VersmoldDie Stadt muss sparen: Auf ein Projekt wird nun wohl ganz verzichtet

Das Integrierte Städtebauliche Entwicklungskonzept (ISEK) wird teurer als zunächst kalkuliert. Schon länger war klar, dass nicht alles umgesetzt werden kann. Der Vorschlag kommt nicht mehr überraschend. Parallel entwickelt sich allerdings ein spannendes Projekt.

Marc Uthmann

Seit gut einem Monat laufen die Bauarbeiten auf dem Marktplatz. Der Schweinebrunnen bleibt von der Veränderung unberührt. - © Tasja Klusmeyer
Seit gut einem Monat laufen die Bauarbeiten auf dem Marktplatz. Der Schweinebrunnen bleibt von der Veränderung unberührt. © Tasja Klusmeyer

Versmold. Bald ist es Zeit, einen Strich unter die Zwischenrechnung der Innenstadtsanierung zu ziehen. Welche Kosten die Maßnahmen des ISEK bislang verschlungen haben, wird am kommenden Mittwoch, 21. April, im Planungs- und Stadtentwicklungsausschuss präsentiert. Und die Stadtverwaltung legt einen unpopulären, aber zu erwartenden Sparvorschlag auf den Tisch.

Kosten liegen auf dem Tisch

Sie schlägt der Politik vor, auf die Sanierung der Aula Schulstraße zu verzichten. Die Sanierung von Rathausvorplatz, Münsterstraße, Gartenstraße und Altstadtstraße sowie Kirchplatz sind nach zwei Bauabschnitten mittlerweile fertiggestellt. Die geprüften Schlussrechnungen liegen laut Stadtverwaltung zwar noch nicht vor, doch können die Kosten bereits grob geschätzt werden. Die Bauarbeiten zum Ausbau des Marktplatzes und der Berliner Straße laufen aktuell – hier können die voraussichtlichen Kosten anhand der vergebenen Aufträge ermittelt werden. Für den letzten Bauabschnitt auf der Ravensberger Straße gibt es immerhin die Entwurfsplanung mit der Kostenberechnung.

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Torsten Gronau, Vorsitzender vom Planungsausschuss. Foto: CDU - © CDU Versmold
Torsten Gronau, Vorsitzender vom Planungsausschuss. Foto: CDU (© CDU Versmold)
Vieles ist weggefallen

Und damit lässt sich abschätzen, wohin die Reise finanziell geht: Die voraussichtlichen Gesamtkosten betragen knapp 6,97 Millionen Euro. Um im Kostenrahmen des Großprojektes zu bleiben, hatte der Stadtrat wie berichtet bereits im Juli 2019 beschlossen, auf den Rückbau von Gebäuden (70.000 Euro), die Modernisierung und Instandsetzung privater Immobilien (295.000 Euro), den weiteren Ausbau der Berliner Straße ab Wittensteiner Straße (335.000 Euro) sowie den Ausbau der Ravensberger Straße von der Gestermannstraße bis zur Ampelkreuzung B476 (271.000 Euro) zu verzichten.

Damit sinkt das Gesamtvolumen der Innenstadtsanierung zwar um knapp eine Million Euro. Doch ein Blick auf die bisherigen Ausgaben mach deutlich, dass noch mehr eingespart werden muss.

Fast sieben Millionen Euro

Bisher wurden 2,67 Millionen Euro für das ISEK ausgegeben – am Ende dürfte das Gesamtpaket voraussichtlich 6,967 Millionen Euro kosten. Dieser Summe stehen 6,75 Millionen Euro gegenüber, die nach derzeitigem Kenntnisstand der Stadt förderfähig im Rahmen des ISEK wären. Das ergibt sich aus den verschiedenen Zuwendungsbescheiden, die Versmold bereits erhalten hat, sowie dem noch ausstehenden Bescheid für Aabach und Friedenspark.

Baukosten galoppieren

Seitdem die Baukosten für das ISEK erstmals aufgestellt wurden, sei der Baupreisindex in NRW um 18,6 Prozent gestiegen, argumentiert die Stadt in ihrer Beschlussvorlage. Das wäre gleichbedeutend mit Mehrkosten von knapp 593.000 Euro für die Versmolder Innenstadtsanierung. „Insgesamt ist festzustellen, dass das Bauen einer deutlichen Preissteigerung unterliegt und es nur eine begrenzte Mittelzurverfügungstellung durch das Land gibt", heißt es in der Vorlage. Das Geld wird also knapp – dennoch muss das Gesamtbudget grundsätzlich eingehalten werden.

Hoffnung auf Nachschlag

Prioritäten hat die Stadt, wie vom Land gefordert, bereits gesetzt: Die Ravensberger Straße genießt demnach Vorrang vor der Gestaltung der Grünflächen entlang des Aabachs und der Umgestaltung des Friedensparks. Für die Ravensberger Straße wurden daraufhin bereits 432.000 Euro Fördermittel bewilligt – was Aabach und Friedenspark angeht, hofft die Stadt auf Zuschüsse 2022. Zudem hat sie die Übernahme bislang entstandener Mehrkosten in Höhe von 260.000 Euro beantragt – das Geld könnte aus Mittelrückflüssen anderer Städte fließen. Eine abschließende Bewilligung durch die Bezirksregierung Detmold steht allerdings noch aus.

Pläne mit Brüninghaus

Fest steht: Will die Stadt die bislang genannten Maßnahmen wie geplant durchführen, wird sie ihr ISEK-Budget dafür voll ausschöpfen. Die energetische Sanierung und barrierefreie Gestaltung der Aula am Schulzentrum passt in dieses Paket nicht mehr hinein. Die Stadt schlägt darum vor, darauf zu verzichten. Interessant: Unter anderem sei angedacht, das Schulzentrum und mit ihm auch die Aula mit Wärme aus einem Industriebetrieb zu versorgen. Bautechnisch sei eine Sanierung also entbehrlich. Dahinter verbirgt sich ein spannendes Projekt, zu dem es erste Überlegungen bereits 2013 gab. Der Versmolder Kronenkorkenhersteller Brüninghaus könnte demnach per Rohrleitung Wärme an das Schulzentrum liefern.

Stadt als Abnehmer

Im energieintensiven Produktionsprozess bei Brüninghaus entsteht auch nach jüngsten Modernisierungsmaßnahmen so viel Abwärme, dass es wirtschaftlich wäre, diese zu sammeln und zu nutzen. Das Unternehmen würde demnach die technische Infrastruktur aufbauen und die Stadt beliefern. Zunächst aufgrund der Investitionskosten zu höheren Konditionen, mittelfristig soll das Projekt allerdings für beide Seiten äußerst rentabel sein. Klingt nach guten Nachrichten. Allerdings nicht für die Umgestaltung des Außenbereichs der Aula. Denn sie sei allein nicht förderfähig, heißt es von der Stadt.

"Im Moment ist nichts planbar"

CDU-Politiker Torsten Gronau ist Vorsitzender des Planungs- und Stadtentwicklungsausschusses. Und als solcher seit einiger Zeit mit den erheblichen Baukostensteigerungen bei kommunalen Projekten konfrontiert.´ Das betrifft nicht nur die Innenstadtsanierung, auch der Bauhof oder der OGS-Anbau der Sonnenschule wurde teurer als veranschlagt. Und daran werde die Stadt bis auf Weiteres auch nichts ändern können, schätzt Gronau, der selbst ein Fensterunternehmen leitet: „Im Moment lassen sich Projekte kaum exakt kalkulieren. Die Preissteigerungen gerade beim Material sind enorm – und zum Teil für die Unternehmen selbst kaum verfügbar." Derzeit entwickele sich eine Inflation im Bausektor.

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