HalleDer Altkreis Halle sammelt für die Flutopfer

Ehemalige Handballer des SC Halle um Matthias „Charly“ Braun starten eine Spendenaktion für die vom Hochwasser stark betroffene Stadt Bad Münstereifel. Auch der Versmolder Entsorger Schnur ist auf dem Weg ins Krisengebiet.

Rita Sprick, Heiko Kaiser

Badmünstereifel nach den Überschwemmungen im Juli 2021. - © Stadt Bad Münstereifel
Badmünstereifel nach den Überschwemmungen im Juli 2021. © Stadt Bad Münstereifel

Halle/Versmold. Egal ob Tierfutter, Schaufeln, Pumpen oder Geld - die Menschen im Altkreis Halle wollen den Opfern der Flut unter die Arme greifen. Daher gab es in den vergangenen Tagen mehrere Aktionen von Privatpersonen und auch das THW ist schon wieder auf dem Sprung ins Krisengebiet. Zwei der vielen Aktionen wollen wir unseren Lesern hier vorstellen:

Handballer des SC Halle und Stadt schließen sich zusammen

Dieter Büßelberg (von links), Sabine Neumann (beide von der HIW), im Hintergrund Axel Reimers, Thomas Tappe und Hasan Akpinar und vorne die ehemaligen Handballer des SC Halle, Jochen Otte, Folker Hohensträter und Matthias "Charly" Braun. - © Heiko Kaiser
Dieter Büßelberg (von links), Sabine Neumann (beide von der HIW), im Hintergrund Axel Reimers, Thomas Tappe und Hasan Akpinar und vorne die ehemaligen Handballer des SC Halle, Jochen Otte, Folker Hohensträter und Matthias "Charly" Braun. (© Heiko Kaiser)

Als Matthias Braun, den sie alle nur Charly nennen, im Fernsehen die Bilder von den Zerstörungen in Bad Münstereifel sieht, öffnet sich in seinem Gedächtnis ein Erinnerungsfenster. Daraus blickt er auf längst vergangene Tage, in denen die Handballer des SC Halle enge Kontakte zum TVE Bad Münstereifel pflegten, als gegenseitige Besuche an der Tagesordnung waren. „Das war eine tolle Freundschaft" sagt er heute und fügt mit einem verschmitzten Lächeln hinzu: „Sportlich wie kulturell."

Der Mannschaftskollege Wolfgang Kalbow, der einst in Bad Münstereifel an der dortigen Fachhochschule Rechtspflege studierte, hatte die ersten Kontakte geknüpft. Die Haller reisten zu Turnieren in den Kreis Euskirchen, bei Gegenbesuchen wurden die Gäste von der Erft mit dem Ablauf eines typischen bierseligen Haller Abends vertraut gemacht. Wie gesagt, längst vergangene Zeiten. Und doch so präsent, dass Braun beim Ansehen der furchtbaren Bilder aus Bad Münstereifel spontan entschied: „Da muss man doch helfen." Aber wie? Seine einzige konkrete Erinnerung war die an ein Lied über einen TVE-Handballer. „Wir brauchen keinen Hansi Schmidt, wir haben einen Ri, Ri, Ricola" hieß es in dem Schlachtruf, den die Handballer dort einst sangen. Braun fragte bei den ehemaligen Teamkollegen Jochen Otte und Folker Hohensträter nach und die konnten sich erinnern, dass „Ricola" mit Nachnamen Fuchs geheißen hatte. Braun rief auf gut Glück in Bad Münstereifel an und hatte Erfolg. Richard „Ricola" Fuchs lebt noch immer in Bad Münstereifel, seine Frau Brigitte ist dort stellvertretende Bürgermeisterin.

Bürgermeister Thomas Tappe reagiert schnell

Dann holte Braun auch Bürgermeister Thomas Tappe ins Boot und erzählte ihm von seinem Plan, eine Spendenaktion zu starten. Der war so begeistert, dass er noch am späten Mittwochabend Kontakt zu Brigitte Fuchs aufnahm. „Wir haben lange gesucht und überlegt, wie sich die große Spendenbereitschaft unserer Bürgerinnen und Bürger kanalisieren lässt. Nach diesem Telefonat war ich überzeugt, dass unsere Spenden dort sehr gut angelegt sind", sagt Tappe.

Durch die privaten Kontakte könne sichergestellt werden, dass das Geld auch ankomme. „Die Spenden werden auf den städtischen Konten gesammelt. Das Geld geht eins zu eins, ohne Abzug von Verwaltungskosten direkt an betroffene Familien, die vor dem Nichts stehen oder an Institutionen in der Stadt", erklärt der Haller Bürgermeister.

Auch die HIW ist mit im Boot

Bereits am Morgen danach war auch die Haller Interessen- und Werbegemeinschaft (HIW) dabei. „Wir hatten ohnehin etwas geplant und unterstützen die Aktion sehr gerne, indem wir bei unseren Händlern Spendendosen aufstellen", sagt HIW-Vorstandsmitglied Dieter Büßelberg. Die Dosen stehen ab Montag bereit. Tappe weiß zudem aus vielen Gesprächen, dass auch bei den heimischen Unternehmen der Wunsch nach einer gemeinsamen Spendenaktion besteht. „Das ist eine tolle solidarische Gemeinschaftsaktion der Haller Zivilgesellschaft", so Tappe.

Die Spendenkonten der Stadt lauten: Kreissparkasse Halle, IBAN: DE32 4805 1580 0000 0000 18 oder Volksbank Halle, IBAN: DE90 4806 2051 0192 9102 00. Verwendungszweck jeweils: 10054694/Spende Fluthilfe.

Versmolder Entsorger hilft im Hochwassergebiet

Christina Schnur (von links), Jan Griestop, Moritz Lehmann, Stefan Schnur, Joel Groen, Alexander Herzog und Thomas Fischer freuen sich über die Spenden, die mit vier Lkw nach Ahrweiler gebracht wurden. - © Rita Sprick
Christina Schnur (von links), Jan Griestop, Moritz Lehmann, Stefan Schnur, Joel Groen, Alexander Herzog und Thomas Fischer freuen sich über die Spenden, die mit vier Lkw nach Ahrweiler gebracht wurden. (© Rita Sprick)

Auch das Versmolder Entsorgungsunternehmen Schnur startet einen Spendenaufruf für die Hochwasseropfer. Die Resonanz ist überwältigend. Um 19.30 Uhr am Donnerstag war alles verladen. Jan Griestop, Alexander Herzog, Moritz Lehmann und Thomas Fischer starteten mit ihren bis unters Dach mit Spenden vollgepackten Lkw Richtung Ahrweiler. Einen Teleskop-Bagger hatte Chef Stefan Schnur bereits Mittwoch ins Überflutungsgebiet geschickt.

Jetzt folgten vier Lkw, um beim Aufräumen zu helfen. Unbrauchbarer Hausrat der Einwohner muss zu Entsorgungsbetrieben abtransportiert werden. Erst am Dienstag hatte Christina Schnur einen Spendenaufruf bei Facebook und über via WhatsApp gestartet. „Die Spendenflut war einfach überwältigend", sagt die Schwester des Firmenchefs und bedankt sich mit ihrem Bruder bei allen, die einen Beitrag für die Flutopfer leisteten. Landwirte brachten Heu, Stroh und Silage. Firmen spendeten Tierfutter, Besen und Schaufeln. Privatleute brachten Konserven und andere haltbare Lebensmittel vorbei.

Im Betrieb wurden noch Geldspenden gesammelt

„Im Betrieb stehen alle hinter der Aktion. Wir haben noch zu Geldspenden aufgerufen und es kamen 700 Euro zusammen", sagt Christina, die dafür Hygieneartikel wie Toilettenpapier und Zahnbürsten kaufte. Was besonders gebraucht wird, erfuhr die Initiatorin über das DRK Sassenberg. „Alle Kontakte laufen über die Institution. Sie haben uns auch den Einsatzort mitgeteilt und die Ansprechpartner vor Ort."

Auch andere engagieren sich, weiß Stefan Schnur. Darunter ein Unternehmen aus Harsewinkel, das mit Baumaschinen im Einsatz ist. Zudem leistet die Firma Thermotraffic einen Beitrag für Menschen im Hochwassergebiet mit Spendengeldern vom Betrieb und von Mitarbeitern.

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