Gilt in Versmold innerorts bald Tempo 30? SPD bereitet einen Antrag vor

Die innerstädtischen Straßen sollen aus Sicht der Sozialdemokraten sicherer für Radfahrer werden.

Tasja Klusmeyer

An der Ringallee ist die Geschwindigkeit für 150 Meter im Bereich von zwei Zebrastreifen von 50 auf 30 km/h herabgesetzt. Der SPD reicht das nicht. - © Tasja Klusmeyer, HK
An der Ringallee ist die Geschwindigkeit für 150 Meter im Bereich von zwei Zebrastreifen von 50 auf 30 km/h herabgesetzt. Der SPD reicht das nicht. (© Tasja Klusmeyer, HK)

Versmold. Der Antrag ist noch nicht formuliert, aber es steht fest, dass er kommen wird. SPD-Fraktionschefin Liane Fülling kündigte im Planungs- und Stadtentwicklungsausschuss an, dass ihre Partei eine grundsätzliche Geschwindigkeitsbegrenzung in der Innenstadt fordern werde. Der Antrag soll im Juni auf der Tagesordnung stehen.

Hintergrund des Vorstoßes sind die Änderungen der Straßenverkehrsordnung, die mehr Schutz für Radfahrer vorsehen. Unter anderem ist seit dem 28. April ein Mindestabstand von 1,50 Meter beim Überholen von Radfahrern gesetzlich vorgeschrieben. Für die SPD ist es mit Blick auf die Sicherheit nur folgerichtig, die entsprechenden Voraussetzungen im Straßenverkehr vor Ort zu schaffen. Dort, wo innerstädtisch in der Regel Tempo 50 gilt, sollen künftig nur 30 km/h gefahren werden. Ausgenommen sein von dieser Regelung soll die Ortsdurchfahrt B 476 zum Beispiel im Bereich des Westheiders Weges.

Weniger Lärmbelästigung wären weitere positive Aspekte

An vielen Stellen teilen sich Radler den Straßenraum mit motorisiertem Verkehr. „Wenn man Radfahrer auf die Straße bringt, brauchen sie Sicherheit", sagt Liane Fülling auf Nachfrage vom Haller Kreisblatt. Tempo 30 auf den innerstädtischen Straßen hält die SPD für einen ersten wichtigen Schritt und nennt einen Abschnitt der Ringallee als Beispiel. Dort hätte die Temporeduzierung den positiven Nebeneffekt, dass der Verkehrsfluss sich insgesamt verbessere. Bei Kreuzungssituationen beispielsweise entstünden weniger Wartezeiten für Verkehrsteilnehmer auf untergeordneten Straßen. Weniger Umwelt- und Lärmbelästigungen wären weitere positive Aspekte einer Geschwindigkeitsreduzierung.

Den Allgemeinen Deutschen Fahrradclub hätte die SPD sofort auf ihrer Seite. Der Interessenverband NRW nennt auf seiner Homepage verschiedene Gründe für Tempo 30 in den Innenstädten, unter anderem die „deutlich höhere Verkehrssicherheit", die Halbierung des Lärmpegels sowie reduzierter Spritverbrauch.

Fachleuten sind sich uneins über Nutzen

Zu einer ganz anderen Bewertung kommt der ADAC, der in einem vor einem Jahr veröffentlichten Positionspapier Tempo 30 als städtische Regelgeschwindigkeit als „nicht sinnvoll" bezeichnet. Folgen wären die Verkehrsverlagerung von Hauptstraßen in sensible Wohngebiete sowie die „Verwässerung" des abgestuften Verkehrsinstrumentariums zur Verkehrsberuhigung. „Tempo 30 als innerörtliche Regelgeschwindigkeit ist nach Ansicht des ADAC weder aus Sicherheits- noch aus Umweltgründen zielführend", so der Standpunkt.

Die Experten sind unterschiedlicher Ansicht, vielerorts wird in Kommunen über das Thema diskutiert. In Versmold kommt nun Bewegung in die Sache. Für die Geschwindigkeitsanordnungen und Beschilderungen ist das Straßenverkehrsamt des Kreises zuständig. Zunächst einmal müsste die Versmolder Politik der SPD folgen und der Verwaltung den Prüfauftrag für weitere Schritte erteilen. Die Reaktionen auf den Antrag neulich im Ausschuss lassen vermuten, dass dieser Punkt umstritten sein wird.

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