Depressionen: Diese Versmolderin geht offen mit ihrer Erkrankung um

Sabine Schmücker leidet seit vielen Jahren an Depressionen. Die 59-Jährige erzählt, wie sie mit der Krankheit lebt – und warum ihre rosagefärbten Haare ihr helfen.

Marion Bulla

Wenn Sabine Schmücker in einer depressiven Episode steckt, dann kippt die Stimmung von gut gelaunt in tiefe Traurigkeit. Dann wird die Welt um sie herum düster. - © Sabine Schmücker
Wenn Sabine Schmücker in einer depressiven Episode steckt, dann kippt die Stimmung von gut gelaunt in tiefe Traurigkeit. Dann wird die Welt um sie herum düster. (© Sabine Schmücker)

Versmold. Sabine Schmücker ist in Versmold bekannt wie ein bunter, pardon pinker, Hund. Mit ihren rosagefärbten Haaren fällt sie einfach auf. Wenn man die Peckeloherin trifft, dann sprüht sie oftmals geradezu vor guter Laune. Alles scheint bei ihr perfekt. Sie sieht gut aus, führt eine glückliche Ehe und hat ein schönes Zuhause. Doch der Schein trügt. Niemand weiß, wie es in ihrer Seele aussieht. Sabine Schmücker ist depressiv.

„Wenn ich eine Depression habe, bin ich antriebslos. Mir fehlt einfach die Kraft und Motivation, aufzustehen. Dann bin ich wie tot. Unendlich traurig und leer. Anders kann man es nicht beschreiben", erzählt die Mutter einer erwachsenen Tochter. Besonders ärgert sie sich über Leute, die dann sagen: „Stell dich nicht so an und reiß dich mal zusammen."

Sabine Schmücker geht offen mit ihren Depressionen um. Die 59-Jährige möchte andere für das Thema sensibilisieren. - © Sabine Schmücker
Sabine Schmücker geht offen mit ihren Depressionen um. Die 59-Jährige möchte andere für das Thema sensibilisieren. (© Sabine Schmücker)

„Daran kannst du aber gar nichts machen," betont die 59-Jährige. Hat sie eine depressive Episode, gibt ihr vor allem die Familie Halt. Seit 21 Jahren steht Ehemann Frank ihr zur Seite. „Er ist mein Seelenpartner und musste lernen, mit meiner Krankheit zu leben", sagt Sabine Schmücker dankbar für diese Unterstützung. Auch die beiden Enkelkinder schenken ihr viel Freude.

"Eine Depression kündigt sich an"

Immer schon ist es aber die Kunst, die ihr hilft, runterzukommen und zu entspannen. „Eine Depression kommt nicht plötzlich. Sie kündigt sich lange im Voraus an. Ich merke das mittlerweile und kann ein wenig gegensteuern", erzählt sie.

Sie habe schon früh das Gefühl gehabt, sie sei anders, sagt Sabine Schmücker und ergänzt, sie ecke oft an, weil sie ehrlich und geradeheraus sei. Um ihre Traumata aufzuarbeiten, ist die gelernte Einzelhandelskauffrau seit mehr als 20 Jahren in psychotherapeutischer Behandlung – je nach Bedarf.

Erst vor drei Jahren war bei ihr konkret die Krankheit Depression diagnostiziert worden. Damals ging es ihr besonders schlecht. Sie musste sogar ihren Job im Empfang einer Arztpraxis, den sie viele Jahre ausübte, aufgeben. Ihr war es nicht mehr möglich, einen normalen Tagesablauf zu bewältigen. „Das geht bei mir bis heute nicht", sagt Schmücker, die seitdem in der Erwerbsminderungsrente ist. Auch ihre rosa Haare hat sie seit dieser Zeit. Das habe auf ihr Gegenüber eine positive Wirkung, ist die 59-Jährige sicher.

Corona-Situation trifft sie besonders

Psychopharmaka gegen die Krankheit nimmt sie nicht. „Die Depression sitzt im Kopf. Ich möchte selbstbestimmt bleiben und nehme nur rein pflanzliche Mittel. Die bringen meine Seele in Einklang. Ich mache aber auch Sport, meditiere viel und male gegen die Traurigkeit", so die Künstlerin weiter. Die derzeitige Corona-Situation macht ihr besonders zu schaffen. „Es ist schlimm, wenn die sozialen Kontakte so wegbrechen."

„Ich habe viel durchgemacht, bereue aber nichts, weil es  mich zu dem Menschen gemacht hat, der ich heute bin", sagt Sabine Schmücker. Die 59-Jährige geht mit ihrer Krankheit offen um und möchte das Thema rausbringen aus der Tabuzone. Weil sie will, dass auch andere Menschen verstehen, dass es sich bei Depressionen um eine wirkliche Krankheit handelt und man eben nicht „einfach nur mal traurig ist". Eine Krankheit, die man nicht sieht, sondern die unsichtbar ist.

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