VersmoldSchlechte Nachrichten aus dem Storchennest im Versmolder Bruch

Wie viele Küken sitzen im Horst an der Wiesenstraße? Bruch-Fachmann Bernhard Walter hat die Antwort und gleichzeitig eine schlechte Nachricht.

Tasja Klusmeyer

Die Elterntiere haben gut zu tun, den Nachwuchs zu versorgen. - © Lisa Dölling
Die Elterntiere haben gut zu tun, den Nachwuchs zu versorgen. © Lisa Dölling

Versmold. Mitte Mai stand Lisa Dölling im entscheidenden Augenblick mit der Kamera im Naturschutzgebiet und fotografierte, wie ein Storch ein totes Küken aus dem Nest warf. Zu dem Zeitpunkt war die Versmolderin davon ausgegangen, dass nun nur noch zwei Junge im Nest sitzen. Sie irrte sich – wie sich kurze Zeit später herausstellte. Sie selbst, aber auch weitere Tierfreunde bemerkten einen dritten Schnabel.

Dass einst also vier Küken hoch oben über dem Bruch geschlüpft waren, war längere Zeit unbemerkt geblieben. „Relativ viel, aber nicht unnormal", sagt Bernhard Walter, Leiter der Biologischen Station Gütersloh-Bielefeld, zum Quartett. Mehr als vier Jungtiere seien sehr selten. Der Nachwuchs von der Wiesenstraße war anfangs noch so zart, dass er vom Boden oder dem Aussichtsturm aus nicht zu sehen war. Inzwischen ist er gut gewachsen. Seit einigen Tagen hatte Lisa Dölling die Vermutung, dass irgendetwas in der Kinderstube passiert sein muss.

Plastikteile können Jungvögel töten

Alle vereint: Die Elterntiere mit ihren beiden Küken, die inzwischen prächtig gedeihen. Ihre beiden Geschwister haben es nicht geschafft. - © Lisa Dölling
Alle vereint: Die Elterntiere mit ihren beiden Küken, die inzwischen prächtig gedeihen. Ihre beiden Geschwister haben es nicht geschafft. (© Lisa Dölling)

Bernhard Walter, Leiter der Biologischen Station Gütersloh-Bielefeld, bestätigt dies. „Es sind definitiv nur noch zwei", sagt er dem Haller Kreisblatt, nachdem er die Lage persönlich vor Ort überprüfte. Ein weiteres Jungtier ist gestorben. Nun kümmern sich die Elterntiere um die verbliebenen zwei. „Sie sollten überleben – wenn sie nichts Falsches fressen." Oft komme es vor, dass Störche beim Nestbau Plastikteile oder -schnüre mit verwenden. „Fatal", sagt Walter. Jungvögel könnten dies verschlucken oder daran hängenbleiben. Ob das die Ursache für den Tod der beiden Versmolder Küken ist, ist unklar.

Fest steht, dass Familie Adebar von der Wiesenstraße nicht die Einzige in Bruch-Umgebung ist. Ein zweites Paar zieht ebenso zurzeit seinen Nachwuchs groß. Mehr Brutpaare sollten es nach Einschätzung von Bernhard Walter künftig nicht werden. „Wenn sie Junge haben, brauchen sie jede Menge Nahrung", sagt der Leiter der Biostation. Frösche, Kröten oder Mäuse sind aber nicht unendlich verfügbar.

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Vier, fünf Wochen noch wird der Nachwuchs im Nest bleiben. Lisa Dölling und andere Storchen-Beobachter drücken die Daumen, dass dann zwei Jungstörche flügge werden.

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