Immer mehr Versmolder stellen Atemmasken her

Tasja Klusmeyer,Andre Schneider,Nicole Donath

Yvonne Hein näht Schutzmasken. Nähen ist ihr Hobby. Die Stadtverwaltung bittet allerdings darum, die Erzeugnisse zentral im Bürgerbüro abzugeben. - © Privat
Yvonne Hein näht Schutzmasken. Nähen ist ihr Hobby. Die Stadtverwaltung bittet allerdings darum, die Erzeugnisse zentral im Bürgerbüro abzugeben. (© Privat)

Versmold. In Österreich ist das Tragen von Atemmasken beim Einkaufen inzwischen Pflicht. Erste Städte denken in Deutschland darüber nach. Die Meinungen von Experten gehen durchaus auseinander, wenn es um Sinn und Zweck der Masken geht. Dass Ärzte und Pflegepersonal sich zwingend vor Ansteckung schützen müssen, ist unstrittig. Genau das aber ist zum Problem geworden: Schutzausrüstung wird immer knapper.

Daher haben sowohl die Stadt Versmold auch als der Kreis Gütersloh bereits in der vergangenen Woche einen Spendenaufruf gestartet. Darüber hinaus erreichen das Rathaus immer wieder Angebote von Menschen, die in ihrer Freizeit für den guten Zweck nähen möchten. „Wir freuen uns sehr, dass neben den FFP2/3-Masken viele mit einem selbstgenähten Mundschutz helfen möchten", spricht Bürgermeister Michael Meyer-Hermann seinen Dank aus. Eine selbstgenähte Bedeckung ersetze zwar keinen professionellen Schutz, könne aber die Not der Ärzte und Pflegeeinrichtungen etwas lindern.

Die Stadt hat Kontakt mit dem Ärztesprecher und den Pflegeeinrichtungen im Stadtgebiet aufgenommen. Gemeinsam bitten sie, davon abzusehen, die Masken direkt vor Ort abzugeben oder den direkten telefonischen Kontakt zu suchen. Stattdessen springt die Stadt als Vermittlungsstelle ein. Unter ` (0 54 23) 9 54-0 können Termine vereinbart werden, um dann die selbsthergestellten Masken mit den eigenen Kontaktdaten vor dem Bürgerbüro abzugeben. „Die Stadt führt eine zentrale Datenbank mit Beständen und Bedarfen und wird die selbst hergestellten Masken an Pflegeeinrichtungen und Arztpraxen verteilen", erklärt Bürgermeister Meyer-Hermann.

„Es ist in dieser Zeit einfach notwendig, Nächstenliebe zu zeigen"

Eine, die Masken gespendet hat, ist Yvonne Hein. „Es ist in dieser Zeit einfach notwendig, Nächstenliebe zu zeigen", meint die Hobbynäherin. Als Vorlage für die Masken dient ihr ein Schnittmuster aus dem Internet. „Die Herstellung ist nicht so schwer", sagt die 45-Jährige. Materialspenden bekam sie von Freunden, Bekannten und nach einem Aufruf bei Facebook. So entstanden die Masken aus kochbarer Baumwolle und Pfeifenputzern.

So wie Yvonne Hein werden auch andere Versmolder aktiv. Die Mitglieder der Nähstube des Unterstützerkreises Asyl beispielsweise haben sich an die Arbeit gemacht und nähen fürs Katharina-von-Bora-Haus. Familie Cord-Landwehr wiederum hat noch zahlreiche hochwertige Bettbezüge – und würde sie gerne fleißigen Näherinnen für den guten Zweck zur Verfügung stellen. Kontakt: (0 54 23) 84 21.

Damaris Schwarz setzt sich ebenso an die Nähmaschine. „Ich möchte helfen, den immensen Bedarf zu decken", sagt sie. Gleichzeitig ärgert sie sich, dass „windige Advokaten" Profit aus der Hilfsbereitschaft schlagen wollen. Sie weist deshalb darauf hin, dass selbst gefertigte Masken keinesfalls als Medizinprodukt in Zusammenhang mit Infektionsschutz beworben werden dürften. Ansonsten drohten kostspielige Abmahnungen.

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