So kniffelig ist die Corona-Krise für die Versmolder Ärzte

Dr. Eckart Happich und die gesamte Versmolder Ärzteschaft stehen in der Corona-Krise unter Strom. Sie sind unverzichtbare Ansprechpartner der Menschen – und müssen zugleich extrem auf der Hut sein.

Marc Uthmann

Dr. Eckart Happich freut sich über die Solidarität der Bevölkerung. Foto: Gemeinschaftspraxis Versmold - © Gemeinschaftspraxis Versmold
Dr. Eckart Happich freut sich über die Solidarität der Bevölkerung. Foto: Gemeinschaftspraxis Versmold (© Gemeinschaftspraxis Versmold)

Versmold. Die Schließung der Hausarztpraxis Stawarz/Cierpicki aufgrund des positiven Corona-Testes einer Mitarbeiterin (das HK berichtete) macht die aktuelle Ausnahmesituation deutlich. „Das ist bei uns natürlich ein tägliches Thema. Denn alle Praxen sind latent von einer solchen Schließung für 14 Tage bedroht", sagt Dr. Eckart Happich, der mit seiner Frau Anna Burauel-Happich eine Praxis an der Rothenfelder Straße betreibt.

Generell funktioniere die hausärztliche Versorgung in der Krise aber, so Happich. „Wir Ärzte stehen miteinander in Kontakt und informieren uns gegenseitig." Das sei allerdings auch nötig, denn „die Vorschriften ändern sich zum Teil täglich – etwa wer und wann auf Corona getestet wird", sagt der Hausarzt. „Manchmal würden wir uns über klarere Vorgaben freuen." In seiner Praxis gehe es derzeit „relativ ruhig" zu. „Wir vermeiden nach Anweisung der Kassenärztlichen Vereinigung Patientenkontakte, können bei plausibler Information auch per Telefon für 14 Tage krankschreiben", erklärt Happich. „Allerdings ist unsere Leitung jetzt natürlich ständig überlastet."

Die Patienten müssen telefonisch einen Termin vereinbaren, wenn sie in die Praxis kommen wollen, dort werden sie nur einzeln hereingelassen, um auch die Mitarbeiterinnen zu schützen. „Wir haben extra einen Raum für womöglich infektiöse Patienten geschaffen – hatten hier bislang aber nur am Anfang einen Fall. Da ist eine Mitarbeiterin mit Mundschutz und Schutzkleidung raus zum Auto und hat einen Abstrich gemacht." Mittlerweile laufen die Tests über das Diagnosezentrum am städtischen Klinikum in Gütersloh. „Dort melden wir die Patienten dann zum Test an. Und nachdem es zeitweise bis zu eine Woche gedauert hat, ehe Verdachtsfälle getestet werden konnten, funktioniert das jetzt deutlich besser und schneller", berichtet Happich.

Der Arzt hat beobachtet, dass sich die Patienten bis auf wenige Ausnahmen sehr vernünftig verhalten und die Regeln befolgten. „Denn unsere große Angst ist ja, dass jemand das nicht tut und mit Symptomen plötzlich bei uns vor dem Tresen steht." Die Behandlung selbst sei in den milden Fällen ja gar nicht das Problem: „Medikamente, Schonung, Quarantäne", erklärt der Arzt.

Der Rückhalt aus der Bevölkerung hat Eckart Happich beeindruckt: „Viele Handwerksbetriebe haben uns Mundschutze gespendet. Da sind wir aktuell ganz gut ausgestattet – Schutzkleidung ist hingegen immer knapp." Im Hagebaumarkt in Versmold ließ der Mediziner eine Plexiglasscheibe als Spuckschutz für seine Mitarbeiterinnen herstellen. „Und als ich bezahlen wollte, sagte man mir, das sei eine Spende für die gute Sache."

„Ich denke, dass die Kontaktsperre effektiv ist"

Solche Dinge machen dem Mediziner Mut – und den braucht er: „Auch ich frage mich, wie sich die Pandemie entwickelt. Und ob sie stärker zurückkehrt, wenn wir zu früh alle wieder arbeiten gehen. Ich denke aber, dass die Kontaktsperre effektiv ist und wir Infektionsketten unterbrechen." Der Hausarzt zeigt sich allerdings besorgt darüber, dass andere Patienten in der Corona-Krise zu kurz kommen, weil sie sich mit ihre schwereren Erkrankungen nicht melden.

Dr. Eckart Happich ist angehalten, möglichst keine Hausbesuche zu machen. Doch wie soll das gehen? Viele Patienten brauchen ihren Arzt auch jetzt. „Also fahre ich raus und agiere mit Mundschutz und möglichst viel Distanz." Die Zeit zum Durchschnaufen bleibt knapp. „Jetzt kommen die Osterferien. Aber ob wir die geplanten Urlaube antreten können, da müssen wir uns unter den Kollegen wieder absprechen."

Irgendwann soll ein Impfstoff den Durchbruch im Kampf gegen das Virus bringen. „Ich denke schon, dass sich dann alle Menschen impfen lassen sollten." Doch werde die Welle sicher bald abebben, vermutet der erfahrene Mediziner: „Die Impfmüdigkeit wird auch hier sicher kommen."

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