VersmoldEröffnung: Neuer Rathausplatz entschädigt für Ärger in der Bauphase

Abschnitt eins der Versmolder Innenstadtsanierung war geprägt von Verzögerungen und steigenden Kosten. Doch die Eröffnung des Rathausplatzes zeigt, dass sich der Ärger gelohnt haben könnte. Veredelt wird die neue Mitte durch ein besonderes Kunstwerk.

Marc Uthmann

Der neue Rathausplatz entfaltete Freitag bei bestem Wetter seine volle Wirkung. Und war sofort mit Leben gefüllt. - © Marc Uthmann
Der neue Rathausplatz entfaltete Freitag bei bestem Wetter seine volle Wirkung. Und war sofort mit Leben gefüllt. © Marc Uthmann

Versmold.Um 11 Uhr soll die offizielle Freigabe des neuen Rathausplatzes erfolgen. Ein gutes Zeichen gibt es schon vorher: Es ist bereits einiges los, noch ehe Bürgermeister Michael Meyer-Hermann und der zuständige Planer Matthias Förder das weiße Band durchschneiden können. Einige haben es sich auf den zahlreichen Sitzgelegenheiten gemütlich gemacht, die den Platz säumen. Kinder hüpfen auf dem kleinen, im Boden versenkten Trampolin, balancieren an den „Grashüpfer“ genannten Stangen und nähern sich vorsichtig dem Brunnen im Zentrum der neuen Mitte.

Acht Meter Durchmesser hat er und 24 Düsen – es ist Projektleiter Thomas Wiese von der Stadt Versmold vorbehalten, auf den Knopf der Fernbedienung zu drücken. Kurz darauf schießt das Wasser empor. Der fünfjährige Jason Ruben ist der erste, der sich zwischen die Fontänen traut, erst nur mit den Füßen, dann fröhlich ins Wasser greifend.

Baukosten in Höhe von 1,3 Millionen Euro

Die Versmolder nehmen ihren neuen Rathausplatz sofort in Besitz – das hatte sich Michael Meyer-Hermann gewünscht: „Der Charme der 70er Jahre ist einer modernen und zukunftsfähigen Gestaltung gewichen, wir haben hier eine hohe Aufenthaltsqualität.“ 1,3 Millionen Euro hat der erste Bauabschnitt letztlich gekostet, 60 Prozent der Finanzierung übernimmt das Land über das Integrierte Städtische Entwicklungskonzept (ISEK).

Ursprünglich sollte der Platz schon kurz vor Weihnachten fertig sein, doch unter anderem Probleme mit dem Pflaster und überraschende Funde von Treppenfundamenten im Boden verzögerten die im März 2019 gestarteten Arbeiten und erhöhten die Kosten. „Was lange währt, wird endlich gut“, so Meyer-Hermann, der nicht verschweigt, „dass es die ein oder andere Schwierigkeit“ gab. Doch nun sind die Arbeiten beendet, können die Menschen einen barrierefrei angelegten Platz überall nutzen – auch dort, wo er vorher verwinkelt und zugemauert war. Gut möglich, dass er sich im anstehenden Sommer zum Treffpunkt entwickelt.

Das gilt auch für die Enthüllung, die am Freitagmorgen zunächst noch unter einem roten Tuch schlummerte. Im Schatten des mächtigen Trompetenbaums am Rathaus gibt es eine neue Attraktion zu bewundern. „Es ist doch klar, dass sie künftig Ausgangspunkt aller Stadtführungen sein wird“, erklärt Stadtarchivar Rolf Westheider kurz nach der Enthüllung.

Die Projektverantwortlichen Uwe Willich (links) und Rolf Westheider weisen auf die markanten Punkte des bronzenen Stadtmodells hin. Der Kirchturm sticht hervor. - © Marc Uthmann
Die Projektverantwortlichen Uwe Willich (links) und Rolf Westheider weisen auf die markanten Punkte des bronzenen Stadtmodells hin. Der Kirchturm sticht hervor. (© Marc Uthmann)

Die Versmolder jedenfalls können ihre Kernstadt ab sofort täglich von oben betrachten, als aus Bronze gegossenes Relief. Ursprünglich sollte das Kunstwerk schon 2019 anlässlich von 300 Jahren Stadtrechten aufgestellt werden, nun fügt es sich in die Eröffnung des Rathausplatzes ein. Die Anregung zu diesem Projekt kam aus der Reinert-Stiftung, die Bürgerstiftung nahm den Ball auf und Uwe Willich machte sich 2018 an die Umsetzung des Projektes: „Wir haben mehrere Angebote eingeholt und schließlich das Unternehmen Hoy aus dem sächsischen Erzgebirge beauftragt.“ Der Chef Nils Hoy kam im März 2019 nach Versmold und nahm die Daten auf, ein Grundmodell aus dem 3D-Drucker wurde erstellt, daraus wiederum ein so genanntes Negativ aus Silikon. „Erst nach diesen Schritten konnte ein Wachsmodell gefertigt werden, das anschließend in eine Maske aus Keramik und Ton eingehüllt wurde und in den Ofen kam. Der Bronzeguss und seine Bearbeitung bildeten dann den Abschluss“, erklärte Uwe Willich.

Finanzierung als Gemeinschaftsprojekt

Und so entstand auf 1,15 Meter mal 95 Zentimeter ein Grundriss von Versmolds Innenstadt im Maßstab 1:500. „Um ein Gefühl dafür zu bekommen, welche Dimensionen das sind: ein zehn Meter hoher Baum hätte hier Streichholzhöhe“, erklärte Willich.

Eine der wohl größten Herausforderungen des Projektes war die Auswahl des Ausschnittes, wie Rolf Westheider erklärt: „Das war gar nicht so einfach. Wir haben uns am historischen Stadtkern orientiert, der Aabach bildet eine natürliche Grenze.“

Immerhin 23.000 Euro kostet das Kunstwerk – da war eine Finanzierung nötig. Um Versmold den neuen Blickfang zu bescheren, haben darum gleich drei Stiftungen gemeinsame Sache gemacht: Neben der Bürgerstiftung und der Reinert-Stiftung hat sich auch die Stiftung Standort: hier der Stadtsparkasse beteiligt. Die Füße des Reliefs baute das Versmolder Unternehmen Ahlers, finanziert hat sie die Stadt. Es ist ein Gemeinschaftsprojekt, das noch viele Jahre Wirkung zeigen soll.

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