Mit der Bahn bis Versmold? Stadt stellt weitere Weichen

Güterzüge rollen bald häufiger durch Versmold. Die Chancen für mehr Personenverkehr auf der Schiene stehen nicht so schlecht. Ein erster wichtiger Schritt soll nächste Woche getätigt werden.

Tasja Klusmeyer

In Höhe des Versmolder Bahnhofs hält zurzeit nur der Güterzug, der das Unternehmen Brüninghaus ansteuert. Wird die Strecke irgendwann auch wieder für den Personenverkehr genutzt? Die Stadt jedenfalls sieht Chancen dafür und wird tätig. - © Tasja Klusmeyer, HK
In Höhe des Versmolder Bahnhofs hält zurzeit nur der Güterzug, der das Unternehmen Brüninghaus ansteuert. Wird die Strecke irgendwann auch wieder für den Personenverkehr genutzt? Die Stadt jedenfalls sieht Chancen dafür und wird tätig. (© Tasja Klusmeyer, HK)

Versmold. Rückenwind für das Vorhaben gab es bereits im vergangenen Jahr. Der Verbund Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV) veröffentlichte eine Agenda zur Reaktivierung von Eisenbahnstrecken. Der Abschnitt der TWE-Linie zwischen Harsewinkel und Versmold wird auf einer Vorschlagsliste der Experten als „hoch“ eingestuft. Der VDV begründet das mit der aus seiner Sicht erforderlichen „Erschließung einer bisher unterversorgten Region zur Herstellung eines besseren Grundangebotes im öffentlichen Verkehr“.

Bürgermeister Michael Meyer-Hermann sieht das genauso und macht sich jetzt stark für die Reaktivierung des Schienenpersonennahverkehrs (SPNV) Richtung Versmold. Konkret schlägt er dem Stadtrat vor, die Möglichkeiten prüfen zu lassen. Mit Unterstützung des Kreises Gütersloh wird der Verkehrsverbund Ostwestfalen-Lippe gebeten, eine Machbarkeitsstudie auf den Weg zu bringen. Die wiederum soll vom Zweckverband Nahverkehr Westfalen-Lippe (NWL) erstellt werden, der in der Region Aufgabenträger des Schienenpersonennahverkehrs ist. Die Versmolder Politik berät am kommenden Donnerstag, 23. April, über diesen Punkt.

Vorteile für Pendler und Reisende

„Aus meiner Sicht liegt hierin für Versmold eine enorme Chance, die ÖPNV-Anbindung an die Kreisstadt Gütersloh deutlich zu verbessern und zu attraktiveren“, argumentiert Meyer-Hermann in der Sitzungsvorlage. Am Knotenpunkt Versmold könnten weitere ÖPNV- und Individualverkehre aus dem gesamten Stadtgebiet gebündelt werden und damit eine „echte Alternative zum Auto“ geboten werden. Der Erfolg des Haller Willem in den Nachbarkommunen zeige, welche Belebung durch ein neues Mobilitätsangebot erreicht werden könne.

Eine SPNV-Anbindung Richtung Gütersloh sei nicht nur für Schüler, Studenten oder Berufspendler interessant. Sie schaffe zudem eine direkte Anbindung an den Regional- und Fernverkehr am Hauptbahnhof Gütersloh.

Elf Kilometer bis zum Lückenschluss

1977 wurde der Personenverkehr auf der TWE-Strecke eingestellt. Auf dem Abschnitt zwischen Verl-Gütersloh-Harsewinkel sind die Pläne für die Reaktivierung bereits weiter vorangeschritten. Die Finanzierung ist gesichert, noch in diesem Jahr soll mit der Umsetzung begonnen werden. Die Inbetriebnahme ist für 2023 geplant. Elf Kilometer von Harsewinkel bis Versmold fehlen dann, damit auch die Fleischstädter wieder in den Zug steigen könnten.

Für Versmolds Bürgermeister Meyer-Hermann wäre die Verlängerung der Strecke nur folgerichtig. „Sie war immer stets Teil der Diskussion und wurde auch von mir immer wieder ins Gespräch gebracht.“ Als nächsten Schritt braucht es die Prüfung der Machbarkeit und Wirtschaftlichkeit des Vorhabens. Die Stadt Versmold soll mit ihrem Beschluss in der kommenden Woche ein wichtiges Signal an die Entscheider senden.

Dieses Votum vorausgesetzt, würde der VVOWL den TWE-Abschnitt auf eine Priorisierungsliste der infrage kommenden Reaktivierungsprojekte aufnehmen und den NWL mit der Machbarkeitsstudie beauftragen. Finanzielle Auswirkungen sind zurzeit „nicht bezifferbar“, heißt es in der Sitzungsvorlage dazu.

Güterzüge Richtung Norden

In die Planung auf dem südlichen Abschnitt der Bahnstrecke kommt also demnächst weitere Bewegung. Versmold ist schienentechnisch zweigeteilt: Richtung Gütersloh gehört die Strecke der TWE. Im Industriegebiet wechselt das Eigentum auf die Lappwald Service GmbH.

Wie mehrfach berichtet, wird der nördliche Abschnitt bis Ibbenbüren momentan für den Güterverkehr ertüchtigt; erste Züge sind bereits über die neuen Schienen gerollt. Der Lückenschluss kostet den Betreiber 11,5 Millionen Euro; zu großen Teilen finanziert durch Bundesmittel. Bis Ende 2023 soll die gesamte Strecke erneuert und damit die durchgängige Befahrbarkeit erreicht sein. Personenverkehr Richtung Norden war bislang noch kein großes Thema – ausgenommen Sonderfahrten zu Veranstaltungen in der Region. Wohin die Reise perspektivisch geht, darüber wird sicherlich weiter gesprochen werden.

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