"Miss Handwerk": Versmolder Schornsteinfegerin macht beim Casting mit

Kira Stork arbeitet als Schornsteinfegerin in Versmold. Die 23-Jährige nimmt jetzt am bundesweiten Wettbewerb teil. Ums Gewinnen geht es ihr allerdings gar nicht.

Tasja Klusmeyer

Kira Stork steigt den Versmoldern aufs Dach. Auf der beruflichen Leiter will sie im kommenden Jahr mit Besuch der Meisterschule nach oben klettern. Vielleicht als „Miss Handwerk"? - © Tasja Klusmeyer, HK
Kira Stork steigt den Versmoldern aufs Dach. Auf der beruflichen Leiter will sie im kommenden Jahr mit Besuch der Meisterschule nach oben klettern. Vielleicht als „Miss Handwerk"? (© Tasja Klusmeyer, HK)

Versmold. Kira Stork möchte mit ihrer Teilnahme Vorurteile aus dem Weg fegen, kann man treffenderweise sagen – und das Berufsimage etwas aufpolieren. „Ich will zeigen, was Schornsteinfegerinnen und Schornsteinfeger alles können", sagt sie. Die 23-Jährige selbst hat in der Tätigkeit ihren Traumberuf gefunden. Andere junge Menschen, egal ob Frauen oder Männer, sollen es ihr nachmachen.

Mit 14 Jahren klettert Kira Stork das erste Mal hoch aufs Dach. Eigentlich ohne Grund. Heimlich. „Meine Eltern haben das nicht gesehen", erzählt sie. Dafür gefällt der Herforderin das, was sie sieht. Sie ist fasziniert von der Höhe. Von der Idee, Dachdeckerin zu werden, bringt sie ihr Vater aus Sorge um die schwere, teils gefährliche, körperliche Tätigkeit ab. Kira Stork absolviert also mit 15 Jahren ihr dreiwöchiges Schülerpraktikum bei einem Schornsteinfeger. „Da habe ich gemerkt, dass mir der Beruf gefällt und er gar nicht so anstrengend ist. Das können Frauen problemlos machen", sagt sie.

"Es wundern sich viele, wenn eine Frau vor der Tür steht"

Nach dem Realschulabschluss macht Kira Stork noch Abitur – und denkt dann zunächst über ein Studium auf Lehramt nach. Es bleibt bei dem Gedanken. Stattdessen entscheidet sich die junge Frau für die Ausbildung im Handwerk in einem Löhner Schornsteinfeger-Betrieb und ist damit OWL-weit eine von zwei weiblichen Azubis in ihrem Jahrgang. Sie verkürzt die Lehrzeit um ein halbes Jahr und bekommt eine Stelle als Gesellin bei Schornsteinfegermeister Christian Schlingmann.

Ansässig ist der Betrieb in Bielefeld, zuständig aber für den Kehrbezirk Versmold II, dessen bevollmächtigter Schornsteinfeger Schlingmann ist. Kira Stork ist deshalb täglich in Versmold unterwegs. „Es wundern sich viele, wenn eine Frau vor der Tür steht", berichtet sie aus ihrem Arbeitsalltag. Eine Mitarbeiterin hatte auch Christian Schlingmann bisher noch nicht. Insgesamt arbeiten wenige Frauen in dem Beruf. „Es ist selten, aber es wird mehr", sagt der Chef.

Kira Stork wünscht sich weitere Kolleginnen und wählt deshalb den Weg in die Öffentlichkeit. „Es wäre cool, wenn neue Azubis dazustoßen", sagt die 23-Jährige. Über den Instagram-Account einer anderen Schornsteinfegerin wurde sie auf den bundesweiten Wettbewerb „Germany’s Power People" aufmerksam, eine gemeinsame Aktion des Handwerksblattes, der IKK Classic und der Signal Iduna. „Du bist stolz auf deinen Beruf?", wird da gefragt. Alle Handwerkerinnen und Handwerker, egal welchen Berufes, sind aufgerufen, die „schönen Seiten des Handwerks" zu zeigen und um den Titel „Miss und Mister Handwerk" anzutreten.

Viel Kundenkontakt und immer mehr Technik

Bis zum 4. August kann noch online abgestimmt werden. Das Zuschauervoting gilt als Stimmungsbarometer für die Jury. Sie bestimmt zunächst, wer einen Platz fürs Fotoshooting und im Handwerkskalender 2021 bekommt. In einer weiteren Votingrunde im Dezember geht es um den Titel. „Miss und Mister Handwerk" sollen schließlich im März auf der Internationalen Handwerksmesse in München gekürt werden.

„Ich will eigentlich gar nicht gewinnen", sagt Kira Stork. Sie freut sich, wenn die Aktion Aufmerksamkeit bekommt und der Branche weiterhilft. Viele, kleine Handwerksbetriebe, wie der ihres Chefs, sind im Internet nur wenig aktiv. Das Online-Handwerker-Casting soll das ändern.

Kira Stork schätzt besonders den Kundenkontakt an ihrem Beruf. „Wir sind nicht die, die bei Problemen kommen, sondern die regelmäßig da sind", sagt sie. Dabei komme man mit den Kunden viel ins Gespräch. Die Faszination für Höhe hat sie zum Beruf gebracht. Die 23-Jährige steigt den Menschen in Versmold gerne aufs Dach. Die Ausbildung hat zudem ihr Interesse an der technischen Seite geweckt. Brandschutz, Energieberatung und Heizungsregelung gehören dazu. „Ich fege auch gerne. Viele andere mögen das nicht so sehr – da wird man richtig dreckig." Kira Stork stört das nicht.

www.germanyspowerpeople.de

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