Fleischbetriebe in Alarmbereitschaft: Reinert und Co. verschärfen Maßnahmen

Mit den Infektionszahlen steigt das Risiko, dass der Erreger in die Betriebe getragen wird. Wiltmann, Reinert und Nölke testen ihre Mitarbeiter seit Monaten intensiv auf Covid-19 – jetzt gehen sie noch weiter.

Marc Uthmann

Die heimischen Fleischwarenhersteller haben die Vorsichtsmaßnahmen angesichts der steigenden Infektionszahlen erneut verschärft. - © Federico Gambarini
Die heimischen Fleischwarenhersteller haben die Vorsichtsmaßnahmen angesichts der steigenden Infektionszahlen erneut verschärft. (© Federico Gambarini)

Versmold. Seit dem Ausbruch bei Tönnies und dem daraus folgenden zweiten Corona-Lockdown im Kreis Gütersloh stehen auch die Fleischwarenhersteller in Versmold unter besonderer Beobachtung.

Die Unternehmen haben seit Monaten höchste Disziplin gezeigt und ausgeklügelte Hygienekonzepte installiert. Nun naht der dritte Lockdown, und die Produktion muss sich unter wieder verschärften Bedingungen bewähren. So reagieren die Verantwortlichen auf die veränderte Situation.

Wiltmann

„Das Risiko, dass das Virus von außen in den Betrieb getragen wird, lässt sich nicht ausschließen. Wir konzentrieren uns auf das, was wir beeinflussen können: Detektion und Prävention", erklärt Ingmar Ingold, Geschäftsführer des Peckeloher Fleischwarenherstellers Wiltmann, auf Anfrage des Haller Kreisblattes.

„Für die Detektion des Corona-Virus haben wir unser dichtes Testregime: Alle Mitarbeiter in der Produktion werden mindestens einmal die Woche getestet; zusätzlich müssen alle Mitarbeiter, die mehr als fünf Tage nicht im Unternehmen waren, vor Eintritt in die Produktion ein negatives Testergebnis vorweisen können." Gleiches gelte für externe Dienstleister, die sich mehr als drei Stunden innerhalb der Produktion aufhalten. Mitarbeiter mit Erkältungssymptomen dürften in der Produktion nicht eingesetzt werden.

Zudem versuche Wiltmann mit präventiven Maßnahmen, es dem Virus möglichst schwer zu machen, sollte es doch ins Unternehmen gelangen: Dazu zählen unter anderem die Maskenpflicht, Hygiene- und Abstandsregeln, die Trennung von Arbeitsplätzen durch zusätzliche Plexiglaswände, allgemeine Pausenregelungen zur Risikominimierung, Maßnahmen zur Lüftungsoptimierung sowie die Vermeidung größerer Zusammenkünfte durch virtuelle Meetings.

"Weder in Kindertagesstätten noch in Krankenhäusern wird so viel getestet"

„Das alles hat in Summe erhebliche Auswirkungen auf die Produktion – aber das schon seit mehr als einem halben Jahr", sagt Ingold. „Unseren Pandemieplan passen wir seit März unter Berücksichtigung neuester Erkenntnisse kontinuierlich an die aktuelle Entwicklung an." Eine Herausforderung bestehe auch darin, über einen so langen Zeitraum das Bewusstsein für die Sicherheitsvorkehrungen hochzuhalten. „Unsere Mitarbeiter verdienen hierfür höchste Anerkennung", betont Ingold.

Die Testfrequenz werde man nicht erhöhen, so der Geschäftsführer. „Weder in Kindertagesstätten noch in Krankenhäusern oder Pflegeeinrichtungen wird deutschlandweit so dicht getestet." Die 800 Mitarbeiter wurden bislang 12.000 Mal abgestrichen, alle Testergebnisse waren bisher negativ.

Ob der Teil-Lockdown das Unternehmen auch aus wirtschaftlicher Sicht treffen wird, sei schwer abzusehen, so Ingol. Generell gelte: „Gegessen werden muss immer; je eingeschränkter das öffentliche Leben ist, desto mehr geschieht dies zu Hause."

Reinert 

Beim zum Konzern „The Family Butchers" (TFB) gehörenden Loxtener Unternehmen Reinert habe die veränderte Infektionslage „keine Auswirkungen auf den laufenden Produktionsbetrieb", betont Sprecher Uwe Kohrs. „Wir haben bereits im März und April unsere Strukturen und Prozesse in der Produktion umgestellt, um größtmögliche Sicherheit für unsere Mitarbeiter zu erreichen." Das reiche von neuen Wegeführungen, über geänderten Pausenzeiten bis hin zu geänderten Schichtplänen.

„Das Ziel ist es, so wenige Mitarbeiter wie möglich gleichzeitig an einem Ort zusammenzubringen." Das System, an dem auch der Betriebsrat mitgearbeitet habe, funktioniere aktuell sehr gut. „Dazu gehört die kontinuierliche Testung unserer Mitarbeiter. In Versmold zweimal pro Woche, an allen anderen Standorten im wöchentlichen Rhythmus. Das werden wir beibehalten", so Kohrs.

"Wir haben erst einige wenige Fälle im Unternehmen gehabt"

Der höhere Rhythmus bei Reinert sei dem Juni-Lockdown durch Tönnies geschuldet, er wurde seither nicht reduziert. Aktuell arbeiten bei TFB 2.400 Mitarbeiter, davon 600 in Versmold, bislang wurden mehr als 20.000 Tests durchgeführt.

„Wir haben erst einige wenige Fälle im Unternehmen gehabt, die dann in Quarantäne gegangen und wieder gesundet sind. Wir gehen natürlich davon aus, dass sich angesichts steigender Infektionszahlen im Umfeld mehr mögliche Positivfälle ergeben könnten", sagt Kohrs. Für den Standort Versmold ist wie berichtet erst ein positiver Fall bekannt." Mitarbeiter mit Erkältungssymptomen sind ohnehin angewiesen, vorsorglich zuhause zu bleiben.

Maskenpflicht im gesamten Unternehmen ausgeweitet

„Darüber hinaus haben wir begonnen, verstärkt Schnelltests zu nutzen, um Mitarbeitern mehr Sicherheit zu bieten und zum Beispiel vor Meetings alle Teilnehmer via Schnelltest zu überprüfen. Das werden wir ausbauen", sagt Uwe Kohrs und bilanziert: „Wir haben mit unserem Hygienekonzept insgesamt dafür gesorgt, dass Covid-Infektionen aus dem Unternehmen heraus so gut wie ausgeschlossen werden können."

Dennoch wurde die Maskenpflicht im gesamten Unternehmen nochmals ausgeweitet, so dass auf allen Gemeinschaftsflächen Masken getragen werden. Besuche und externe Termine sind stark eingeschränkt."

Im Hinblick auf den Absatz erwarte man bei TFB eine stabile Entwicklung ähnlich wie zu Beginn der Pandemie. „Das setzt allerdings voraus, dass ein Lockdown keine direkten Eingriffe in die Produktion oder Rohstoffbelieferung zur Folge hat", so der Sprecher.

Nölke 

„Wir beobachten den steigenden Infektionsdruck im Kreis natürlich mit Sorge. Seit Wochen testen wir alle Mitarbeiter wöchentlich. Dabei gibt es ganz aktuell keine Auffälligkeiten, auch keine negative Entwicklung", berichtet André Vielstädte, Sprecher der HN Produktion GmbH (Nölke), die zur Tönnies-Tochter Zur Mühlen gehört.

Durch diese intensive Testung und weiteren Präventionsmaßnahmen wie der absoluten Maskenpflicht und Abstandsregelungen habe man die Infektion bisher aus dem Betrieb halten können. „Aber natürlich steigt durch die stark wachsenden Infektionszahlen in ganz Deutschland auch bei uns die Gefahr, dass Mitarbeiter von außen das Virus in den Betrieb tragen."

Aufgrund der ganz aktuellen Entwicklung wurden die Maßnahmen an der Ziegeleistraße nochmals angezogen, strikte Besuchs- und Reiseregeln eingeführt, die den Zutritt externer auf ein Minimum reduzieren. Homeoffice, starke Reduzierung von Meetings – und wenn nur mit Maske – sorgen für eine weitere Kontaktreduzierung.

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