Abschiebung von Versmold nach Ghana: Frimpong-Rückkehr bleibt der Plan

Vor mehr als einen Jahr wurde der beliebte Fußballer in sein Heimatland abgeschoben. Noch immer ist die Anteilnahme an seinem Fall riesig. Daniel Hermann von der SG Oesterweg ist weiter zuversichtlich, dass „Richie“ den Weg nach Deutschland zurück finden wird.

Dennis Bleck

Vor mehr als einem Jahren ist Richard Frimpong in sein Heimatland abgeschoben worden. - © Privat
Vor mehr als einem Jahren ist Richard Frimpong in sein Heimatland abgeschoben worden. (© Privat)

Versmold-Oesterweg. Mehrmals in der Woche steht Daniel Hermann mit Richard Frimpong in Kontakt. Vorwiegend per Telefon tauschen sich der Zweite Vorsitzende der SG Oesterweg und der Fußballer regelmäßig aus. „Richard geht es gut in Ghana", sagt Hermann. Die Sehnsucht nach Deutschland sei aber weiterhin groß. Frimpong vermisse seinen Fußballclub.

Mehr als ein Jahr ist es nun schon her, dass Frimpongs Zwangsausreise die gesamte Region bewegte. Im Oktober 2019 schob der Kreis Gütersloh den beliebten Kicker in sein Heimatland Ghana ab, nachdem das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge dies angeordnet hatte. Frimpong galt zwar als gut integriert – einen Aufenthaltstitel bescherte ihm das allein aber nicht. Seit Januar 2017 galt er als ausreisepflichtig. Juristisch verurteilt Daniel Hermann die Abschiebung nicht. „Das war vermutlich alles rechtens", sagt er. Die vorsichtige Hoffnung auf ein baldiges Wiedersehen hegt er trotzdem.

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Schon mehrere Mal hat Hermann überlegt, wie Frimpong die Einreise nach Deutschland legal ermöglicht werden kann. Im Laufe des nächsten Jahres will er sich noch intensiver mit dem Thema beschäftigen. Einige Ideen sind ihm bereits gekommen, auf die er allerdings nicht näher eingehen will. „Ich möchte Richie keine falschen Hoffnungen machen", sagt er. Wichtig, so Hermann, ist es, dass „er sich in Ghana entfaltet". Schließlich sei das Land derzeit sein Zuhause.

Seit etwa drei Wochen kann Richard Frimpong seine Mannschaft in Ghana nach dem Lockdown dort wieder trainieren. - © Privat
Seit etwa drei Wochen kann Richard Frimpong seine Mannschaft in Ghana nach dem Lockdown dort wieder trainieren. (© Privat)

In Accra, der Hauptstadt des Afrikanischen Staates, arbeitet Frimpong wie berichtet seit dem Frühling für die Free Africa Family, kurz FAFA, als Trainer. Hierbei handelt es sich um eine gemeinnützige Organisation, die bedürftige Kinder und Jugendliche in Ghana fördert und in eine sichere und selbstbestimmte Zukunft führt – mit Hilfe des Fußballs. Gleichzeitig ermöglicht sie Schulbildung, dient als Türöffner für verschiedene Projekte. Hermann engagiert sich seit einigen Monaten selbst für FAFA. Nach dem strengen Lockdown in Ghana sind er und wohl noch mehr Richard Frimpong jetzt froh, dass die Projekte wieder anlaufen.

„Außerhalb seiner Arbeit kennt er in Ghana niemanden"

Erst seit rund drei Wochen kann Frimpong seiner Arbeit in der Akademie wieder nachgehen. Auch sein Zimmer konnte er dort wieder beziehen. Die Monate im Lockdown erlebte er größtenteils in der Wohnung eines Taxifahrers, der ihn im vergangenen Oktober nach seiner Ankunft in Accra weinend am Flughafen auflas und ihm vorübergehend bei sich aufnahm. Denn familiären Anschluss hat Frimpong in seinem Geburtsland nicht. „Außerhalb seiner Arbeit kennt er in Ghana niemanden", sagt Hermann. Seinen Vater habe er nie kennengelernt, die Mutter sei verstorben.

Dass sein Freund und ehemaliger Vereinskollege ihm nun wieder Fotos und Videos schickt, auf denen er die Kinder in der Akademie trainiert, freut Hermann deshalb umso mehr. Er und alle anderen Unterstützer der FAFA finden, „dass Richie einen guten Job dort macht". Er verdiene sein eigenes Geld, habe Anschluss gefunden und könne dort das machen, was im Spaß macht – Fußball. „Es hätte auch alles viel schlimmer kommen", sagt Daniel Hermann nachdenklich.

Die Anteilnahme in der Region ist noch immer groß. Immer wieder erkundigen sich Menschen nach Richard Frimpong. Auch ein großer Container an Sachspenden soll in den nächsten Wochen den Weg in Ghanas Hauptstadt Accra finden. Derzeit lagern die alten Trikots, Fußballschuhe oder Torwandhandschuhe noch bei der SG Oesterweg.

Außerdem möchte Daniel Hermann in nächster Zeit gerne selbst einmal nach Ghana reisen. Der Trip dorthin war eigentlich schon für dieses Jahr geplant. Einzig die Corona-Pandemie verhinderte die Reise.


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