Bauboom in Versmold: 15 Jahre nach einem Großbrand entsteht neuer Wohnraum

In den vergangenen Jahren sind an vielen Stellen Neubauten entstanden. Der Bauboom hält an. Auch 2021 werden einige größere Projekte für Mehrfamilienhäuser in Innenstadtnähe geplant oder umgesetzt.

Tasja Klusmeyer

15 Jahre, nachdem ein Großfeuer Restaurant und Geschäftsräume zerstörten, gibt es Pläne für das Areal in zweiter Reihe der Münsterstraße, eingangs der Knetterhauser Straße. - © Tasja Klusmeyer, HK
15 Jahre, nachdem ein Großfeuer Restaurant und Geschäftsräume zerstörten, gibt es Pläne für das Areal in zweiter Reihe der Münsterstraße, eingangs der Knetterhauser Straße. (© Tasja Klusmeyer, HK)

Versmold. Neubaugebiete sind das eine. Immer wieder betonen Politik und Verwaltung indes, dass Nachverdichtung für den angespannten Immobilienmarkt vor Ort ebenso eine wichtige Rolle spielt. Viele Lücken wurden bereits geschlossen, oft ist Altbestand modernen Neubauten gewichen. Der Trend setzt sich in den kommenden Monaten fort. Diesen Schluss lässt zumindest ein Blick auf die Liste der Bauvorhaben zu, die der Kommunalpolitik in der letzten Fachausschusssitzung im Dezember vorgelegt wurde.

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Darauf befinden sich zwei Projekte, die sich bereits andeuteten und für die nun jeweils ein Bauantrag gestellt wurde. So soll an der Münsterstraße 47 an der früheren Adresse der Fahrschule Reimus ein Mehrfamilienhaus mit elf Wohnungen gebaut werden. Im Februar hatte Herbert Reimus wie berichtet seine letzten Fahrschüler als Selbstständiger zur Prüfung begleitet – danach war die Ära seines Betriebes beendet. Er kündigte damals im Gespräch mit dem Haller Kreisblatt an, das Gebäude verkaufen zu wollen. Das ist inzwischen erfolgt. Im Dezember machten die Abrissbagger die Immobilie dem Boden gleich und damit Platz für einen Neubau.

Die Immobilie der Fahrschule Reimus wurde Ende vergangenen Jahres dem Boden gleichgemacht. Ein Bauantrag zur Nachnutzung des Geländes an der Münsterstraße liegt vor. - © Tasja Klusmeyer, HK
Die Immobilie der Fahrschule Reimus wurde Ende vergangenen Jahres dem Boden gleichgemacht. Ein Bauantrag zur Nachnutzung des Geländes an der Münsterstraße liegt vor. (© Tasja Klusmeyer, HK)
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Ein Blick auf die Preise

  • Der Immobilienmarkt ist weiter in Bewegung. Die Entwicklungen der vergangenen Jahre spiegeln sich im Grundstücksmarktbericht 2020 wider. 47 Kauffälle bei Eigentumswohnungen nennt er fürs Jahr 2019 in Versmold. Zum Vergleich: Im Jahr zuvor waren es nur 14.
  • 17 von den 47 Fällen waren Erstverkäufe mit einem Umsatz in Höhe von 4,1 Millionen Euro. Was einen durchschnittlichen Kaufpreis von gut 240.000 Euro ergibt. Deutlich günstiger waren gebrauchte Eigentumswohnungen. 30 Weiterverkäufe mit einem Umsatz von 3,9 Millionen Euro machen im Schnitt 130.000 Euro pro Objekt aus.
  • Preisunterschiede offenbart auch der Mietspiegel 2020. Demnach lag die durchschnittliche Nett-Monatskaltmiete in neuen Objekten (ab 2013) je nach Größe der Wohnung bei knapp acht Euro pro Quadratmeter. Wohnraum in Immobilien der Baualtersklasse 1978 bis 1994 zum Beispiel ist für unter sechs Euro pro Quadratmeter zu mieten. Wobei in allen Fällen gilt: Kleine Wohnungen sind in der Regel teurer pro Quadratmeter als größere Objekte.

Auf der gegenüberliegenden Straßenseite entsteht ebenso demnächst neuer Wohnraum. An der Knetterhauser Straße 2 sind zwei Mehrfamilienwohnhäuser mit einer Gewerbeeinheit geplant. Veränderungen in zweiter Reihe der Münsterstraße sind schon länger Thema. Bereits 2015 hatte sich die Politik mit einer möglichen Nachnutzung für das Areal, auf dem bis Juli 2006 ein Geschäfts- und Gastronomiekomplex stand, beschäftigt. Flammen zerstörten seinerzeit Fahrradladen und Restaurant komplett.

Seitdem liegt die Fläche am Rand der Innenstadt brach. Zunächst war die Idee, dort weiteren Einzelhandel oder eine Seniorenwohnanlage anzusiedeln. Diese Pläne scheiterten. Nachdem die Politik im Juni 2015 ein positives Signal für Wohnbebauung gesendet hatte, waren die Pläne seitens der Eigentümerin nicht weiter verfolgt worden. Das Verfahren zur Bebauungsplanänderung wurde ausgesetzt. Bis Anfang 2019, da kam ein neues Bebauungskonzept eines Investors auf den Tisch, der auf dem 1.400 Quadratmeter großen Grundstück Mehrfamilienhausbebauung umsetzen möchte. 15 Jahre nach dem Großbrand werden diese Pläne nun konkret.

Etwas weiter Richtung Innenstadt liegt Bauprojekt Nummer drei. An der Anton-Henrich-Delius-Straße ist ein Objekt mit acht Wohneinheiten geplant. Auch hierfür wurde der Bauantrag im vergangenen Jahr gestellt. Noch nicht ganz so weit ist ein etwas größeren Projekt am Brüggenkamp. Im städtischen Haushalt 2021 steht eine Summe in Höhe von 85.000 Euro zur Erschließung einer Baufläche zur Verfügung – die Stadt selbst entwickelt dort allerdings nichts.

Projekt am Brüggenkamp

Es handelt sich um ein Vorhaben von privater Seite. Das 4.800 Quadratmeter große Areal östliche vom Brüggenkamp soll verkauft werden; geplant sind dort mehrere Baugrundstücke. Das kleine Wohnquartier in Innenstadtnähe soll über eine öffentliche Straße vom Brüggenkamp aus erschlossen werden. Die Herstellung dieser Zuwegung wird die Stadt über die Erschließungskosten refinanzieren.

Perspektivisch ist an dieser Stelle auch seitens der Stadt weiterer Wohnraum denkbar. Als sie 2015 das frühere Weinkontor zur Flüchtlingsunterkunft umbaute, hieß es bereits, dass die Immobilie langfristig als Wohnraum für kinderreiche Familien, barrierefreies oder generationenübergreifendes Wohnen dienen könnte. Auf dem fast 4.000 Quadratmeter großen Areal wäre zudem Platz für Mehrfamilienhäuser, um den gestiegenen Bedarf an kleineren Wohnungen zu decken.

15 Jahre, nachdem ein Großfeuer Restaurant und Geschäftsräume zerstörten, gibt es Pläne für das Areal in zweiter Reihe der Münsterstraße, eingangs der Knetterhauser Straße. - © Tasja Klusmeyer, HK
15 Jahre, nachdem ein Großfeuer Restaurant und Geschäftsräume zerstörten, gibt es Pläne für das Areal in zweiter Reihe der Münsterstraße, eingangs der Knetterhauser Straße. (© Tasja Klusmeyer, HK)

Bei diesen Plänen könnte auch der Bereich der heutigen Polizeiwache eine Rolle spielen. Die Immobilie befindet sich allerdings im Eigentum des Bau- und Liegenschaftsbetriebs NRW; eine Nachnutzung steht noch nicht fest. Bürgermeister Michael Meyer-Hermann verweist zudem auf Nachfrage vom HK darauf, dass momentan die Notwendigkeit gegeben sei, das Übergangsheim in seiner jetzigen Form zu nutzen. Solange bleibt es bei den privaten Plänen für einen Teil des Brüggenkamps.

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