Versmolder klagen: Nach Warendorf fährt kaum mal ein Bus

Gerade aufgrund ihres Krankenhauses wächst die Bedeutung der Nachbarstadt. Die Verkehrsverbindungen sind allerdings äußerst dünn. Nun soll geprüft werden, was sich verbessern ließe – doch es droht ein Geduldsspiel.

Marc Uthmann

Die Verbindung nach Warendorf ist vor allem aufgrund der Krankenhausschließung in Dissen für die Versmolder in den vergangenen Jahren immer wichtiger geworden. Dabei sind sie jedoch fast ausschließlich auf das Auto angewiesen. Foto: Marc Uthmann - © Marc Uthmann
Die Verbindung nach Warendorf ist vor allem aufgrund der Krankenhausschließung in Dissen für die Versmolder in den vergangenen Jahren immer wichtiger geworden. Dabei sind sie jedoch fast ausschließlich auf das Auto angewiesen. Foto: Marc Uthmann (© Marc Uthmann)

Versmold. Helmut Südmersen redet nicht lange drumherum: „Da ist nicht viel los.“ Der Fachmann vom für die Verkehrsplanung in der Region zuständigen Zweckverband Münsterland spricht über die Linie 312, die Versmolds ZOB und Warendorf verbindet. Morgens um 6.16 Uhr fährt ein Bus über Sassenberg in die Pferdestadt, mittags um 13.25 Uhr startet er von dort zur Rückfahrt. Diese Tour orientiert sich in erster Linie an den Bedürfnissen von Schülern, die in Warendorf unterrichtet werden – und es gibt sie auch nur montags bis freitags.

Ergänzt wird das Angebot durch vier Takte des sogenannten Anrufliniendienstes (ALD) ab Versmold (6.38, 9.28, 14.28 und 16.28 Uhr) sowie ab Warendorf (11.20, 13.36, 14.20 und 18.20 Uhr). Wer diese Linie nutzen will, muss sie allerdings spätestens eine halbe Stunde vorher telefonisch bestellen. Am Wochenende ist ÖPNV zwischen den beiden Städten Fehlanzeige. Wer sich dann mit dem Bus aufmachen möchte, um Angehörige im Krankenhaus zu besuchen, schaut in die Röhre.

Die Haken häufen sich

All diese Probleme kamen vor einigen Wochen bei einer Veranstaltung der Arbeiterwohlfahrt in Versmold auf den Tisch, bei der Helmut Südmersen und sein für den Kreis Gütersloh zuständiger Kollege Heiko Rusche zu Gast waren (das Haller Kreisblatt berichtete). Die Fachleute nahmen verschiedene Anregungen auf. „Es ist vor allem interessant für uns, dass viele Menschen sich offenbar für eine bessere Verbindung zum Krankenhaus interessieren“, sagt Südmersen.

Aktuell kann er auch nur den besten Weg erklären: Per Anrufliniendienst nach Sassenberg, wo man stündlich Anschluss an den R 15 hat. „Den nimmt man dann bis Warendorf und kann dort in den Bürgerbus einsteigen, der direkt zum Krankenhaus fährt. Da entfallen lange Fußwege“, sagt der Experte. Doch die Haken häufen sich auch hier: Viel Planen, viel Umsteigen – und auch diese Route gibt es nur montags bis freitags.

Dicke Bretter wären zu bohren

Liane Fülling von der Versmolder SPD, die sich auf Kreisebene bei verkehrspolitischen Themen engagiert, sieht weitere grundsätzliche Probleme: „Vielen ist gar nicht bewusst, dass sie einen Taxibus nach Warendorf anrufen können.“ Zudem sei es schwer, bei so einem Verkehr über Kreisgrenzen hinweg schnelle Verbesserungen zu erreichen. „Und dass die Stadt 400.000 Euro in eine besser vertaktete Linie pumpt, kann ich mir jetzt auch nicht vorstellen.“ Dabei hoffen verschiedene Institutionen auf Besserung. Das Versmolder Gymnasium etwa hat nach der jüngsten Berichterstattung im HK Anfragen von Eltern aus Sassenberg, die ihre Kinder gern schicken würden – dafür allerdings auf eine bessere Linie warten.

Helmut Südmersen verhehlt gar nicht erst, dass dicke Bretter zu bohren wären. Doch der Austausch mit dem VVOWL sei durchaus intensiv: „Wir sind da immer im Gespräch.“ Zudem gebe es im Rahmen des Nahverkehrsplans für den Kreis Warendorf aktuell auch einen Prüfauftrag an den Zweckverband Münsterland, verrät der Fachmann. „Da untersuchen wir, wie sich das Verkehrsnetz verbessern ließe.“

Die Nachfrage nach einer dichteren Vertaktung von Versmold und Warendorf habe man sogar schon einmal geprüft. „Da war der Bedarf allerdings nicht so riesig“, sagt Helmut Südmersen. Vor dem Hintergrund der neuen Entwicklungen wolle man die Analyse allerdings wiederholen – mit moderner technologischer Unterstützung: „Über den Zweckverband NWL können wir auf eine Datenbank zugreifen, die anonymisierte Funkzellenauswertungen enthält. So ließen sich Verkehrsströme zwischen Warendorf und Versmold besser abschätzen.“

Weitere Zuschüsse wären schwer zu genehmigen

Und wenn viel los ist, kommt fix eine neue Buslinie? So einfach wird es bei weitem nicht. „Das Linienbündel für die Buslinie 312 ist erst 2017 für acht Jahre neu vergeben worden“, erklärt der Verkehrsexperte. Wohl erst in gut drei Jahren beginnen die Gespräche zur Neuausschreibung. Im laufenden Betrieb etwas zu verändern, wird sehr komplex: „Die 312 läuft im eigenwirtschaftlichen Betrieb. Das ist gut für die kommunalen Haushalte, aber zusätzliche Leistungen zu vergeben, wäre genehmigungsrechtlich schwierig. Weil plötzlich Zuschüsse anfielen“, erklärt Südmersen. „Wenn wir etwas verändern wollen, müssten wir einen Weg finden. Aber den habe ich noch nicht.“

Fazit: Dass es einer stärkeren ÖPNV-Vernetzung zwischen Versmold und Warendorf bedarf, haben auch die verantwortlichen Experten erkannt. Doch ehe sich etwas tut, dürften noch Jahre vergehen.

Verbesserung ab Gütersloh

Es gibt im Nachgang der AWO-Veranstaltung auch gute Nachrichten. So hat der VVOWL auf die Kritik reagiert, dass am späteren Abend keine Busse mehr aus Gütersloh nach Versmold durchfahren. Die Schnellbusverbindung wurde angepasst – seit dem 3. Dezember fährt die Linie 71 montags bis samstags ab 23.17 aus der Kreisstadt nicht mehr nur nach Harsewinkel, sondern bis nach Versmold, teilte der VVOWL mit.

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