Diagnose via Video: Dieser Versmolder Arzt behandelt jetzt auch aus der Distanz

Das Gesundheitszentrum Greffen bietet an seinem Standort in Versmold neuerdings Videosprechstunden an. Nicht nur in Corona-Zeiten hat das ergänzende Modell Vorteile.

Tasja Klusmeyer

Gesundheitszentrum Greffen, Standort Versmold

Hausarzt Dr. Hubert Ohlemeyer und die angehende Fachärztin Canan Tüncel bieten eine Videosprechstunde an - © Tasja Klusmeyer, HK
Gesundheitszentrum Greffen, Standort Versmold

Hausarzt Dr. Hubert Ohlemeyer und die angehende Fachärztin Canan Tüncel bieten eine Videosprechstunde an (© Tasja Klusmeyer, HK)

Versmold. „Die Digitalisierung schreitet voran – in allen Bereichen", sagt Dr. Hubert Ohlmeyer, Facharzt für Innere Medizin. Mit dem Thema Videosprechstunden habe sich das Ärzte-Team des Gesundheitszentrums schon länger beschäftigt. Dabei hatte es insbesondere Patienten im Blick, die weiter weg von der Praxis wohnen und nicht mehr mobil sind.

Wöchentlich stehen mehrere Hausbesuche für Dr. Ohlmeyer im Terminkalender. Muss er dafür von der Ravensberger Straße bis in die Außenbereiche Versmolds fahren, sei er da schon mal 20 Minuten für Hin- und Rückweg auf der Straße. Zeit, die er lieber direkt für den Patienten haben würde. Dr. Hubert Ohlmeyer nennt das Beispiel der engmaschigen Wundkontrolle, die er bei einer pflegebedürftigen Person über den Bildschirm mit Hilfe des Pflegedienstes gemacht habe und dafür nicht extra einen Hausbesuch einplanen musste.

Die Handhabung ist sehr einfach

In Zeiten der Coronapandemie kommt noch ein ganz anderer Aspekt dazu. Viele ältere Menschen scheuten aus Angst vor Ansteckung den Weg in die Praxis. Auch für solche Fälle bietet die Videosprechstunde eine gute Möglichkeit, „mit dem Patienten regelmäßig in Kontakt zu bleiben". Deshalb hat sich das Gesundheitszentrum jetzt auf den Weg gemacht.

Immer wieder wird zurzeit zudem davor gewarnt, bei Beschwerden nicht zu lange mit einem Arzttermin zu warten. Der Online-Kontakt könnte auch hier Abhilfe schaffen und dem Mediziner die Möglichkeit geben, sich ein erstes Bild zu machen und weitere Schritte einzuleiten.

Die Handhabung ist laut Dr. Hubert Ohlmeyer „so einfach wie Skypen". Das Gesundheitszentrum setzt an seinen insgesamt sechs Standorten eine zertifizierte App ein, die Datensicherheit gewährleistet. Den Medizinern an der Ravensberger Straße steht dafür momentan ein Tablet zur Verfügung. Der Patient benötigt ein internetfähiges Endgerät mit Kamera und Mikrofon, zum Beispiel ein Smartphone. Dr. Hubert Ohlmeyer ist bewusst, dass nicht alle seiner Patienten darüber verfügen, wohl aber über jemanden aus der Familie, der unterstützen könne.

Diagnose aus der Distanz hat aber auch ihre Grenzen

Die Terminvergabe erfolgt telefonisch über die Praxis – danach bekommt der Patient einen Link via SMS oder E-Mail, den er zu vereinbarter Zeit anklicken muss. „Es ist wirklich einfach", sagt der Hausarzt. Vom virtuellen Wartezimmer wird der Patient schließlich ins Sprechzimmer gelassen, wo der Arzt fürs Gespräch zur Verfügung steht.

Die Diagnose aus der Distanz hat ihre Grenzen: Blutdruckmessen, Blutabnehmen oder Röntgen geht selbstredend bei noch so fortgeschrittener Digitalisierung nicht. Der persönliche Kontakt zum Patienten hat für den Mediziner weiterhin Priorität. Er und seine Kollegen vom Gesundheitszentrum sind deshalb froh, dass der Praxisbetrieb langsam wieder anläuft – mit den entsprechenden Abstands- und Hygieneregeln. Dankbar ist das Ärzte-Team für die Spenden heimischer Unternehmen, die die Praxen vor Ort mit Schutzausrüstung versorgt haben. Masken und Handschuhe sind inzwischen in ausreichender Zahl vorhanden.

Am Bildschirm braucht es beides nicht. Auch andere Versmolder Kollegen überlegten zurzeit, das Angebot einzuführen. Dr. Hubert Ohlmeyer sieht insgesamt eine „große Chance" – mit Wirkung über die Corona-Zeit hinaus.

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