Teure Toilettenspülungen: Darum verschlingt Versmolds Klärwerk Millionen

Falsch entsorgte Hygieneartikel haben Folgen für die Abwasserbeseitigung. Verstopfte Kanäle und Pumpen gefährden die Betriebssicherheit des Klärwerks. Das System verschlingt ohnehin Millionen.

Tasja Klusmeyer

Stoffe, die sich im Abwasser nicht auflösen, verschmutzen die Pumpen von Kanalisation und Klärwerk. Die aufwendige Reinigung oder der Austausch kosten Geld. Deshalb appelliert die Stadt: nur Toilettenpapier gehört ins Klo. Foto: Stadt Versmold - © Stadt Versmold
Stoffe, die sich im Abwasser nicht auflösen, verschmutzen die Pumpen von Kanalisation und Klärwerk. Die aufwendige Reinigung oder der Austausch kosten Geld. Deshalb appelliert die Stadt: nur Toilettenpapier gehört ins Klo. Foto: Stadt Versmold (© Stadt Versmold)

Versmold. Toilettenpapier ist in Zeiten von Corona zum wertvollen Gut geworden. Während die einen es hamstern, geht es anderen momentan aus. „Aus gegebenem Anlass", so schreibt die Stadt, weist sie die Bürger darauf hin, dass nur Toilettenpapier in die Toilette gehört. Andernfalls bestehe die Gefahr, dass sich eine Verstopfung in öffentlichen und privaten Abwasserleitungen bildet. „Dies gilt selbstverständlich zu vermeiden, da vor allem jetzt die entsprechenden Handwerker mit den erforderlichen speziellen Werkzeugen nicht so schnell wie sonst reagieren können."

Jährlich 60 Tonnen Rechengut

Andere Produkte wie zum Beispiel Hygienetücher oder Küchenpapier sind Gift für die Kanalisation. Sie können „erhebliche Probleme und Schäden im Abwassernetz" verursachen, schreibt die Stadt. Die Folge sind kostenintensive Reparaturen – bis zum kompletten Austausch einer Pumpe. Das führe automatisch zu höheren Abwassergebühren für alle Bürgerinnen und Bürger.

Kritisch wird es dann, wenn Pumpen aufgrund der Verunreinigung ausfallen. Dann könne die Betriebssicherheit der Kanäle sowie der Kläranlage gefährdet sein. Das Problem an sich hängt keinesfalls mit der Coronakrise zusammen, wie eine Zahl zeigt. Jährlich 60 Tonnen Rechengut (Feststoffe, die sich im Wasser nicht auflösen) wurden in Versmold in der Vergangenheit aus dem Abwasser entfernt. Ein Großteil waren falsch entsorgte Hygieneartikel. Die Stadt fordert deshalb alle Bürger dazu auf, sich an die Vorgaben zu halten und damit die Kosten für die Abwasserbeseitigung nicht unnötig in die Höhe zu treiben.

Die Betätigung der Toilettenspülung oder das Aufdrehen des Wasserhahns – jeden Tag tragen ohnehin 21.825 Einwohner sowie sämtliche Betriebe und Einrichtungen der Stadt zum Kostenapparat Abwasserbetrieb bei. Der Schuldenabbau ist ein Ziel der Haushaltpolitik von Bürgermeister Michael Meyer-Hermann – im Bereich der Kanalisation und des Klärwerks sind dem allerdings Grenzen gesetzt. Der Wirtschaftsplan der eigenbetriebsähnlichen Einrichtung ist Teil des städtischen Haushalts. 2020 geht die Stadt von knapp 15,7 Millionen Euro Schulden in diesem Bereich aus, damit klettert der Stand um etwa eine Million Euro an.

„Im Bereich Abwasser ist ein Schuldenabbau nicht möglich", sagte Kämmerer Andreas Pöhler im Herbst im Zuge der Haushaltsberatung. Der Investitionsstau der vergangenen Jahre sei noch nicht „vollständig abgearbeitet", Investitionen in die „wichtige Infrastruktur" in den kommenden Jahren erforderlich. Pöhler nannte Schäden am Kanal sowie die erneuerungsbedürftige Anlagentechnik auf der Kläranlage, um den gestiegenen Ansprüchen zu genügen. „Erfreulicherweise helfen uns die extrem niedrigen Zinssätze dabei, die Belastung für die Gebührenzahler zu begrenzen." Der Zinsaufwand ist laut Kämmerer seit 2003 von 720.000 Euro auf 224.000 Euro im vergangenen Jahr gesunken.

Kanalsanierung geht im Osten weiter

Investitionen ins Klärwerk bleiben bei dem Bürger in der Regel unbemerkt. Im Bereich Kanalnetz ist das transparenter. In den vergangenen Jahren wurden viele Sanierungsmaßnahmen im Gebiet West durchgeführt. Punktuell sind dort nach Auskunft von Fachbereichsleiter Dirk Niggemann einige Restarbeiten im Inlinerverfahren, also ohne die Straße aufreißen zu müssen, erforderlich. Eine größere Baustelle steht in diesem Jahr noch an der Friedrich-Menzefricke-Straße an: Dort muss der Regenwasserkanal erneuert werden.

Im kommenden Jahr geht es ans Sanierungsgebiet Ost. Dafür laufen momentan die vorbereitende Maßnahmen, indem die Kanäle mit Kameras auf Schäden untersucht werden. Die Stadt lässt zudem von einem Fachbüro eine Machbarkeitsstudie erstellen. Ziel, so Niggemann, soll es sein, Mischwasserkanäle an möglichst vielen Stellen durch ein Trennsystem zu ersetzen. Damit soll dauerhaft die Menge des Wassers, das zur Kläranlage fließt und dort gereinigt werden muss, reduziert werden.

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