VersmoldCorona bremst geplante TWE-Zugstrecke aus

Die Reaktivierung der Trasse zwischen Harsewinkel und Verl verzögert sich um zwei Jahre. Nicht nur die anhaltende Pandemie bereitet den Planern Probleme.

Roland Thöring

Unterquerung der A 2: Zwischen Spexard und Verl verläuft die TWE abschnittsweise entlang der Verler Straße. - © Jens Dünhölter
Unterquerung der A 2: Zwischen Spexard und Verl verläuft die TWE abschnittsweise entlang der Verler Straße. © Jens Dünhölter

Versmold/Kreis Gütersloh. Die Reaktivierung der TWE-Strecke für den Personenverkehr zwischen Harsewinkel und Verl verzögert sich. Der bislang vorgesehene Inbetriebnahmetermin Dezember 2023 sei nicht zu halten, heißt es in einer Beschlussvorlage für die Verbandsversammlung des Nahverkehr Westfalen-Lippe (NWL), die am Dienstag, 15. Dezember, in Soest zusammentreten wird. Nach heutigem Stand wird sich das Projekt um zwei Jahre verzögern.

Zur Begründung werden vor allem fehlende Planungskapazitäten als Auswirkungen der Corona-Pandemie angeführt. So rechnet der NWL damit, dass die Umweltverträglichkeitsprüfung erst im dritten Quartal 2021 fertiggestellt werden kann. Damit verzögert sich das Planfeststellungsverfahren, für das die Unterlagen bereits bis Ende dieses Jahres hätten vorliegen sollen.

Probleme bereitet manche Haltestelle an der zu reaktivierenden Eisenbahnstrecke. Die Gespräche zum erforderlichen Grunderwerb seien noch nicht abgeschlossen, heißt es in der Beratungsvorlage für die Verbandsversammlung. Dies habe dazu geführt, „dass die Mikrostandorte einiger Haltepunkte noch einmal überarbeitet werden sollten". Teilweise musste auch die Entwurfsplanung angepasst werden. Das habe länger gedauert als erhofft, da die Kapazitäten auch dieser Planungsbüros erschöpft seien. Aus dem gleichen Grund konnten einige Ingenieurbüros die Fristen für ihre Fachbeiträge nicht einhalten.

Zwei zusätzliche Weichen sind erforderlich

Als weitere „abstimmungsintensive Aufgabe" habe sich die Anbindung der TWE-Trasse an die Infrastruktur der Deutschen Bahn (DB Netz AG) in Gütersloh am Gleis 1 des Hauptbahnhofs erwiesen. Dazu gehört unter anderem der Einbau von zwei zusätzlichen Weichen. Außerdem ist eine enge Abstimmung mit den Planungen der Deutschen Bahn für einen zusätzlichen Mittelbahnsteig an den Gleisen der Güterbahn erforderlich. Die DB Netz AG habe zudem eine Überarbeitung der bisherigen Planung in Bezug auf die Leit- und Sicherungstechnik gefordert.

Weil das Thema so komplex ist, soll ein externer Projektsteuerer eingebunden werden. In den Gesprächen auf Fachebene habe sich gezeigt, dass sich die Gegebenheiten im Vergleich zur damaligen Planung teils deutlich geändert hätten, resümiert die Beschlussvorlage.

Verspätungen gibt es auch bei der Bürgerbeteiligung. So waren für das Frühjahr des laufenden Jahres Informationsveranstaltungen in den drei betroffenen Städten Gütersloh, Verl und Harsewinkel vorgesehen. Die Versammlungen in Gütersloh und Verl mussten wegen der beginnenden Pandemie abgesagt werden.

 

Info

Versmold will Anschluss halten

• Auf diesen Zug will auch Versmold aufspringen. Wie berichtet, hatte sich die Stadt dafür eingesetzt, die Reaktivierung der TWE-Strecke für den Schienenpersonennahverkehr (SPNV) bis Versmold zu prüfen. 1977 war dieser eingestellt worden.
• Im Sommer entschied der VVOWL, eine entsprechende Machbarkeitsstudie beim Nahverkehr Westfalen-Lippe in Auftrag zu geben. Diese ist Voraussetzunge für mögliche weitere Schritte. Elf Kilometer fehlen bei den momentanen Ausbauplänen zwischen Harsewinkel und Versmold.
• Eine SPNV-Anbindung Richtung Gütersloh sei nicht nur für Schüler, Studenten oder Berufspendler interessant. Sie schaffe zudem eine direkte Anbindung an den Regional- und Fernverkehr am Hauptbahnhof Gütersloh, sagte Bürgermeister Michael Meyer-Hermann seinerzeit.
• Durch die Verzögerungen bei den bisherigen Planungen wird sich Versmold möglicherweise noch etwas in Geduld üben müssen.

Die Projektpartner, der Verkehrsverbund Ostwestfalen-Lippe (VVOWL), der Kreis Gütersloh und die Kommunen, wollen sich nun bemühen, auch ohne den Betrieb der Eisenbahnstrecke schon vorzeitig vereinzelte Elemente des Gesamtkonzepts der „Mobilitätsachse Harsewinkel-Gütersloh-Verl" umzusetzen. Die Beschlussvorlage der Verbandsversammlung nennt beispielhaft ergänzende Busverbindungen und Mobilstationen, die bereits im Zuge der Regionale 2022 in Betrieb genommen werden könnten.

Der NWL organisiert gemeinsam mit dem Verkehrsverbund Rhein-Ruhr und dem Zweckverband Nahverkehr Rheinland den Schienenpersonennahverkehr in NRW. Im NWL sind die örtlichen Nahverkehrsverbünde zusammengeschlossen, auch der VVOWL ist Mitglied. Die Zweckverbandsversammlung ist das politische Aufsichtsgremium.

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