Erneute Brandstiftung: Kirchengemeinde denkt über Videoüberwachung nach

Schon wieder brennt ein Abfallbehälter auf dem Versmolder Friedhof. Die Kriminalpolizei ermittelt. Kirchengemeinde und Feuerwehr finden deutliche Worte.

Tasja Klusmeyer

Der Zugang zum Friedhof ist jederzeit möglich, allerdings nur bei Tage erlaubt. Seit einiger Zeit macht sich regelmäßig in den frühen Morgenstunden ein Brandstifter auf dem Gelände zu schaffen. Die Kirchengemeinde denkt über Maßnahmen nach. - © Tasja Klusmeyer, HK
Der Zugang zum Friedhof ist jederzeit möglich, allerdings nur bei Tage erlaubt. Seit einiger Zeit macht sich regelmäßig in den frühen Morgenstunden ein Brandstifter auf dem Gelände zu schaffen. Die Kirchengemeinde denkt über Maßnahmen nach. (© Tasja Klusmeyer, HK)

Versmold. Das zweite Mal innerhalb von 48 Stunden musste die Versmolder Feuerwehr am Samstagfrüh zum Friedhof ausrücken. Gegen 6.40 Uhr hatten Zeugen von der Berliner Straße aus Feuer bemerkt. Ein Behälter mit Plastikabfall brannte. Der Löschzug Versmold war mit zwölf Kräften und zwei Fahrzeugen vor Ort und konnte die Flammen schnell löschen. Sachschaden entstand nicht. Erst am Donnerstag hatte es im Bereich der Friedhofstraße an einem Müllcontainer gebrannt. Der Eindruck, dass ein Brandstifter sein Unwesen treibt, verfestigt sich.

Die Kreispolizeibehörde Gütersloh prüft eigenen Angaben zufolge, ob es einen Zusammenhang zwischen den beiden jüngsten Taten gibt. Am Donnerstag war, wie berichtet, in Tatortnähe ein etwa 30-jähriger Mann mit Rucksack von Zeugen gesehen worden.

"Das ist kein Dummejungenstreich"

Bereits im vergangenen Jahr war es mehrfach zu diversen Brandstiftungen auf dem Friedhof gekommen. Auffällig ist, dass dies immer zu ähnlichen Uhrzeiten früh morgens geschieht, wenn es noch dunkel ist. „Das ist kein Dummejungenstreich", betont Wehrführer Sören Fuest.

Neben der Gefahr, die jedes noch so kleine Feuer birgt, sieht er den Aufwand für die Einsatzkräfte. „Das Ehrenamt wird da sehr beansprucht." Zudem entstünden der Stadt durch die Zahlung von Verdienstausfall an die Arbeitgeber jedes Mal Kosten. „Das sind alles vermeidbare Einsätze, die on top kommen", sagt Fuest. „Das brauchen wir nicht."

Die Häufung von kleinen Bränden hat die Anwohner offenbar aufmerksamer gemacht. Am Donnerstag gab es gar einen Zeugen. „Ich habe das Gefühl, dass die Leute wachsamer sind." Darauf setzt der Wehrführer – und hofft, dass irgendwann jemand auf frischer Tat geschnappt wird.

Störung der Friedhofsruhe

Das wäre auch im Sinne von Dirk Leiendecker, der aus zwei Perspektiven einen Blick auf die Brandstiftungen hat. Der Pfarrer ist Vorsitzender des Friedhofausschusses der evangelischen Kirchengemeinde und außerdem Mitglied der hiesigen Feuerwehr. Als solches weiß er, dass die Kameraden bei jedem Einsatz davon ausgehen müssten, dass Flammen übergreifen könnten. Entsprechend schnell würden alle zum Einsatz eilen und „sich dabei immer auch selbst in Gefahr begeben".

Müll in Brand zu setzen, sei weder ein Dummejungenstreich noch eine Heldentat. Dirk Leiendecker hat eine Vermutung, was hinter den Taten steckt. „Da hat jemand Spaß, die Feuerwehr zu ärgern." An die Freude am Zündeln selbst glaube er weniger.

Unabhängig vom Motiv – für die evangelische Kirchengemeinde sind die wiederholten Brandstiftungen ärgerlich. „Um diese Uhrzeit hat niemand etwas auf dem Friedhof zu suchen", sagt Pfarrer Leiendecker. Die Vorschrift der Kirchengemeinde besagt, dass ihre Fläche zwischen Berliner Straße und Friedhofstraße nur betreten werden darf, „solange es hell ist". Erst recht ist es verboten, dort mit Feuer zu spielen. Die Sachbeschädigung sei zu vernachlässigen, „Brandstiftung ist es aber auf jeden Fall". Dirk Leiendecker spricht zudem von Landfriedensbruch und Störung der Friedhofsruhe. Die Kirchengemeinde erstatte bei jedem einzelnen Vorfall Anzeige – und hofft auf baldige Aufklärung.

Videoüberwachung ist eine Option

Das Presbyterium hat über mögliche Vorkehrungen nachgedacht. Den Friedhof mit Eintritt der Dunkelheit zu schließen, ist keine Option. Zum einen sei das personell bei den vielen Zugängen nicht machbar. Zum anderen zunächst mit Kosten verbunden, da Tore angeschafft werden müssten.

Über Videoüberwachung dagegen denkt die Gemeinde sehr wohl nach. Das Gelände umfasst allerdings sieben Hektar. „Den ganzen Friedhof abzudecken wäre nicht machbar." Die Gemeinde möchte das auch gar nicht. „Wir wollen nicht den Eindruck erwecken, dass die Menschen, die die Gräber besuchen, überwacht werden."

Die Polizei Gütersloh sucht Zeugen. Hinweise werden unter Telefon (0 52 41) 8 69-0 bearbeitet.

Copyright © Haller Kreisblatt 2020
Texte und Fotos vom Haller Kreisblatt sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.

Kommentare

Um Ihren Kommentar abzusenden, melden Sie sich bitte an.
Sollten Sie noch keinen Zugang besitzen, können Sie sich hier registrieren.

Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Nutzungsbedingungen für die Kommentarfunktion an.