Versmolder Motorrad-Aktivist trotzt der Vermüllung

Patric Eickmeyer sammelt bei seinen Touren Unrat am Wegesrand. Der 25-Jährige berichtet von so manchem kuriosen Fund.

Andre Schneider

Patric Eickmeyer sammelt Müll beim Motorradfahren
Im Einsatz: Das Pappschild sehen Passanten schon aus weiter Ferne. Doch eine Flasche mit Inhalt - dieser Unrat lässt selbst den Hobbysammler kurz stocken. - © Andre Schneider
Patric Eickmeyer sammelt Müll beim Motorradfahren
Im Einsatz: Das Pappschild sehen Passanten schon aus weiter Ferne. Doch eine Flasche mit Inhalt - dieser Unrat lässt selbst den Hobbysammler kurz stocken. (© Andre Schneider)

Versmold. Patric Eickmeyer stellt seine Yamaha XJ900 am Straßenrand ab und steigt in den Graben. Er trägt Handschuhe. Ein altes Plakat, der Aufdruck ist längst nicht mehr erkennbar, sieht der aufmerksame Betrachter schon von Weitem. Doch was der junge Mann dann aus dem Gestrüpp fischt, lässt selbst ihn kurz stocken – eine Plastikflasche mit Inhalt. Für den erfahrenen Müllsammler sind solche Funde inzwischen Routine geworden.

Rückblick: Vor einem Jahr machte Patric Eickmeyer den Motorradführerschein. „Um zur Arbeit zu kommen", wie er sagt. Was ursprünglich nur Mittel zum Zweck sein sollte, entwickelte sich zur Leidenschaft – Motorradfahren. „Dabei fiel mir immer häufiger Müll am Straßenrand auf", sagt der 25-Jährige. Das ärgert ihn.

Anstatt wegzuschauen, packt Patric Eickmeyer an. Regelmäßig steuert er mit seiner Yamaha Feldwege und größere Straßen in Versmold und der Umgebung an. Inzwischen hat er einige „Müll-Hotspots" ausgemacht: „Vor allem dort, wo viel Lkw-Verkehr unterwegs ist, liegt eigentlich immer etwas." Das Waldstück an der Ziegeleistraße, an dem der junge Mann am vergangenen Mittwoch unterwegs war, hält regelmäßig den einen oder anderen kuriosen Fund bereit.

An vielen weiteren Straßenrändern türmen sich Müllberge

Patric Eickmeyer „liegt die Natur am Herzen". - © Andre Schneider
Patric Eickmeyer „liegt die Natur am Herzen". (© Andre Schneider)

Apropos kuriose Funde: Davon hat Eickmeyer in den vergangenen Monaten so einige gemacht. „Ich habe schon einen Kronleuchter, eine Stehlampe, eine Mikrowelle und sogar einen alten Herd gefunden", erzählt der Aktivist. Vor allem jedoch finden kleinere Gegenstände den Weg in Gräben, Wiesen und Wälder.

Dass einige Versmolder Nachholbedarf in Sachen Umweltschutz haben, verdeutlicht ein Gang durch die Stadt. Am derzeit geschlossenen Wertstoffhof wurde vor der Tür, hinter die provisorische Absperrung, Unrat entsorgt – trotz einer deutlichen Mahnung der Stadtverwaltung. Einige Meter weiter legten Unbekannte altes Plastik und Bücher neben einem Wertstoffcontainer ab.

Keine Seltenheit, wie Eickmeyer berichtet. Er habe schon häufiger Müll direkt neben Behältnissen gefunden. „Warum kann man ihn dann nicht einfach dort reinschmeißen?", fragt er sich. An vielen weiteren Straßenrändern türmen sich Müllberge. In der Nordfeldstraße zum Beispiel: Plastiktüten, leere Glasflaschen und Plastikbecher finden sich am Straßenrand in einem Beet.

Müll wird zu Hause entleert

Patric Eickmeyer sammelt Müll beim Motorradfahren

Diese alten Gartenmöbel wurden am Luisensee einfach liegen gelassen. - © Andre Schneider
Patric Eickmeyer sammelt Müll beim Motorradfahren
Diese alten Gartenmöbel wurden am Luisensee einfach liegen gelassen. (© Andre Schneider)

Zu Hause angekommen leert der Versmoder die beiden 25-Kilo-Boxen seines Gefährts und trennt den Unrat. Gelegentlich, wenn er größere Mengen sammelt, fährt er damit zum Wertstoffhof.

„Es ist echt traurig, was die Leute so wegwerfen", konstatiert der 25-Jährige. „Wenn jeder einfach seinen Müll mitnehmen würde, hätten wir so ein Problem gar nicht." Aber er hat auch positive Nachrichten: „In den letzten Wochen ist es deutlich besser geworden." Die Menschen gingen verantwortungsvoller mit ihrer Umwelt um.

Dennoch, ein Blick in die Natur zeigt, dass Patric Eickmeyer noch viel zu tun hat. Er wünscht sich Mitstreiter. „Wenn man zu zweit sammelt, macht es natürlich mehr Spaß." Um Aufmerksamkeit oder Anerkennung gehe es ihm nicht: „Mir liegt einfach die Natur am Herzen."

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