VersmoldGeflügelpest in Versmolder Entenmast-Betrieb: Tötung von 20.000 Tieren

Bisher waren in NRW in dieser Saison nur Wildvögel vom Virus betroffen. Der erste Fall in einem Nutztierbetrieb trifft einen Versmolder Landwirt. In OWL gibt es einen weiteren Befund. Das hat Folgen für alle Geflügelhalter in der Region.

Tasja Klusmeyer

Symbolbild - © CC0 Pixabay
Symbolbild © CC0 Pixabay

Versmold. Im gesamten Regierungsbezirk Detmold gilt ab sofort eine Aufstallungspflicht von Hausgeflügel. Diese Maßnahme hat das Umweltministerium angeordnet, um eine weitere Ausbreitung der Tierseuche zu verhindern. Wie lange sie gilt, hängt von den weiteren Entwicklungen ab, heißt es auf Anfrage des Haller Kreisblattes aus Düsseldorf. Zudem sind alle Halter aufgerufen, die in der Geflügelpest-Verordnung vorgeschriebenen Sicherheitsmaßnahmen „konsequent umzusetzen".

Darüber hinaus sind im direkten Umfeld des betroffenen Versmolder Entenmast-Betriebes ein Sperrbezirk und ein Beobachtungsgebiet ziemlich wahrscheinlich. Für diesen Schritt braucht es allerdings zunächst die offizielle Bestätigung der Geflügelpest-Fälle von oberster Stelle, die für Mittwoch zu erwarten ist.

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 Proben werden untersucht

Die amtlichen Proben aus beiden Betrieben werden derzeit standardmäßig durch das Friedrich-Loeffler-Institut (FLI) untersucht. Die Information vom zuständigen Bundesforschungsinstitut für Tiergesundheit dürfte allerdings nur noch Formsache sein. Bereits am Montag hatte das Chemische und Veterinäruntersuchungsamt Ostwestfalen-Lippe den Nachweis von Influenza A vom Typ H 5 bestätigt, heißt es vom Kreis Gütersloh am Dienstagnachmittag.

Die Pressestelle des Ministeriums für Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz informiert wenig später ebenso darüber, dass es bei zwei Geflügelhaltungen in Ostwestfalen-Lippe erste amtliche Verdachtsfälle gibt. Die Behörden ordnen aus Tierschutz- und Vorsorgegründen die Keulung sämtlicher Tiere an. Etwa 20.000 Versmolder Enten müssen getötet werden. Im Kreis Paderborn handelt es sich um rund 50 Tiere verschiedener Geflügelarten aus einer Hobbyhaltung. Zuständig für die Keulung ist eine vom Land beauftragte Vertragsfirma aus den Niederlanden.

 Hochansteckend für Hausgeflügel

Damit ist in der Region der Fall eingetreten, vor dem sich Geflügelhalter seit Wochen gefürchtet hatten. Jedes Jahr mit Beginn der Zugvogelsaison nimmt das Ausbruchsgeschehen in Deutschland zu; die Behörden und Verbände sind in Alarmbereitschaft. Geflügelpest, umgangssprachlich auch als Vogelgrippe bezeichnet, ist für Hausgeflügel hochansteckend und verläuft mit schweren Krankheitszeichen.

Vor gut einer Woche stufte das FLI in seiner Risikoeinschätzung die Gefahr der Ausbreitung in Wasservogelpopulationen und des Eintrags in Geflügelhaltungen und Vogelbeständen „als hoch" ein. Stand am 22. Februar waren in Deutschland seit Ende Oktober mehr als 650 H5-Fälle bei Wildvögeln und 66 Ausbrüche bei Geflügel amtlich festgestellt worden. Norddeutschland und Bayern waren bisher besonders betroffen; in NRW gab es bisher nur mehrere Einzelnachweise bei Wildvögeln am Niederrhein.

„Emotional eine Katastrophe"

„Für den betroffenen Landwirt ist das eine Katastrophe – weniger wirtschaftlich, vielmehr emotional", sagt Andreas Westermeyer, Vorsitzender des Landwirtschaftlichen Kreisverbandes Gütersloh, gegenüber dem HK. Bei ihm werden Erinnerungen ans Seuchenjahr 2016 wach, als ebenso Betriebe aus dem Kreis von der Geflügelpest betroffen waren. „Wenn der Landwirt dabei zusehen muss, wie seine Tiere getötet und entsorgt werden, ist das grausam."

Mitte Januar äußerte sich Andreas Westermeyer gegenüber der Presse noch sorgenvoll mit Blick auf die sich ausbreitende Geflügelpest. Insbesondere in Hotspots der Zugvögel wie dem Steinhorster Becken bei Rietberg oder eben dem Versmolder Bruch sei das Risiko hoch. Die Viren werden über Kot von Wildvögeln übertragen. Eine Ansteckungsgefahr für Menschen besteht laut Bundesministerium „nur bei sehr engem Kontakt mit den Tieren".

 Mehrere Tiere mit Krankheitssymptomen

Die Landwirte versuchen durch strenge Hygienekonzepte den Eintrag in ihre Ställe zu verhindern. Wie das Virus im aktuellen Fall in den Entenmast-Betrieb kam, ist unklar. Kranke Tiere ließen vor einigen Tagen den Verdacht aufkommen.

„Halter haben ihre Bestände gut im Blick und verständigen bei Krankheitsanzeichen den Tierarzt", sagt Kreissprecher Jan Focken. Nachdem die betreuende praktische Tierärztin den Verdacht der Abteilung Veterinärwesen und Lebensmittelüberwachung gemeldet hatte, wurde der Bestand durch amtliche Tierärzte untersucht und Proben zur Untersuchung nach Detmold eingesandt.

Sperrbezirk ist der nächste Schritt

Nach positivem Befund verständigte das Kreis-Veterinäramt das NRW-Ministerium und das Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz. Sollte der Befund durch das FLI bestätigt werden, wird das Veterinäramt mittels einer Tierseuchenverfügung einen Sperrbezirk (mindestens drei Kilometer Durchmesser) und ein Beobachtungsgebiet (mindestens zehn Kilometer Durchmesser) rund um den Betrieb einrichten. In diesen Bereichen gelten Einschränkungen für Halter und Vermarkter von Geflügel.

Die Ställe des Versmolder Entenmäster werden für einige Zeit leer bleiben müssen. Wie lange, darüber entscheiden die Behörden. Wie es von der Pressestelle der Landwirtschaftskammer auf Nachfrage heißt, werden die direkt durch behördliche Anordnungen entstandenen Schäden – zum Beispiel der Wert der getöteten Tiere – in der Regel von der Tierseuchenkasse getragen. Betriebsausfälle in der Folge seien dadurch nicht gedeckt; die sind abhängig von anderem Versicherungsschutz.

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