Sperrung durchs Bruch ist erneut Thema: Öffnet die Politik das Fass wieder?

Per Bürgerentscheid wurde vor 15 Jahren dafür gestimmt, die Rebhuhnstraße im Naturschutzgebiet als Durchfahrt zu lassen. Jetzt liegt der Stadt ein Antrag auf Sperrung vor.

Tasja Klusmeyer

Versmolder Bruch - © Tasja Klusmeyer, HK
Versmolder Bruch (© Tasja Klusmeyer, HK)

Versmold. Der Vorstoß kommt von Lothar Schäfer. Der 68-Jährige wohnt in Herzebrock-Clarholz und ist regelmäßig auf dem Fahrrad im Bruch unterwegs. „Die Stadt hat ein echtes Naturjuwel, das im Umkreis seinesgleichen sucht", formuliert er in seinem Antrag an die Stadt, der am kommenden Mittwoch, 10. Juni, auf der Tagesordnung vom Planungs- und Stadtentwicklungsausschuss steht.

Lothar Schäfer verweist auf die Biodiversität, die „generell gewaltig abgenommen" habe. Die Tier- und Pflanzenwelt im Bruch gelte es zu schützen. Der motorisierte Verkehr sei „ein latent gefährdendes Element", so das Mitglied des GNU-Arbeitskreises in seiner Heimatkommune. Auch für Radfahrer und Fußgänger im Bruch empfindet Schäfer die Autos auf der Rebhuhnstraße als störend. Warum die Verbindung unbedingt genutzt werden müsse, kann er nicht nachvollziehen. „Natürlich ist das der kürzeste Weg, aber es gibt um das Bruch herum ausreichend ausgebaute Straßen als Alternative."

Dass er mit seiner Bürgeranregung ein Fass geöffnet hat, das vor 15 Jahren nach hitziger Debatte geschlossen worden war, ist Lothar Schäfer inzwischen bekannt. Im Gespräch mit dem Haller Kreisblatt zeigt er sich aber überzeugt davon, dass eine erneute politische Debatte richtig wäre. „Zwischen 2005 und 2020 hat sich viel am Umweltbewusstsein der Menschen getan." Natur- und Klimaschutz hätten an Bedeutung gewonnen. Gerade in stark landwirtschaftlich geprägten Gegenden müsste es im Interesse aller sein, Natur-Hotspots wie das Versmolder Bruch zu schützen und weiterzuentwickeln. Die Sperrung der Straße sei ein „wichtiges Signal".

Streitpunkt Spurbahnen

Das Thema hat eine längere politische Vorgeschichte. Im Zuge des Ausbaus der Kämpenstraße war es eigentlich Forderung der Unteren Landschaftsbehörde des Kreises Gütersloh als Ausgleichsmaßnahme die Rebhuhnstraße zu sperren. Die CDU wehrte sich stets gegen diese Pläne, da sie in einer Schließung eine „nicht tolerierbare Belastung der Anwohner der Langen Straße" sah. Als Kompromiss wurden 2003 die Spurbahnen gebaut – in der Hoffnung, den Verkehr zu verlangsamen und die Strecke unattraktiver zu machen. Die fast 50.000 Euro teure Maßnahmen brachte nicht das gewünschte Ergebnis und geriet schnell in die Kritik. Im Januar 2004 beantragten die Grünen schließlich die Sperrung der Straße, die im März mit den Stimmen von SPD, UWG und FDP testweise für ein Jahr beschlossen wurde. Dazu kam es nie.

Denn die Entscheidung brachte Bürger auf die Barrikaden. Sie erwirkten einen Bürgerentscheid. Am 22. Mai 2005, dem Tag der Landtagswahl, ging es auch um die Frage, ob die Rebhuhnstraße weiterhin als Durchfahrt genutzt werden soll – oder nicht. Das Ergebnis war eindeutig. Fast 64 Prozent der abgegebenen Stimmen sprach sich für die Beibehaltung der Öffnung aus und unterstützte damit das von Hesselteichern und Oesterwegern initiiertes Bürgerbegehren. Damit kippten sie die Entscheidung der Politik.

Zwei Jahre ist der Beschluss des Bürgerentscheids bindend. Auf den Tisch gekommen ist das Thema seitdem in der Politik nicht mehr. Die Fraktionen gaben damals zu Protokoll, den Wunsch der Bürger zu respektieren. 15 Jahre danach wünscht sich Lothar Schäfer von den Ratsvertretern, „neu darüber nachzudenken". Einen Beschlussvorschlag zum Antrag hat die Verwaltung für die Sitzung am Mittwoch nicht formuliert. Es ist also an den Mitgliedern des Planungsausschusses, ob noch einmal Bewegung in das Thema kommt.

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