Grippeimpfung? Versmolder Hausarzt mahnt zu Gelassenheit

Zwar befürwortet auch Dr. Eckart Happich, Sprecher der Versmolder Mediziner, angesichts der parallel laufenden Corona-Pandemie eine breitere Anwendung als in den Vorjahren. Doch sei dafür noch Zeit. Zugleich empfiehlt der Arzt, wer sich impfen lassen sollte.

Marc Uthmann

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Versmold. Wenn sich die jährliche Grippewelle mit dem Coronavirus überschneidet, könnte dem deutschen Gesundheitssystem die Überlastung drohen. Davor warnen Fachleute, darum wirbt Bundesgesundheitsminister Jens Spahn offensiv für eine Grippeimpfung. Doch steht überhaupt genügend Impfstoff bereit? In Versmold zum Beispiel ist er in den Arztpraxen bereits nahezu aufgebraucht und auch die Apotheken vor Ort können derzeit nicht liefern. Ein Hausarzt rät dennoch zu Gelassenheit.

Reste für Risikopatienten

Dr. Eckart Happich bestätigt die hohe Nachfrage nach der Grippeimpfung auch für seine Praxis. „Die Empfehlung ist ja, dass in diesem Jahr großzügig geimpft werden sollte." Seine Praxis sei allerdings schon jetzt nahezu „ausverkauft", wie Happich es umschreibt: „Wir werden mit unseren Restbeständen noch Risikopatienten impfen – und dann gibt es in zwei bis drei Wochen hoffentlich Nachschub."

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Verband verneint Engpass

Dass es so sein wird, darauf lässt eine Stellungnahme der Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände schließen. Die hat verkündet, dass es keinen Engpass beim Grippeimpfstoff gebe und die 26 Millionen zur Verfügung stehenden Impfstoffdosen „bei weitem" noch nicht aufgebraucht seien. Eckart Happich warnt darum vor einem „Hausärzte-Hopping" auf der Suche nach Impfstoff-Ampullen. „Die Grippewelle erreicht bei uns erfahrungsgemäß im Februar und März ihren Höhepunkt. Es bleiben also noch der restliche Oktober und der gesamte November Zeit, um sich impfen zu lassen."

Menschen mit viel Kontakt

Dennoch wird der Impfstoff nicht für die gesamte Bevölkerung reichen – und es bleibt die Frage: Wer soll sich nun impfen lassen? Hier hat Happich klare Vorstellungen: „Menschen ab 60, Menschen mit chronischen Vorerkrankungen gerade im Bereich Herz oder Atemwege, dazu jene, die viel mit anderen Menschen in Kontakt kommen." Eine Empfehlung, Kinder zu impfen, halte er nicht für sinnvoll.

Kritik an Kriterien

Mit Blick auf die letztgenannte Gruppe findet es der Arzt übrigens mehr als befremdlich, dass Lehrer und Erzieher sich zwar weiterhin regelmäßig kostenlos testen lassen dürfen, das für andere Berufsgruppen indes nicht gilt: „Für die Beschäftigten in Arztpraxen, Krankenhäusern und Pflegeheimen habe ich davon nichts gehört." Es klinge zwar zynisch, „aber womöglich haben die politisch Verantwortlichen Angst vor zu vielen positiven Tests. Das würde nämlich dafür sorgen, dass Heime oder Krankenhaus-Stationen dichtgemacht würden". Der Hausarzt ärgert sich über die Ungleichbehandlung der Berufsgruppen: „In gewisser Weise dokumentiert diese aktuelle Regelung doch eine unterschiedliche Wertigkeit."

Eckart Happich spricht für die Versmolder Ärzte. - © Gemeinschaftspraxis Versmold
Eckart Happich spricht für die Versmolder Ärzte. (© Gemeinschaftspraxis Versmold)
Haltung geändert

Mit der generellen Kritik am Impfen hat sich der Mediziner auseinandergesetzt. „Früher war ich bei der Impfung gegen Kinderkrankheiten entspannter und habe gesagt: Wer nicht will, der soll auch nicht. Heute würde ich das anders sehen, gerade mit Blick auf die dramatischen Folgen in Einzelfällen, die ohne Impfung geschehen können." Auch zur Grippeimpfung rät Happich heute nachdrücklicher als früher: „Die Impfstoffe sind besser als früher, vier Virenstämme können bei den neuesten Entwicklungen abgedeckt werden." Ob der Impfstoff funktioniere, wisse man aber leider erst nachher. „Klar gibt es die Risiken von Überempfindlichkeiten oder der Impfung in eine beginnende Infektion hinein – aber in der Regel werden die modernen Impfstoffe gut vertragen."

Zurückhaltung bleibt

Was neue Impfprodukte angeht, hat sich der Versmolder Arzt jedoch eine Portion Skepsis bewahrt: „Es gibt zum Beispiel eine Impfung gegen Gürtelrose, die zahlreiche Nebenwirkungen produziert hat. Von so etwas rate ich dann ab. Und auch bei einem Covid-19-Impfstoff werde ich erst einmal Erfahrungen sammeln, mich selbst nicht als Erster impfen lassen und auch meinen Patienten zu Geduld raten."

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