Campingplatz als Erstwohnsitz: Dieses Paar lebt, wo andere Urlaub machen

Der Campingplatz als Erstwohnsitz – diesen Traum erfüllte sich Familie Kollmer-Hörtig. Für sie bietet dieses Leben auf kleinem Raum keine Nachteile – im Gegenteil.

Melanie Wigger

Antje und Tobias Kollmer-Hörtig sitzen in ihrem selbst gebauten Eigenheim. - © Melanie Wigger
Antje und Tobias Kollmer-Hörtig sitzen in ihrem selbst gebauten Eigenheim. (© Melanie Wigger)

Versmold-Peckeloh. Dicht an dicht, naturnah und gemütlich: Das Camperleben lockt in den Sommermonaten zahlreiche Besucher in die Region. Aber auch im Winter sind die Campingplätze belebt – denn so mancher nimmt sich nicht nur eine Auszeit auf kleinstem Raum, sondern lebt sogar dort – sowie Antje und Tobias Kollmer-Hörtig.

Das Paar hat sich 2006 für die Parzelle auf dem Gelände dem „Camp zur Rotbuche" entschieden – anfangs noch als Wochenendquartier. Damals reichte ihnen dafür ein Wohnwagen. Jedes Wochenende fuhren die beiden von Sassenberg nach Peckeloh. Nach ein paar Jahren lockte sie das Camperleben so sehr, dass sich entschieden, dort ihr eigenes Häuschen zu bauen – und zwar zum Wohnen.

„Wir haben fast alles selbst gemacht"

Zwei Jahre dauerte es, bis die Bauphase abgeschlossen war. Die Kosten kann das Paar nur grob schätzen. „Vielleicht 20.000 Euro", sagt Tobias Kollmer-Hörtig achselzuckend: „Wir haben fast alles selbst gemacht und immer nur dann weitergearbeitet, wenn wir gerade Geld für das Material hatten." Der gelernte Orgelbaumeister konnte vieles selbst durchführen – und seine Frau, gelernte Elektrikerin, wagte sich auf neues Terrain. „Mein Mann hat mir vieles gezeigt und ich habe das dann einfach gemacht. Ich habe sogar unser Bad gefliest", sagt die 50-Jährige.

2010 verließen die Familie Kollmer-Hörtig dann die gemietete Dachgeschosswohnung ohne Balkon und zogen in ihr schuldenfreies Eigenheim. Küche, Büro, Wohnzimmer, Lagerraum, Bad, Schlafzimmer und Dachboden verteilen sich heute auf 50 Quadratmetern. Eine überdachte Terrasse und ein Rasen zum Tollen für ihre drei Hunde gehören auch dazu – und das alles mitten auf dem Campingplatz. „Wir leben, wo andere Urlaub machen", sagt Antje Kollmer-Hörtig.

Jeden Sommer werde sie so braun wie andere es nur auf Reisen werden. Und um dieser Atmosphäre einen draufzusetzen, haben die beiden noch ein Plätzchen für einen Pool gepflastert, der sobald es wärmer wird, aufgebaut wird.

Ihre Schwester besuche sie sogar ein paar Mal im Jahr, um Urlaub bei ihr zu machen, erzählt Antje Kollmer-Hörtig. Außenstehende finden den ungewöhnlichen Wohnort meistens „cool", berichtet das Paar. Anecken würden sie damit nicht, sagt Tobias Kollmer-Hörtig – „wenn überhaupt, dann zeigen die Leute eher Neid als Bedauern."

Auch die Tochter hat sich an das Leben auf dem Campingplatz offensichtlich mehr als gewöhnt. Die 24-Jährige hat nicht unweit von den Eltern nun ihr eigenes Grundstück. „Dabei wollte sie früher immer unbedingt in die Großstadt ziehen", lacht die Mutter.

„Es ist wie ein kleines Dorf"

Bereut habe das Paar den Umzug nie – und auch nie etwas vermisst. „Wir können uns das gar nicht mehr anders vorstellen. Alleine schon die Ruhe, die man hier hat. Man hört kein Auto weit und breit", schwärmt Tobias Kollmer-Hörtig.

„Die Situation für Arbeitnehmer ist ja heutzutage nicht unbedingt rosig", sagt der 62-jährige Schwabe, der zwischenzeitlich aus gesundheitlichen Gründen kürzer treten musste. Heute kann es sich das Paar aufgrund der geringen Wohnkosten sogar leisten, in Teilzeit zu arbeiten.

Was manche im Monat für ihre Miete ausgeben, zahlt so mancher Camper fürs ganze Jahr. Die Kollmer-Hörtig haben sich mittlerweile sogar nach ein angrenzendes Grundstück dazu gepachtet, um mehr Platz für ihre Tiere zu haben. Pro Quadratmeter zahlen sie sechs Euro im Jahr.

Preise, die vor allem für Rentner attraktiv sind.Viele in der Dauercamper-Nachbarschaft seien um die 60, weiß Tobias Kollmer-Hörtig: „Die meisten haben erst auf die Rente gewartet und sind dann dauerhaft eingezogen."

Viele kommen aus dem Ruhrgebiet – die Stimmung sei gut. „Es ist sehr nachbarschaftlich. Man hilft sich, wo man kann", sagt Tobias Kollmer-Hörtig. Seine Frau ergänzt: „Es ist wie ein kleines Dorf – es fehlt nur noch die Kirche."

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