenten viel über das Wesen ihrer Hunde berichten, damit sich schlussendlich die passenden Paare finden. (© Fan/Marcello)

Solange sie in Portugal sind, wollen sie weiterhin helfen. Auf die Frage, wann es zurückgeht, halten sie sich wie gewohnt alle Türen offen – doch ein dauerhaftes Leben in Portugal steht hoch im Kurs. Etwas Konkretes gebe es aber nicht. Nur die Rückkehr nach Deutschland als fester Wohnort sei für sie unwahrscheinlich. Auch wenn sie bereits die südeuropäischen Länder durchquert haben – scheint ein Ende ihres Abenteuers vorläufig noch nicht in Sicht.

Wer helfen will, kann sich unter www.tierschutz-esperanca.com informieren sowie weiterhin Spenden im Versmolder Fressnapf abgeben. Auch Smiljka Fan und Dario Marcello helfen auf Instagram unter „vanchapter" bei Fragen zu Vermittlung oder Unterstützungsangeboten.

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