Boom in der Krise: Hofläden bekommen neue Kunden und planen für die Zukunft

Hofläden erleben in der Coronakrise einen richtigen Boom: Obstbau Hantke und Tims Landbau berichten über ihre neue Kunden, Zukunftsvisionen und Chancen.

Rita Sprick

Tim Fichter und seine Frau Lena setzen auf Regionales. - © Rita Sprick
Tim Fichter und seine Frau Lena setzen auf Regionales. (© Rita Sprick)

Versmold. Mit Beginn der Coronakrise im März zog die Nachfrage nach regionalen Produkten merklich an. In der Folge erlebten Hofläden einen bis dahin nie da gewesenen Boom, auch in unserer Gegend. Mit dem Obstbau Hantke und Tims Landbau beobachten auch zwei Unternehmer ein verändertes Kaufverhalten der Kunden. Die Gründe liegen nach Meinung von Torsten Hantke und Tim Fichter auf der Hand. Beide zeigen im Gespräch mit dieser Zeitung Vorzüge ihrer Geschäftsmodelle auf. Erfreut stellen sie nach fünf Monaten im Corona-Krisenmodus fest, dass die Direktvermarktung zukunftsfähig ist.

Aber die Unternehmer sammelten auch neue Erkenntnisse, aus denen sie Schlüsse für die nächsten Jahre ziehen. „Als wir von den Unsicherheiten in Italien hörten, haben wir frühzeitig Vorkehrungen getroffen. Es wurde mehr Personal eingestellt, alle Hygienemaßnahmen umgesetzt und ein Lieferservice war möglich", fasst Hantke zusammen. Die Krise erwischte ihn in der Spargelsaison. „Wir hatten ausreichend Mitarbeiter und viele Anfragen. Die polnischen Arbeiter mussten erst in Quarantäne. Gute Erfahrungen haben wir mit heimischen Leute gemacht. Die kamen, weil sie in Kurzarbeit waren oder Kündigung bekamen", berichtet Hantke.

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Während des Lockdowns beobachtete er einen Neukundenanstieg und ein wachsendes Interesse an regionalen Produkten. „Sie suchten eine Alternative zum Supermarkt. Es kamen viele junge Familien. Sie wollten nach draußen. Es war für sie ein Event. Es waren auch Studenten aus Bielefeld da, die für andere einkauften", schildert Hantke, der auch auf der Internetplattform »Versmold handelt« steht.

Während dieser Zeit erweiterte er das Angebot im Hofladen, denn die Nachfrage nach Kartoffeln, Mehl und Nudeln stieg. „Das Mehl war ruckzuck verkauft. Ich habe für unsere Küche nichts mehr bekommen", so Yvonne Hantke.

Beim zweiten durch Tönnies verursachten Lockdown hingen schwarze Johannisbeeren reif am Strauch. „Uns fehlten Selbstpflücker auch aus Bielefeld und Osnabrück. Die Beeren sind verloren und Einnahmen von zwei Wochen fehlen", ärgert sich der Obstbauer. Er ist froh, dass es Selbstpflücker für die derzeit reifen Himbeeren und Sauerkirschen gibt. Außer Stammkunden kaufen auch die Neukunden weiterhin ein. Das Ehepaar Hantke wünscht sich, dass das Bewusstsein für heimische Produkte anhält.

Derzeit läuft auf dem Hof Obstbau Hantke die Sauerkirschenernte. Torsten und Yvonne Hantke naschen schon mal.  - © Rita Sprick
Derzeit läuft auf dem Hof Obstbau Hantke die Sauerkirschenernte. Torsten und Yvonne Hantke naschen schon mal.  (© Rita Sprick)

"Wir wollen eine wirkliche Alternative zum Supermarkt werden"

Auch Tim Fichter und seine Frau Lena vom Betrieb »Tims Landbau« erkennen seit Beginn der Krise, dass heimische Erzeugnisse eine Wertschätzung erlangen und die Kundenzahl steigt. „Die neue Kundschaft ist jünger. Seit 2019 hat sich die Kundenzahl mindestens verdreifacht, auch wegen des Lockdowns. Und sie sind geblieben", sagt er. Anfangs seien säckeweise Kartoffeln gekauft worden. In der Spargelsaison sei die Gastronomie als Kunde weggebrochen. „Während des Skandals bei Tönnies war dann Fleisch vom heimischen Angus-Rind gefragt und Kunden erkundigten sich nach Lieferketten", so der Gartenbauingenieur.

Fichters haben das Ohr nah am Kunden und erfahren im Geschäft, dass viele neben saisonalem Obst und Gemüse auch Lebensmittel wie Käse, Sahne, Butter, Öl und mehr aus der Region im Hofladen kaufen möchten. „Wir reagieren darauf. Wir werden auch Kontakt zu einem Schlachter aufnehmen und alle Angebote zu vernünftigen, stabilen Preisen aufstocken. Wir wollen eine wirkliche Alternative zum Supermarkt werden", plant Fichter. Er bietet sowohl eigene Produkte an, als auch Waren von zehn regionalen Erzeugern. Das Ehepaar ist überzeugt, dass Verbraucher durch die Coronakrise aufgerüttelt wurden und über ihren Lebensmittelkonsum nachdenken. Sie wollen dazu beitragen, dass Hofläden und besonders regionale Produkte zukünftig noch mehr ins Bewusstsein rücken.

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