VersmoldVerstöße gegen Corona-Regeln: Stadt Versmold verhängt mehr Bußgelder

Auf den Plätzen der Stadt war es in den vergangenen Tagen ziemlich voll. Nicht überall achten die Menschen auf Abstand und Kontakt-Vorgaben. Das Ordnungsamt greift ein.

Tasja Klusmeyer

Morgens sind die Abfallbehälter am Markt- und Rathausplatz gut gefüllt und zeugen davon, dass die Menschen sich gerne draußen aufhalten. Nicht alle machen das vorschriftsmäßig. - © Tasja Klusmeyer, HK
Morgens sind die Abfallbehälter am Markt- und Rathausplatz gut gefüllt und zeugen davon, dass die Menschen sich gerne draußen aufhalten. Nicht alle machen das vorschriftsmäßig. © Tasja Klusmeyer, HK

Versmold. Die milden Temperaturen lockten in der vergangenen Woche ins Freie. Das Frühlingswetter gekoppelt mit Lockdown-Müdigkeit und der Aussicht auf Lockerungen lässt vielerorts die Menschen offenbar nachlässiger werden. „Diese Mischung macht es schwer“, sagt Claudia Rohe, seit Herbst Ordnungsamtsleiterin in Versmold. Die Stadt hat ihren Kurs bei den Kontrollen verschärft. In den ersten beiden Monaten des Jahres wurden schon mehr Bußgeldverfahren wegen Verstößen gegen die Corona-Schutzverordnung eingeleitet, als es 2020 insgesamt gab.

Problematisch scheint es in den frühen Abendstunden zu sein. Während tagsüber vor allem Familien und kleine Trupps aller Generationen augenscheinlich mehr oder weniger regelkonform die Sonne genießen, geht es bei Dämmerung und Dunkelheit etwas anders zu. Beliebter Treffpunkt ist der Rathausplatz, wo teilweise größere Gruppen zusammenkommen.

Uneinsichtige Hochzeitsgesellschaft

Die Situation sei für alle schwierig, so Claudia Rohde. „Wir wünschen es uns auch anders. Aber wir haben diese Regeln und daran müssen wir uns halten“, betont die Leiterin des Fachbereichs Bürgerdienste. Sonst machten sie keinen Sinn. Als Stadt müsse man die Einhaltung von den Bürgerinnen und Bürgern einfordern, „mit Verständnis und mit Augenmaß“, sagt sie im Gespräch mit dem Haller Kreisblatt am Donnerstagabend. Kurz zuvor hatte sie persönlich mehrfach einschreiten müssen.

Der laue Frühlingsabend sorgt wieder einmal dafür, dass sich viele Menschen auf dem Rathausplatz aufhalten. Direkt vor Augen der Verwaltungsspitze, die zu diesem Zeitpunkt im Sitzungssaal mit der Politik tagt. Vorm Eingang des Standesamtes stößt eine Hochzeitsgesellschaft fröhlich mit den Frischvermählten. Mindestens 15 Personen dürften es sein, die größtenteils ohne Masken und Abstand zusammenstehen. Mehrfach erinnert das Ordnungsamt an Einhaltung der Vorgaben – am Ende beendet es das Treffen.

"Wir können nicht ganz Versmold abdecken"

Zwei weitere Male begibt sich Claudia Rohde auf den Weg vom Sitzungssaal nach draußen vors Rathaus. Eine Gruppe junger Leute fällt ihr auf, die sich wenig coronakonform begrüßt. Im Gespräch mit ihrem Kollegen stellt sich heraus, dass er diese dieselben Personen einige Zeit vorher des Sportplatzes Oesterweg verwiesen hatte. Auflösen muss Claudia Rohde zudem ein Treffen zum gemeinsamen Shisha-Rauchen vor dem Verwaltungsgebäude.

Momentan gibt es viel zu tun. Deshalb hat die Stadt das Team des Ordnungsamt-Außendienstes aufgestockt und die Kontrollzeiten ausgeweitet. „Alle Kräfte sind mobilisiert. Trotzdem wird es uns nicht gelingen, ganz Versmold abzudecken.“ Oft reichen mahnende Worte. Claudia Rohde nennt das Beispiel von zwei befreundeten Pärchen, die gemeinsam auf einer Bank säßen oder spazieren gingen. „Das ist eine Person zu viel“, sagt sie. Die aktuelle Corona-Schutzverordnung sieht vor, dass sich Personen eines Hausstandes nur mit einer weiteren Person in der Öffentlichkeit treffen dürfen. Manchmal werde dann diskutiert, ob diese Vorschrift Sinn mache mit dem Argument, dass jedes Paar für sich genommen zu Hause ja auch wieder zusammen sei. Die Stadt kann die Verordnung nicht ändern und pocht deshalb auch in diesem Fall auf Einhaltung.

Bußgeldhöhe liegt bei 250 Euro

Bußgelder werden dennoch nicht sofort verhängt. „Wir sprechen ein-, zweimal an, können dann aber auch strenger werden.“ 250 Euro sind fällig, wer gegen die Kontakt-Vorgaben des Landes verstößt. 40 laufende Verfahren zählt die Stadt derzeit insgesamt. Im Jahr 2020 waren es 24 mit einer Bußgeldhöhe von gut 7.000 Euro. Eine Mitarbeiterin des Ordnungsamtes ist zurzeit federführend mit der Bearbeitung beschäftigt, denn die Verfahren können durchaus dauern. „Zunächst gibt es eine Anhörung“, erklärt Rohde. Oftmals kommen die Beteiligten nicht nur einmal ins Rathaus, um ihre Argumente vorzutragen. Manchmal gibt es auch Post vom Rechtsanwalt.

In den sozialen Netzwerken werden die abendlichen Treffen intensiv und kontrovers diskutiert. Viele sind empört und fordern ein strengeres Durchgreifen von Polizei und Ordnungsamt. „Wen wundert’s, wenn da die Zahlen wieder hoch gehen. Sehr traurig, dass da keiner was macht.“ Andere zeigen Verständnis. „Ich glaube, man ist nur etwas schockiert, weil man dieses Bild einfach nicht mehr kennt“, schreibt eine Userin. Der Lockdown habe einen so im Griff, dass man „direkt überfordert“ sei, „wenn man ein paar Menschen auf einem Fleck sieht“.

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