Digitales Lernen: Jeder Versmolder Grundschüler bekommt ein iPad

Die Stadt stellt angesichts der Corona-Situation mehr Geld für Digitalisierung zur Verfügung. Sie sieht darin einen großen Mehrwert fürs „Lernen auf Distanz“ – aber auch für den regulären Unterricht.

Tasja Klusmeyer

Nicht nur in Zeiten von Homeschooling gewinnt die Nutzung des Tablets für Schule an Bedeutung. - © Symbolfoto CCO Pixabay
Nicht nur in Zeiten von Homeschooling gewinnt die Nutzung des Tablets für Schule an Bedeutung. (© Symbolfoto CCO Pixabay)

Versmold.Momentan verfügen die drei städtischen Grundschulen mit ihren fünf Standorten über 192 mobile Endgeräte. Kurzfristig ist zum Start des neuen Schuljahres geplant, weitere 563 iPads anzuschaffen, damit künftig jeder Erst- bis Viertklässler über ein eigenes Gerät verfügt. Die Stadt nimmt 157.000 Euro in die Hand, dafür hat der Stadtrat am Donnerstagabend gestimmt. Bei der Summe handelt es sich um den maximalen Finanzbedarf, der abzüglich von Fördermitteln aus eigener Kasse aufgebracht werden muss.

Die 1:1-Ausstattung mit iPads hält Bürgermeister Michael Meyer-Hermann aufgrund der Corona-Pandemie für erforderlich, damit jeder Schüler gleichwertig am „Lernen auf Distanz" teilhaben könne. Ähnlich wie Schulbücher werden die Tablets leihweise an die Kinder herausgegeben. Damit möchte Versmold auf mögliche coronabedingte Einschränkungen auch in der Zukunft vorbereitet sein – und darüber hinaus.

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"So selbstverständlich wie Schulbücher"

Der Verwaltungschef argumentiert mit der allgemein fortschreitenden Digitalisierung der Lernmaterialien. Schulbuchverlage würden zunehmend Inhalte digital anbieten und damit das klassische Schulbuch ersetzen. „Ein iPad sollte dann genauso selbstverständlich sein wie derzeit die Schulbücher."

Die Stadt hat sich als Trägerin der Grundschulen vor einigen Jahren auf den Weg der Digitalisierung begeben und dabei verschiedene Fördertöpfe angezapft. Der Prozess beschleunigt sich nun angesichts der Corona-Situation. Die Stadt bereitet dafür einen Antrag auf Förderung aus dem „DigitalpaktNRW" vor.

Ein Großteil der Klassenräume verfügt bereits über WLAN. Das einheitliche Ausstattungskonzept sieht 75-Zoll LED-TVs samt Apple-TV und iPad-Stativ vor. Computerräume und Medienecken in den Klassenräumen sollen aktuelle Geräte bekommen. Zudem werden Lernmanagementsysteme zur besseren Kommunikation und zum Austausch von Lernmaterial eingeführt.

Persönlicher Kontakt am Bildschirm

Voraussetzung dafür ist, dass auch alle Lehrer über ein Tablet verfügen. Da das Land NRW diese Ausstattung bisher nicht getätigt habe, springt die Stadt ein. „Zwar ist dies mit zusätzlichem finanziellen Aufwand verbunden und grundsätzlich beharren auch wir auf der eigentlichen Pflicht des Landes als Dienstherr", so Meyer-Hermann. Doch wolle man weitere Verzögerungen im Digitalisierungsprozess vermeiden.

Wie dringend erforderlich dieser ist, verdeutlichten die Schulleiter in der Ratssitzung. „Wir haben Schule vollkommen anders erlebt – von heute auf morgen", fasst Hans-Jürgen Duch (Peckeloh-Oesterweg/Hesselteich) jenen Moment zusammen, als Mitte März die Lernwelt plötzlich auf den Kopf gestellt wurde. Für viele Familien habe die coronabedingte Schulschließung „dramatische Auswirkungen" gehabt. „Homeschooling – ein neues Wort, das übers Wochenende geschaffen wurde." Die Erfahrungen der vergangenen Monate habe gezeigt, dass man nicht einfach nur Arbeitsblätter in Familien geben und sie zur Korrektur wieder abholen könne. Kindern und Eltern seien auf Anleitung und Unterstützung angewiesen.

Im Grundschulbereich brauche es persönlichen Kontakt, „das ist für die Kinder beim Lernen enorm wichtig". Endgeräte und Lernmanagementsysteme, die zumindest Blickkontakt und Gespräche ermöglichen, seien die Grundlage fürs „Lernen auf Distanz", findet Hans-Jürgen Duch. Benjamin Finke, Konrektor des Grundschulverbundes Loxten-Bockhorst, pflichtet ihm bei. „Wir sind darauf angewiesen, die Beziehungsebene zu stärken – Corona hat uns da eine Grenze gesetzt. Die 1:1-Ausstattung mit iPads kann uns dabei helfen, diese Grenze zu überwinden." Und natürlich müsse man auch mit dem Stoff weiterkommen.

"Handwerkszeug, kein Spielgerät"

Über Videokonferenzen habe man die Möglichkeit, mit Kindern ins Gespräch zu kommen und vielleicht auch auf das eine oder andere Problem ein Auge zu haben. „Die Einschränkung sozialer Kontakte war für die Kinder ganz schlimm", schildert Benjamin Finke. Das iPad sei ein wichtiges Handwerkszeug heutiger Lernformen, kein Spielgerät.

Die Politik war sich einig, weitere Mittel für die Anschaffung der iPads zur Verfügung zu stellen. SPD-Fraktionschefin Liane Fülling betonte, dass es neben der technischen Ausstattung wichtig sei, die konzeptionelle Ausrichtung weiterzuentwickeln. Zudem müsse man die Folgekosten im Blick haben. Arne Bartkowiak (FDP) und Ulrich Wesolowski (CDU) erkundigten sich nach den weiterführenden Schulen in Trägerschaft des CJD. Ziel müsse es sein, dass alle Versmolder Schüler von der ersten Klasse bis zum Abschluss ähnlich gute Bedingungen vorfänden. Bürgermeister Meyer-Hermann verwies auf den Medienentwicklungsplan für die Stadt, den alle Schulen gemeinsam erarbeiten. Die Finanzierungsverantwortung liegt bei den weiterführenden Schulen grundsätzlich beim CJD. Möglichkeiten, Fördermittel abzurufen, würden aber immer geprüft. „Es gibt selbstverständlich Gespräche."

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