VersmoldStadt Versmold legt den Impf-Turbo ein

In Kooperation mit der Stadt wollte die Versmolder Ärzte an zentraler Stelle impfen. Dazu ist es bisher nicht gekommen. Geimpft wird in den dafür vorgesehenen Räumen dennoch. Die Nachfrage ist groß.

Tasja Klusmeyer, Marc Uthmann

Am Samstag wurde am Schulzentrum in Versmold im großen Stil geimpft. - © Pixabay
Am Samstag wurde am Schulzentrum in Versmold im großen Stil geimpft. © Pixabay

Versmold. Insgesamt 78 Impfdosen hat Dr. Karlheinz Jordan dabei. Der Mediziner aus Werther ist Betriebsarzt unter anderem für das Versmolder Unternehmen Wenner. Im einstigen Nähraum der Hauptschule sitzen am Dienstagmorgen die ersten Wartenden, im Zimmer nebenan bereitet Dr. Jordan alles vor.

Währenddessen ist Geschäftsführer Stephan Potthoff-Wenner erleichtert, dass er seiner Belegschaft ein Angebot machen kann. „Ich bin froh, dass es nun in dieser Form gelingt", sagt er. Das Vollpappenverarbeitungswerk aus dem Industriegebiet ist das erste Unternehmen, das die Impfstation der Stadt nutzt. Um Organisation und Impfstoff musste sich der Betrieb selbst kümmern; auch Sanitäter hat er vor Ort. Die Räume stellt die Stadt kostenfrei zur Verfügung.

Links zum Thema



Plan der Hausärzte: Wann bekommt Versmold sein eigenes Impfzentrum? |HK+

Impfstoffmenge und Zeit der Ärzte sind die Probleme

Laut Bürgermeister Michael Meyer-Hermann gibt es bei weiteren Betrieben Interesse – an Impfstoff und Arztverfügbarkeit aber mangelt es. Stephan Potthoff-Wenner kann kleinere und mittlere Betriebe nur dazu ermutigen, vielleicht durch gemeinsame Anstrengungen Aktionen für die Belegschaft anbieten zu können. 47 Impflinge haben sich bei Wenner gemeldet. Dazu kommen Mitarbeiter eines Osnabrücker und eines Versmolder Betriebes, für die Dr. Jordan als Arbeitsmediziner tätig ist. Als kleiner eigenständiger Betriebsarzt sei bei ihm weniger die Impfstoffmenge ein Problem, sondern vielmehr die Zeit. „In den nächsten fünf Wochen werde ich 500 bis 600 Leute impfen", sagt er. Danach folgt die Zweitimpfung.

Das Unternehmen Wenner hat dafür bereits im Juli den Termin an der städtischen Impfstation gebucht. Dass ein Großteil der Belegschaft an einem Tag an der Reihe ist, birgt das Risiko von mehreren Ausfällen. „Das nehmen wir gerne in Kauf", sagt Stephan Potthoff-Wenner. Wichtig ist ihm, dass alle, die möchten, den Schutz bekommen. Arbeitszeit wird den Personen nicht abgezogen, Verdienstausfall gibt es ebenso nicht. „Das ist für uns eine Selbstverständlichkeit."

Großaktion am vergangenen Samstag

Die betrieblichen Impfungen an der Schulstraße sind also gestartet. Erstmals wurden dort Mitte Mai die Spritzen aufgezogen. In einem Sondertermin konnten sich Bewohner von städtischen Unterkünften impfen lassen; etwa 40 machten davon Gebrauch.

Am vergangenen Samstag gab es nun eine weitere Großaktion am Schulzentrum. „Sie sollte gezielt Menschen ansprechen, die aus unterschiedlichen Gründen voraussichtlich mit einem Impfangebot über Hausärzte nicht erreicht werden können", erklärt die zuständige Fachbereichsleiterin Claudia Rohde auf Anfrage des Haller Kreisblattes.

Menschen aus "prekären Wohnverhältnissen" erhalten Impfung

Erneut standen dabei die Menschen im Fokus, die in den viel zitierten „prekären Wohnverhältnissen" leben, also tendenziell mit weniger Raum: Bewohner von Flüchtlingsunterkünften oder Werkvertragsarbeiter aus der Fleischwarenindustrie. „Das Ordnungsamt hat gezielt geschaut, in welchen Bereichen immer wieder Infektionen auftreten und durch die äußeren Umstände die Weitergabe des Virus an andere Personen so gut wie nicht vermieden werden kann", schildert Rohde. „Dies ist beispielsweise insbesondere bei Nutzung von Gemeinschaftsküchen und gemeinsamer Nutzung von sanitären Anlagen der Fall."

Wie mehrfach berichtet hatte auch Versmold wiederholt mit Infektionsclustern zu kämpfen – betroffen waren dabei unter anderem städtische Unterkünfte für Geflüchtete und ein fleischverarbeitender Betrieb.

Es kann losgehen: Dr. Karlheinz Jordan (rechts) hat den Impfstoff bereit gelegt. Bürgermeister Michael Meyer-Hermann und Unternehmer Stephan Potthoff-Wenner (links) sind froh über den Fortschritt in der Versmolder Impfstation. Foto: Tasja Klusmeyer - © Tasja Klusmeyer
Es kann losgehen: Dr. Karlheinz Jordan (rechts) hat den Impfstoff bereit gelegt. Bürgermeister Michael Meyer-Hermann und Unternehmer Stephan Potthoff-Wenner (links) sind froh über den Fortschritt in der Versmolder Impfstation. Foto: Tasja Klusmeyer (© Tasja Klusmeyer)

Von 9 bis 15 Uhr wurde am Samstag geimpft – das Team des Impfzentrums des Kreises hatte die Aktion in Zusammenarbeit mit der Kassenärztlichen Vereinigung Westfalen-Lippe koordiniert. Die Stadt stellte Räumlichkeiten und Mitarbeitende zur Verfügung. Zwei Ärzte aus Versmold beteiligten sich an den Aufklärungsgesprächen. Der Zutritt wurde über von der Stadt engagiertes Sicherheitspersonal geregelt, die vor Eintritt eine Kontrolle der Körpertemperatur vornahmen. Das DRK war mit zwei helfenden Mitarbeiterinnen vor Ort.

Aktion spricht sich schnell herum – nicht alle kommen zum Zug

Verimpft wurde der Impfstoff von Johnson & Johnson – Personen, die ihn aufgrund medizinischer Empfehlung nicht erhalten konnten, bekamen Moderna. Claudia Rohde zieht eine positive Bilanz: „Es wurden 219 Impfungen durchgeführt. Wir haben eine Vielzahl an Personen gerade in den Unterkünften und Arbeitnehmer-Wohngemeinschaften erreichen können." Allerdings seien nicht alle Personen erschienen, die vorab ihr Kommen zugesagt hatten. „Es ist schwer zu sagen, woran es liegt. Es gab möglicherweise Vorbehalte gegen Johnson & Johnson oder grundsätzliche Skepsis gegenüber einer Impfung", so Rohde.

Für diesen Fall hatte die Stadt vorgesorgt. Es gab eine Reserveliste von Personen, die bei Lücken im Impfablauf spontan informiert wurden. Unter anderem gab es auch ein Angebot an die Übungsleitenden der örtlichen Sportvereine. „Nachdem wir einige Absagen erhalten haben, wurden auch Personen geimpft, die spontan vorbeigekommen sind und ihre Bedürftigkeit glaubhaft machen konnten. Die letzten beiden aufgezogenen Impfdosen haben wir frei vergeben, damit sie nicht im Abfall landen", berichtet Rohde.

Viele Versmolder eilten vergeblich zur Schulstraße

Viele Versmolder eilten vergeblich zur Schulstraße – da war der begehrte Impfstoff schon weg. „Gerade im Hinblick auf die Cluster in der Vergangenheit ist eine solche Aktion zielführend", sagt Rohde – und lobt zum Abschluss auch das Engagement einer anderen Helfergruppe: „Neben dem großen Einsatz von Johann Jendryczko von der Stadt war das große Engagement der anderen Dolmetscher beeindruckend. Teilweise wurden sie von den Personen mitgebracht oder stellten sich auch spontan zur Verfügung."

Kommentare

Um Ihren Kommentar abzusenden, melden Sie sich bitte an.
Sollten Sie noch keinen Zugang besitzen, können Sie sich hier registrieren.

Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Nutzungsbedingungen für die Kommentarfunktion an.