Abschied von Theke und Küche: Parklounge-Wirte gehen in den Ruhestand

Mehr als 20 Jahre haben Elke und Gerd Rehse ihre Gäste bewirtet – zunächst in der Schützenhalle, dann in der Parklounge. Jetzt ist Zeit für den Ruhestand. Das Ende kommt abrupter als gedacht.

Tasja Klusmeyer

Gerd und Elke Rehse - © Tasja Klusmeyer, HK
Gerd und Elke Rehse (© Tasja Klusmeyer, HK)

Versmold. Ohne Frage, ihre letzten Arbeitstage hatten sich Elke und Gerd Rehse etwas anders vorgestellt. Doch die Corona-Krise funkt ihnen dazwischen. Das Restaurant am Tennispark ist zwangsläufig vorübergehend geschlossen – und damit haben die Versmolder zwei Wochen früher als geplant das letzte Mal Gäste bewirtet. Auf einen Abschiedsplausch an der Theke müssen sie verzichten. Auf einen Rückblick mit dem HK auf ihre zwei Jahrzehnte als Gastronomen vor Ort nicht.

Als sich Elke und Gerd Rehse mit dem Haller Kreisblatt zum Gespräch treffen, ist das Virus noch kein Thema. Es ist Mitte Februar, das Geschäft läuft gut. Manchmal fast zu gut, um alles schaffen zu können. Elke Rehse gesteht, dass sie sich mit 66 Jahren nun auf den Ruhestand freut. An vielen Arbeitstagen hat sie zwölf bis 14 Stunden zu tun – am Wochenende oft bis in die Nacht hinein. „Wir arbeiten dann, wenn andere frei haben", sagt ihr Mann Gerd. Er selbst war Gastronom immer nur im Nebenberuf. Nach Feierabend begann für den gelernten Kfz-Mechaniker, der viele Jahre als Lkw-Fahrer arbeitete, die „zweite Schicht".

In dieser Rolle hat er sich stets wohl gefühlt. „Vorne an der Theke, da wird der Laden verkauft", sagt der 63-Jährige. Der direkte Kontakt zu den Gästen mit einem lockeren Spruch auf den Lippen habe ihm immer gelegen. Das Revier seiner Frau war die Küche. „Es ist entscheidend, was auf den Tisch kommt", lobt Gerd Rehse die Kochkünste seiner Frau.

Dass sie selbst einmal ein Restaurant führen würde, hätte vor allem Elke Rehse nie gedacht. „Ich mache alles: Nur keine Gastronomie." An ihre Reaktion kann sich die dreifache Mutter noch gut erinnern. Es ist gut 20 Jahre her, da kommt ihr Mann bei einer Radtour mit der Idee um die Ecke, doch die Schützenhalle als Pächter zu übernehmen. Das Ehepaar ist Mitglied im Schützenverein. Gerd Rehse kommt beim Bierchen an der Theke auf die Idee, selbst am Zapfhahn stehen zu können. Seine Frau, gelernte Friseurmeisterin, ist davon zunächst nicht begeistert, lässt sich aber von der Familie überzeugen.

Die Jahrtausendwende bedeutet einen Wechsel im Leben der beiden. Bei der Millenium-Silvesterparty in der Schützenhalle beweist das Ehepaar das erste Mal seine Fähigkeiten als Gastgeber. Mit dem Bau des neuen Tennisparks kommt vor elf Jahren die Chance auf neue Herausforderungen. „Wir sind auf den Geschmack gekommen", sagt Elke Rehse. Sie unterschreiben den Pachtvertrag.

Ihr 30. Hochzeitstag wird zur echten Bewährungsprobe: Beim Testessen mit knapp 40 Personen aus dem Familien- und Bekanntenkreis soll sich zeigen, ob das Projekt Parklounge Perspektive hat. „Katastrophe", mit diesem Wort beschreibt Gerd Rehse den Abend. „Da war uns klar: Wir müssen es optimieren", ergänzt Elke Rehse.

Der größte Gegner sind die Vorurteile. Für die Rehses geht es darum, gegen das Image eines Vereinsheim anzuarbeiten, den Versmoldern klarzumachen, dass nicht nur Tennisspieler nach Trainingsende ein Bierchen trinken können. „Die Tennisspieler hatten wir sowieso, aber sie allein reichen nicht", so Gerd Rehse. Die ersten zweieinhalb Jahre seien besonders hart gewesen. „Wir waren kurz davor, aufzuhören", sagt er. Dann aber platzt der Knoten. Die Gästezahl nimmt zu, der Ruf als Restaurant wird bekannter. Ein angestellter Koch setzt neue Akzente.

Zu einem schönen Steak sagt Gerd Rehse nicht Nein, zum Lieblingsgericht geworden ist allerdings die Scampipfanne. Die Köchin selbst muss bei der Frage nach ihrem Favoriten von der Karte nicht lange überlegen: „Spinatbandnudeln mit Lachs."

Mehr Zeit für Reisen und Enkelkinder

Künftig wird Elke Rehse die Gerichte am heimischen Herd zubereiten. Ende des Monats endet der Pachtvertrag. Die Rehses gehen mit „einem lachenden und weinenden Auge". Sie seien stolz, ein gut laufendes Restaurant aufgebaut zu haben. Und froh, dass es eine Nachfolgeregelung gibt. Wie berichtet, übernehmen die beiden erfahrenen Gastronomen David Balthasar und Frank Andernacht die Parklounge. Auch sie dürften sich ihren Start in Versmold anders vorgestellt haben.

Die Rehses indes blicken Richtung Ruhestand. Mit dem Wohnmobil wollen sie etwas vom Land sehen. Das eine oder andere Mal, so haben sie ihren Nachfolgern zugesagt, werden sie bei Bedarf in Küche oder an Theke aushelfen. Und dann ist da noch die Familie, die inzwischen auf fünf Enkelkinder angewachsen ist. „Die sind bisher zu kurz gekommen." Das soll sich jetzt ändern.

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