Zu Brachial? Versmold will Anti-Mobbing-Trainer Carsten Stahl nicht haben

Claus Meyer

Hat sich dem Kampf gegen Mobbing auf die Fahne geschrieben: Carsten Stahl arbeitet seit fünf Jahren als Anti-Mobbing-Trainer. Eine psychologische Ausbildung hat er nicht. Er war selbst Opfer, später auch Täter. Sein Konzept für den Workshop sei organisch gewachsen. Die Schüler sind begeistert. - © Torsten Wegener
Hat sich dem Kampf gegen Mobbing auf die Fahne geschrieben: Carsten Stahl arbeitet seit fünf Jahren als Anti-Mobbing-Trainer. Eine psychologische Ausbildung hat er nicht. Er war selbst Opfer, später auch Täter. Sein Konzept für den Workshop sei organisch gewachsen. Die Schüler sind begeistert. (© Torsten Wegener)

Versmold. Matthias Kath vom SC Peckeloh, Initiator der geplanten Veranstaltung, bedauert, dass Stahl nicht da sein wird. „Es ist absolut schade", sagt er. Er habe zum Beispiel die Zusage eines ehemaligen Mobbing-Opfers gehabt, das sich auf die Bühne zu Carsten Stahl gesellt hätte und von seinen Erfahrungen berichtet hätte. Lange habe er mit Carsten Stahl – unter anderem durch die RTL 2-Sendung »Stahl: hart gegen Mobbing« bekannt – am Heiligabend telefoniert, berichtet Kath. Die Meinung des Anti-Mobbing-Trainers sei gewesen, man könne die Veranstaltung nicht durchführen, wenn die Versmolder Schulen nicht dahinter stünden.

Darin und zudem in der mangelnden Resonanz sieht Bürgermeister Michael Meyer-Hermann die Gründe für die Absage. „Zum einen war das Interesse nicht groß genug", sagt Meyer-Hermann. Wie berichtet hatte Matthias Kath kurz vor Weihnachten bei Facebook gepostet, dass erst rund 100 Karten für den Auftritt in der Dreifachsporthalle verkauft worden seien, der Teil des 60. Geburtstags des SC Peckeloh sein sollte.

"Mobbing betrifft alle Jahrgänge"

Zudem habe es laut Meyer-Hermann, der als Schirmherr der Veranstaltung vorgesehen war, „Diskussion von vielen Seiten" gegeben. Sowohl die Versmolder Schulen als auch Stimmen aus der Bevölkerung hätten darin Stahls Methoden kritisch gesehen. „Sein Vorgehen ist brachial – und doch erfolgreich, sagen seine Unterstützer", schreibt der Tagesspiegel im November 2019.

Die Versmolder Schüler werden sich aus erster Hand kein Bild von diesem Vorgehen machen können. Nun hofft Matthias Kath in naher Zukunft auf alternative Veranstaltungen zum Thema. Die sollen an ihm und dem SC Peckeloh nicht scheitern. „Wir sind in der Diskussion", bestätigt Meyer-Hermann. In ein paar Wochen soll es eine gemeinsame Runde geben, in der die Schulen, die Stadt und der SC Peckeloh eingebunden sein werden.

Kath sieht weiterhin Bedarf. „Ich hoffe, alle Schulen sind dabei. Denn Mobbing betrifft alle Jahrgänge", sagt er und ergänzt: „Mobbing hört mit dem Schlussgong ja nicht auf." In den sozialen Medien gehe es weiter. „Es wird an unseren Schulen schon eine Menge getan, von den Grundschulen bis zu den weiterführenden Schulen", betont Meyer-Hermann.

"Sollten wir hören, dass ihr nichts tut, sind wir wieder da"

Carsten Stahl selbst hat sich in einer Videobotschaft auf der Facebookseite »Camp Stahl« schon Ende Dezember zu Wort gemeldet. Hier wird er sehr deutlich. Kath habe sich, so der Anti-Mobbing-Trainer, den Arsch für die Veranstaltung in Versmold aufgerissen. Die Widerstände von Seiten der Schulen gegen seine Person seien jedoch zu groß gewesen. Selbst Gespräche im Vorfeld seien abgelehnt worden, kritisiert Stahl und will Versmold beim Thema Mobbing auf dem Schirm behalten. „Ihr braucht mich nicht, na gut. Sollten wir aber hören, dass ihr nichts tut, sind wir wieder da."

Wer für den 8. Februar noch Karten hat, kann diese Matthias Kath zurückgeben und ihn unter Telefon (0 54 23) 83 30 kontaktieren. Auch finden am 8. Februar Fußballturniere des SC Peckeloh in der Dreifachsporthalle statt. Auch hier können Karten ab 12 Uhr zurückgegeben werden.

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