Jugendarbeiter wehrt sich gegen Kritik aus Versmold

Seit Anfang 2019 ist Marcel Kay vor Ort unterwegs. Dass er die zahlreichen Vorfälle von Vandalismus hätte verhindern sollen, sei falsch gedacht

Tasja Klusmeyer

Jugendliche brauchen einen Ort, an dem sie sich ungestört treffen können, an dem sie unter sich sein können. Auf der anderen Seite hat die Stadt Belange von Anwohnern zu berücksichtigen, wenn es um Themen wie Ruhestörung oder Vandalismus geht. Foto: CCO Pixabay - © CCO Pixabay
Jugendliche brauchen einen Ort, an dem sie sich ungestört treffen können, an dem sie unter sich sein können. Auf der anderen Seite hat die Stadt Belange von Anwohnern zu berücksichtigen, wenn es um Themen wie Ruhestörung oder Vandalismus geht. Foto: CCO Pixabay (© CCO Pixabay)

Versmold. Der Vandalismus in der Versmolder City aus der jüngeren Vergangenheit, womöglich begangen durch eine Gruppe Jugendlicher, hat offensichtlich seine Spuren hinterlassen. Am Sitzungstisch kam die Frage auf, ob denn die neu installierte Stelle der aufsuchenden Jugendarbeit überhaupt etwas bringe. „Ich sehe Figuren, denen die Köpfe abgehauen werden“, sprach CDU-Ratsfrau Kirsten Wehmöller offene Worte und wollte von Marcel Kay wissen, wie er das Ergebnis seiner bisherigen Arbeit einschätze. „Ich bin sehr kritisch“, gab Wehmöller zu und verwies auf die Kosten für die Stelle, welche die Stadt mit Borgholzhausen und Werther zu gleichen Teilen trägt.

"Arbeit ist präventiv angelegt"

Der Streetworker, der beim AWO-Kreisverband angestellt und interkommunal tätig ist, nahm Stellung. „Aufsuchende Jugendarbeit ist präventiv angelegt.“ Zurzeit sei er mit verschiedenen Jugendgruppen in der Phase des Beziehungsaufbaus. Da mit dem Hammer zu kommen, sei wenig zielführend. Kreisjugendpfleger Michael Trödel und AWO-Fachbereichsleiter Kai Treptow pflichteten ihm bei.

Aufsuchende Jugendarbeit sei, so Treptow, eine Instanz für junge Menschen, die sonst nicht oder nur schwer zu erreichen seien und bestehende Angebote beispielsweise an Jugendzentren nicht wahrnähmen. Das brauche Geduld. „Ein Sozialpädagoge kann Jugendliche unterstützen, er ist keine Ordnungs- oder Erziehungsinstanz“, betonte Kai Treptow. Dafür gebe es Ordnungsamt und Polizei.

Kontaktaufnahme zu Cliquen schwieriger als andernorts

Michael Trödel gestand, dass das, „was wir bisher erkennen können, dünn ist“. Mit dem erhobenen Zeigefinger auf Jugendliche zuzugehen, sei der falsche Weg in der Rolle des Streetworkers. „Dann drehen sie sich um und gehen.“ Wichtiger sei es, mit den betroffenen Gruppen in Kontakt zu kommen. „Jugendliche, die Probleme machen, haben auch Probleme“, so der Kreisjugendpfleger.

Marcel Kay ist als Streetworker in Versmold tätig. Foto: Anja Hanneforth - © Anja Hanneforth, HK
Marcel Kay ist als Streetworker in Versmold tätig. Foto: Anja Hanneforth (© Anja Hanneforth, HK)

Genau dort setzt Marcel Kay an. Zunächst mit zehn Wochenstunden pro Kommune, seit Sommer mit jeweils 13, ist er vornehmlich im Spätnachmittags- und Abendbereich unterwegs. Zwischen zwei bis drei Präsenztage sind das pro Ort – je nach Bedarf. Tatsächlich nahm Werther aufgrund eines Projektes zuletzt mit 40 Prozent den größten Teil seiner Arbeitszeit ein.

Marcel Kay läuft die ihm bekannten Treffpunkte der Jugend ab, versucht, Kontakt aufzunehmen, um die Themen des Nachwuchses mitzubekommen. In den Gesprächen geht es ganz banal um Fragen der Freizeitgestaltung vor Ort oder Zukunftsplanung. Ganz persönliche Probleme wie Konflikte im Elternhaus oder prekäre Lebenslagen beschäftigten die Jugendlichen ebenso. Mobilität und die Möglichkeit, sich zu treffen, seien weitere Themen, um die sich die Gruppen Gedanken machten.

Versmold schwerer überschaubar

In Versmold fällt es Marcel Kay schwerer als in den anderen Orten, regelmäßig Kontakt zu den einzelnen Cliquen zu bekommen. Sechs Orte, an denen sie sich träfen, hat er in den vergangenen Monaten ausgemacht und Kontakt zu etwa 110 Jugendlichen sowie jungen Erwachsenen gehabt. In Borgholzhausen und Werther ist die Zahl deutlich geringer, was im Verhältnis zur Größe der Orte passt.

Zudem ist in Versmold die Zahl der Treffpunkte größer als in den Nachbarstädten, wo es bereits feste Stellen gibt oder diese in der Erstellung sind. Da weiß Marcel Kay, wann er wo welche Gruppen am besten antrifft. In Versmold sei das schwieriger, schilderte er dem Jugend-, Kultur- und Schulausschuss. Zusammen mit der Stadt schaut der Sozialarbeiter zurzeit, ob es die Möglichkeit eines festen Treffpunktes gibt, der auch nach 22 Uhr noch genutzt werden kann, ohne Anwohner zu stören.

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