Was ist da los? Sohn bleibt in Quarantäne, obwohl der Rest der Familie raus darf

Familie Harbert-Hallerdei hat vermeintlich gute Nachrichten erhalten – für einen gilt das nicht.

Marc Uthmann

Hans-Dieter Harbert und Monika Harbert-Hallerdei sind aus der Quarantäne frei - ihr jüngster Sohn noch nicht. - © Marc Uthmann
Hans-Dieter Harbert und Monika Harbert-Hallerdei sind aus der Quarantäne frei - ihr jüngster Sohn noch nicht. (© Marc Uthmann)

Versmold. Die Quarantäne für Menschen, die rund um den massiven Corona-Ausbruch Kontakt mit dem Schlachtbetrieb Tönnies hatten, ist immer noch nicht vorüber. Allerdings nimmt die Situation für manche Familie mittlerweile absurde Züge an. Die Betroffenen reagieren zunehmend verzweifelt.

Am Samstag berichtete das Haller Kreisblatt über das Quarantäne-Schicksal der vierköpfigen Familie Harbert-Hallerdei. Deren Mitglieder mussten trotz zahlreicher negativer Tests mehr als zwei Wochen ausharren und ärgerten sich über das abweichende Verfahren im Landkreis Osnabrück. Inhaltlich war der Ablauf begründ- und nachvollziehbar, trotzdem steckten zuletzt 65 Menschen in Versmold in einer bedrückenden Lage.

"Aber wir sind vier Personen"

Es folgten eigentlich gute Nachrichten: Die Quarantäne für die ersten fünf Personen in Versmold wurde aufgehoben und im zweiten Schritt konnte Ordnungsamtsleiter Thomas Tappe am Sonntagabend auch Familie Harbert-Hallerdei Erleichterndes verkünden – vermeintlich. „Wir haben die Nachricht vom Ordnungsamt bekommen, dass mein Mann, mein jüngster Sohn und ich ab Montag raus dürfen. Aber wir sind vier Personen im Haushalt", berichtet Monika Harbert-Hallerdei.

Der 23-jährige Sohn steckt also weiter zu Hause fest – einen logischen Grund dafür kann es eigentlich nicht geben, wenn seine gesamte Familie raus darf. Zumal ihm bestätigt worden sei, „negativ" zu sein. Der Sohn rief mehrmals beim Gesundheitsamt des Kreises und beim Versmolder Ordnungsamt an – ohne Erfolg. „Es tut sich einfach nichts", klagt seine Mutter und Vater Hans-Dieter Harbert sagt: Mein Sohn denkt über rechtliche Schritte gegen den Kreis nach." Schließlich mache nun auch der Arbeitgeber Druck.

Ordnungsamtschef Thomas Tappe ist die Situation hörbar unangenehm: „Ich habe die Liste des Kreises bekommen und auf der standen drei Personen. Mir war sofort klar, dass da einer fehlt." Deshalb habe er sich um die Informationen zum ältesten Sohn bemüht. „Und die sollte ich vom Kreis Gütersloh auch schnell bekommen – aber jetzt ist Mittwoch, und es liegt immer noch nichts vor." Falls das Testergebnis untergegangen sei und er wiederholt werden müsse, sei das ja verständlich. „Aber auch in diesem Fall sollte es nicht vier Tage dauern, das zu kommunizieren."

Weiterhin müssen mehr als 50 Menschen zu Hause bleiben

Der Ordnungsamtsleiter wartet auf die Testergebnisse vom Samstag und auch auf die vom Montag. Erst dann kann er die Menschen informieren, dass sie wieder raus dürfen. „Wir halten uns an die Bestimmung, dass der Kreis uns den Freistellungsbescheid übermittelt." Doch die Behörde kommt angesichts von 14.000 Quarantäne-Fällen nur schwer hinterher, offenbar ist es auch ein großes Problem, die Flut an Namen mit Testergebnissen den Kommunen und Adressen zuzuordnen. Die Folge für Versmold: Am Mittwochnachmittag befanden sich immer noch mehr als 50 Personen in Quarantäne – teilweise mehrere Tage nach ihren eigentlich letzten Tests.

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