VersmoldVersmolder Klimaschutz wirkt sich auch auf Bürger aus

Seit 2016 hat die Stadt dafür ein Konzept. Viele Maßnahmen wurden schon umgesetzt, weitere sind geplant. Auf die Bürger hat das Auswirkungen. Zum Beispiel bei der Vorgarten-Gestaltung.

Tasja Klusmeyer

Im vergangenen Jahr wurde der Bockhorster Bach auf einem Abschnitt naturnah gestaltet. Seitdem schlängelt sich das Gewässer durch die Landschaft - und bietet wichtige Lebensgrundlage für Flora und Fauna. - © Ralf Kloke
Im vergangenen Jahr wurde der Bockhorster Bach auf einem Abschnitt naturnah gestaltet. Seitdem schlängelt sich das Gewässer durch die Landschaft - und bietet wichtige Lebensgrundlage für Flora und Fauna. © Ralf Kloke

Versmold. 56 Seiten lang ist der Bericht der Verwaltung, den sie als Zwischenstand für die Politik vorbereitete. „Sehr umfangreich", lobte Wolfgang Beuge von den Grünen und sprach von einem „guten Arbeitspapier". Deshalb hätte er sich mehr als einen Tag Vorbereitungszeit vor der Sitzung des Mobilität-, Energie- Klima- und Umweltausschusses gewünscht. Das Gelesene und Gehörte zum städtischen Klimaschutz möchte er genauer besprochen wissen. „Das eine ist, was man sagt – das andere, was man tut."

Bürgermeister Michael Meyer-Hermann sagte zu, dass man je nach Zuständigkeit einzelne Maßnahmen in den Fachausschüssen beraten könne. Die Fraktionen könnten gerne Themen benennen. Der Bericht umfasst verschiedene Handlungsfelder, mit dem Ziel, den CO2-Ausstoß zu verringern und die Umwelt zu schützen. Die Stadt will vorangehen und gleichzeitig die Bevölkerung zum klimabewussten Handeln anregen.

Klimaschutz im Garten
Norbert Wichmann (von links) vom Klimaschutzteam der Stadt, Fachbereichsleiter Dirk Niggemann und Bürgermeister Michael Meyer-Hermann hatten im Sommer 2020 Pflanzen zu verschenken. Am Ende der Aktion wurden 158 Obstbäume und 1.104 Sträucher verteilt. - © Rita Sprick
Norbert Wichmann (von links) vom Klimaschutzteam der Stadt, Fachbereichsleiter Dirk Niggemann und Bürgermeister Michael Meyer-Hermann hatten im Sommer 2020 Pflanzen zu verschenken. Am Ende der Aktion wurden 158 Obstbäume und 1.104 Sträucher verteilt. (© Rita Sprick)

Ein generelles Verbot von Schotterflächen in Vorgärten möchte die Stadt nicht aussprechen. Geplant sind dagegen strengere Vorgaben bei künftigen Baugebieten. So ist angedacht, den Anteil von Vegetationsflächen vor dem Haus festzulegen und den versiegelten Bereich zu beschränken. Mineralstoffe wie Kies sollen nur untergeordnet in den Beeten zugelassen, Sperrschichten verboten werden. Wie genau die Festsetzungen sein werden, wird die Politik im Zuge der konkreten Bebauungsplanaufstellungen entscheiden. „Das kann nur beispielhaft sein", kommentierte SPD-Frau Liane Fülling die Inhalte des Klimaschutzkonzeptes.

Insgesamt spielen in Neubaugebieten zunehmend Umweltthemen eine Rolle. Kleine Baufenster bedeuten geringere Flächenversiegelung. Sowohl auf öffentlichen als auch auf privaten Flächen ist je nach Bodenbeschaffenheit Regenwasserversickerung vorgesehen, und die Stadt fordert zur Einfriedung im Vorgartenbereich lebende Hecken aus heimischen Gehölzen.

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Insektenfreundlichkeit

Was die Stadt von anderen fordert, setzt sie selbst an vielen Stellen um. Seit zehn Jahren unterstützt sie die Initiative „Versmold blüht auf". Was schön fürs Auge ist, ist gut für die Insekten. In einigen Beeten im Straßenraum sollen nun verstärkt insektenfreundliche Stauden statt Wildblumen gepflanzt werden . In Oesterweg gibt es seit vergangenem Jahr eine Babybaumwiese, zudem ist ein großes Artenschutzprojekt in Halstenbeck entstanden, das weiterentwickelt wird. Beispiele für die Schaffung artenreicher Lebensräume – in Kooperation mit der VITAL-Region GT 8 – sind ein Saumpflegekonzept am Wegesrand an der Straße Zu den Bergwiesen in Hesselteich, Blühflächen auf dem Peckeloher Golfplatz und eine Heidefläche auf dem Brunnengelände des Wasserwerks.

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Brunnen fürs Parkbad

Bei ihren eigenen Gebäuden bringt die Stadt seit Jahren die energetische Sanierung voran. Dazu gehören der Austausch von Fenstern und Türen, effizientere und umweltfreundlichere Anlagentechnik, LED-Beleuchtung oder PV-Anlagen auf Dächern. Zwei neue Projekte sind geplant. Wie berichtet sollen einige städtische Liegenschaften künftig durch Abwärme des Kronenkorkenherstellers Brüninghaus versorgt werden. Für das Naturerlebnisbad ist der Bau eines Brunnens zur Eigenwasserversorgung vorgesehen. Bei Neubauprojekten will die Stadt zukünftig konsequent auf den Einsatz fossiler Brennstoffe verzichten. Gleichzeitig sind die Dachflächen so auszulegen, dass diese möglichst großflächig mit Photovoltaikanlagen belegt werden können. Ihr Ziel: ein im Betrieb klimaneutrales Gebäude. Diese grundsätzlichen Planungsansätze sind für den Neubau des Grundschule Bockhorst berücksichtigt.

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Naturnahe Gewässer

Im vergangenen Jahr hat die Stadt einen Abschnitt des Bockhorster Baches renaturieren lassen und damit die Forderungen der Europäischen Wasserrahmenrichtlinie umgesetzt. Eine weitere Maßnahme an dem Gewässer ist in Planung. Auf einer Länge von 120 Metern soll im Bereich der Dorfstraße die naturnahe Gestaltung erfolgen und den Bach ökologisch aufwerten. Die Verwaltung rechnet damit, bis zum Frühsommer eine Vorentwurf erstellt zu haben, um ihn der Politik vorstellen zu können.

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Besseres Kanalnetz

Auf den ersten Blick verbindet man die Abwasserbeseitigung nicht unbedingt mit Klimaschutz. Der Betrieb des Klärwerks aber ist stromintensiv. Deshalb machen verschiedene energieeffizientere Maßnahmen Sinn. Der Austausch von Pumpen, eine verbesserte Entwässerung des Klärschlamms und feinere Steuerung der Gebläse verringern den Energieverbrauch. Gleichzeitig wird schrittweise das Kanalnetz modernisiert – im Mai geht die Sanierung an der Waldenburger Straße weiter.

Information und Aktionen

Die Corona-Situation bremst das städtische Klimaschutzteam bei publikumswirksamen Aktionen aus. 2021 sollte der 1. Versmolder Mobilitätstag im Rahmen der Gewerbeschau stattfinden, bei dem sich alles ums Thema „Alternativen zum Individualverkehr" drehen sollte. Doch die Veranstaltung ist abgesagt. „Es lässt sich in diesem Jahr nicht bewerkstelligen", informierte Umweltberater Norbert Wichmann.

Mit Fragezeichen versehen sind die für den 5. Juni vorgesehene Radtour anlässlich des OWL-Klimaschutztages sowie die Teilnahme an der Europäischen Mobilitätswoche im September. „Wir müssen abwarten", so Wichmann. Gleiches gilt für den Regionalmarkt, der im Oktober zusammen mit dem Wurstträgermarkt geplant ist, sowie Vorträge mit der Volkshochschule und Projekte mit Schulen/Kitas. Stattfinden wird das Stadtradeln vom 16. Mai bis 5. Juni und ebenso ab Mitte Mai eine Online-Vortragsreihe mit dem Titel „Klimafreundlich Wohnen".

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