50 Jahre FDP in Versmold: Vorsitzende blickt mit Garagen-Fundus zurück

Am 25. Februar feiert der Versmolder Stadtverband der FDP 50. Geburtstag. Die langjährige Vorsitzende Ulrike Poetter schaut zurück. Und sie verrät, was sie ihrem ärgsten Feind nicht wünscht.

Claus Meyer

Ulrike Poetter ist Mitglied der ersten Stunde in der Versmolder FDP. Seit 1998 ist sie zudem Stadtverbandsvorsitzende der Liberalen. Foto: Claus Meyer - © Claus Meyer
Ulrike Poetter ist Mitglied der ersten Stunde in der Versmolder FDP. Seit 1998 ist sie zudem Stadtverbandsvorsitzende der Liberalen. Foto: Claus Meyer (© Claus Meyer)

Versmold. 50 Jahre Versmolder FDP in zwei Kisten. Geht nicht? Geht. Ulrike Poetter hat sie aus der heimischen Garage geholt, darin Walkampfflyer von Heiner Kamp, Presseberichte vom Besuch Christian Lindners, Broschüren, Buttons in Gelb und Blau. 50 Jahre Versmolder FDP auf 140 Zeitungszeilen. Geht vielleicht auch. Los gehts.

Die Gründung

Am 25. Februar 1970 wurde der Stadtverband aus der Taufe gehoben. Am selben Tag wurde Ulrike Poetter FDP-Mitglied. Liberal im Denken sei sie schon damals gewesen, „ganz spontan" dann eingetreten. Ihr damaliger Mann Volkmar Menzefricke hatte sie mit zur Gründungsveranstaltung in der Gaststätte Schlotte mitgenommen. Auf der Mitgliedskarte von Ulrike Poetter ist das Datum festgehalten.

Die Ergebnisse der FPD-Kandidaten bei der Kommunalwahl 1973. Foto: FDP Versmold - © Ulrike Poetter
Die Ergebnisse der FPD-Kandidaten bei der Kommunalwahl 1973. Foto: FDP Versmold (© Ulrike Poetter)

Die Vorsitzenden

Der Peckeloher Bauunternehmer Herbert Potthoff hatte sich drei Jahre vor der Kommunalreform für einen liberalen Stadtverband stark gemacht und wurde dessen erster Vorsitzender. Er blieb es bis 1979. Harry Kurbitz, Dieter Lohmann, Eike Korthäuer und Dieter Loy folgten ihm im Amt, ehe Ulrike Poetter 1998 Vorsitzende wurde, und es bis heute blieb.

Die Wahlen

Ulrike Poetter bemüht einen Countdown, um die wechselnde Anzahl liberaler Versmolder Ratsvertreter zu verdeutlichen. „5, 4, 3, 2, 1 – und einmal waren wir gar nicht drin." Die politsche Großwetterlage schlage sich auch im kommunalen Urnengang nieder, ist Poetter überzeugt. 1994 „segelte" ihre Partei zum bislang einzigen Mal aus dem Rat. Die damals bei Kommunalwahlen noch geltende Sperrklausel verpasste die FDP mit 4,9 Prozent knapp. Die Mitglieder ohne Repräsentanz in den Gremien bei der Stange zu halten, sei schwierig gewesen. Interne Veranstaltungen wie das gesellige Grünkohlessen der FDP mögen dabei geholfen haben. 1999 war Ulrike Poetter nach fünf Jahren „außerparlamentarischer Opposition" zurück im Rat – als liberale Einzelkämpferin ohne Fraktionsstatus. „Das wünsche ich meinem ärgsten Feind nicht", sagt sie. Die Zeiten wurden besser. 2009 stand die 13 vor dem Komma, und fünf FDP-Leute gestalteten fortan im Rat Politik vor Ort. Im selben Jahr erreichte die FDP ihr bislang stärkstes Bundestagswahlergebnis: 14,6 Prozent. In Heiner Kamp entsandten die Versmolder Freidemokraten einen der Ihren nach Berlin.

Unlängst in Gütersloh: Der ehemalige Stadtverbandsvorsitzende Dieter Lohmann (links), der FDP-Bundesvorsitzende Christian Lindner und Irmhild Djordjevic von der Versmolder FDP im Gespräch. Foto: Ulrike Poetter - © Ulrike Poetter
Unlängst in Gütersloh: Der ehemalige Stadtverbandsvorsitzende Dieter Lohmann (links), der FDP-Bundesvorsitzende Christian Lindner und Irmhild Djordjevic von der Versmolder FDP im Gespräch. Foto: Ulrike Poetter (© Ulrike Poetter)

Liberale Zeitlosigkeit

Ulrike Poetter nimmt Buttons und Broschüren. „Vernunft tut auch im Rathaus gut", steht auf einer Ansteckplakette von 1973. „Irgendwie zeitlos", sagt sie schmunzelnd. Wie die Broschüre zur Kommunalwahl 1984. Ulrike Poetter – damals 40 Jahre alt – bewarb sich im Wahlbezirk 1 und stand auf Platz eins der Reserveliste. „Mehr Sicherheit durch Radwege" forderte die Versmoder F.D.P. damals noch mit Pünktchen. Und „eine Stadt für den Menschen und die Natur, nicht nur für das Auto".

Liberale Stargäste

Spiegel-Herausgeber Rudolf Augstein – für die FDP kurz Bundestagsabgeordneter – kam 1972 zur Firmenbesichtigung. „Wir waren mächtig stolz", sagt Ulrike Poetter. Christian Lindner – damals NRW-Vorsitzender, heute Bundeschef der Liberalen – verteilte 2013 im Ingenieurbüro Witte Spitzen gegen die politischen Mitbewerber.

Herbert Potthoff war 1970 erster Stadtverbandsvorsitzender der FDP. Foto: FDP Versmold - © FDP Versmold
Herbert Potthoff war 1970 erster Stadtverbandsvorsitzender der FDP. Foto: FDP Versmold (© FDP Versmold)

Und heute?

26 Mitglieder zählt der FDP-Stadtverband 2020. Am 27. März wird das Jubiläum bei Memic gefeiert. Die Vorsitzende nennt im Wahljahr klare Themen. „Wer Neubürger haben will, bracht Infrastruktur", sagt Ulrike Poetter. Wichtig für Versmold sei daher, bei Schulen, Kitas sowie bei Sportstätten und -vereinen gut aufgestellt zu sein. „Und wir müssen sehen, dass wir wirtschaftlich diverser werden", bemüht sie ein liberales Kernthema. Viele junge Versmolder gingen ihrer Heimatstadt verloren, weil sie beruflich kein Fortkommen in der Stadt sähen. Das Interkommunale Gewerbegebiet müsse sich weiterentwickeln, Bauland ausgewiesen werden. „Dann können wir als Kommune mithalten", ist Versmolds FDP-Chefin überzeugt.

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