Klimaschutz wird cool: Diese Angebote sind in Versmold der Renner

Verschiedene Angebote der Stadt haben sich zu einem echten Renner entwickelt. Die Nachfrage verblüfft mitunter selbst das Klimaschutz-Team des Rathauses. Einige frische Ideen sind schon in Planung.

Marc Uthmann

Die Comebag, eine Tragetasche recycelten Bannern hat sich in Versmold zum Verkaufsschlager entwickelt. - © Tasja Klusmeyer
Die Comebag, eine Tragetasche recycelten Bannern hat sich in Versmold zum Verkaufsschlager entwickelt. (© Tasja Klusmeyer)

Versmold. Die „Comebags" etwa werden sicherlich noch weitere Comebacks erleben. Die Einkaufstaschen wurden aus alten städtischen Werbebannern in einer Werkstatt für Menschen mit Behinderung genäht und zunächst in einer Auflage von 30 Stück zu besonderen Anlässen herausgegeben oder verlost. Das kam so gut an, dass die Stadt diese Aktion zwei Mal wiederholte und die Taschen schließlich zum Preis von 20 Euro zum Verkauf anbot.

„Sie sind schon wieder vergriffen", berichtete der zuständige Fachbereichsleiter Dirk Niggemann jetzt im Energie-, Klima- und Umweltausschuss. Nun wird also weiteres Material gesammelt, um bald die nächste Taschenserie auf den Markt zu bringen.

Auch bei einem weiteren Projekt müssen sich die Verantwortlichen im Rathaus neue Gedanken machen: Sie hatten an Bauherren und -herrinnen in den Neubaugebieten Einkaufsgutscheine für bis zu 25 heimische Sträucher herausgegeben. „Das kam so gut an, dass wir jetzt auch Anfragen von Eigentümern haben, deren Grundstück gar nicht neu ist. Jetzt arbeiten wir an neuen Kriterien, um dieses Projekt vielleicht fortzusetzen", so Niggemann.

Voll im Trend liegen offenbar auch Obstbäume: 300 Stück verschenkte die Stadt auf Antrag zum 300-jährigen Stadtjubiläum, doch die Nachfrage reißt nicht ab. „Es wird eine neue Verlosungsaktion geben", kündigte Niggemann bereits an. Den Zeitgeist traf das Klimaschutz-Team ebenfalls mit den Obstbeuteln aus Stoff, die es bislang bei Obstbau Hantke und Tim’s Landbau gab. „Nun sind auch die Betriebe Stricker, Uthmann und die Kornblume beim Versmolder Beutel dabei", berichtete der Fachbereichsleiter und Bürgermeister Michael Meyer-Hermann ergänzte, dass die bisherige Auflage von 1.000 Stück nachgebessert wird: „Wir haben schon bestellt." Darüber hinaus gibt es die Idee, die Beutel zum Selbstkostenpreis auch Supermärkten anzubieten.

Und das Rathaus will weitere Akzente im Klimaschutz setzen – in der Hoffnung, dass auch die sich zu Rennern entwickeln. Eine Idee soll den Naturschutz mit der Befreiung von einer Plage verbinden. Um die giftige Raupe Eichenprozessionsspinner zu vertreiben, möchte die Stadt Nistkästen im Bereich von Kindergärten, Schulen, Spielplätzen und im Vorjahr betroffenen Gebieten bauen lassen – der Schädling soll zur Vogelbeute werden. Hier dürfte das größte Problem werden, Engagierte zu finden, die sich um die Reinigung kümmern.

Schließlich soll es 2020 einen Klimaschutzpreis für Kinder und Jugendliche geben – damit Ideen, die sich zum Renner entwickeln, möglichst früh belohnt werden.

"Blühende Babywiese"

Und auch diese Idee des Klimaschutz-Teams der Stadt überzeugte die Kommunalpolitiker. „Einzig über die Bezeichnung könnte man diskutieren – aber das Kind muss ja einen Namen haben", sagte Doris Altmann-Maschmann (SPD) mit einem Schmunzeln. „Blühende Babywiese" hat das Rathaus seine Kreation getauft, die auf der Blühfläche neben der Grundschule Oesterweg Gestalt annehmen soll. „Wir planen, dort künftig pro Kalendermonat einen Baum zu pflanzen", berichtete der zuständige Fachbereichsleiter Dirk Niggemann. Unter dem Baum soll es dann ein Schild geben, auf dem die Namen der im jeweiligen Monat geborenen Versmolder Kinder stehen – zirka 200 Mädchen und Jungen kommen in der Stadt jährlich zur Welt.

Durch den Pflanzrhythmus soll in Oesterweg dann mittelfristig eine hochwertige Streuobstwiese entstehen. „Natürlich schauen wir dabei auch auf die Ökopunkte", betonte Niggemann. Schafft die Stadt durch solche Projekte nämlich aus Sicht des Naturschutzes wertvolle Gebiete, kann sie damit ausgleichen, dass sie an anderer Stelle Fläche verbaut.Pflege soll „schmackhaft" gemacht werden

Ein wenig Wasser in den Wein kippte Georg Paß, sachkundiger Bürger der CDU: „Wer pflegt diese Wiese? Ehrenamtlich Engagierte sind schwer zu finden." Der Ausschussvorsitzende Wolfgang Beuge (Grüne) betonte, dass man den Menschen die Unterhaltung „schmackhaft" machen müsse, etwa durch die Nutzung der Früchte. Und Dirk Niggemann entgegnete: „Von der Suche nach Ehrenamtlichen lassen wir uns nicht abschrecken. Sonst muss eben der Bauhof diese Aufgaben übernehmen."


Förderprogramm fürs Klima

40.000 Euro sind im städtischen Haushalt für ein Förderprogramm eingestellt, das bei energetischen Maßnahmen greift.Nun gilt es, diese Idee auch zu konkretisieren. „Wir wollen uns dabei an dem Paket orientieren, das die Stadt Harsewinkel umgesetzt hat", berichtete der zuständige Fachbereichsleiter Dirk Niggemann jetzt im Energie-, Klima- und Umweltausschuss.Über die Ausgestaltung der Förderrichtlinien wird am 24. März im Haupt-, Finanz- und Wirtschaftsausschuss beraten. Die Stadt will einen Energieberater einbinden.

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