Sexy Nonne, Erotik im Alter: Versmolds Künstler brechen Tabus

Die Mitglieder des Versmolder Kunstkreises haben sich bei ihrer gemeinsamen Ausstellung mit dem vermeintlich Verbotenen beschäftigt. Die Ergebnisse könnten schockieren

Marion Bulla

Eine Nonne im sexy Outfit? Das ist kein Tabu, findet ihre Schöpferin Susann Pohlmann. - © Marion Bulla
Eine Nonne im sexy Outfit? Das ist kein Tabu, findet ihre Schöpferin Susann Pohlmann. (© Marion Bulla)

Versmold. Susann Pohlmann ist neu im Kunstkreis und ist gleich mit drei Exponaten dabei. Das Thema »Tabu« hat die Tonkünstlerin offenkundig inspiriert. Sie kam schnell auf die Rolle der Frau. Ihre Werke provozieren.

Da ist zum einen die Figur einer ältere Dame, die ihre schon erschlafften Brüste entblößt und sie dem Betrachter kokett im schwarzen Domina-Outfit entgegen hält. „Warum darf eine Frau im Alter nicht auch Sex-Appeal zeigen?", fragt Susann Pohlmann. Auch die zweite Figur ist etwas ungewöhnlich. „Das ist Schwester Immoralia", erklärt die Künstlerin und zeigt auf eine etwa 30 Zentimeter große Figur. Eine Ordensschwester im schwarzen offenherzigen Minikleid und mit lackierten Fingernägeln. „Eine Nonne, die sich als Frau sieht und das auch zeigt", sagt Susann Pohlmann.

Gewagte Darstellung von Susann Pohlmann. Sie fragt sich, ob es tabu ist, auch im Alter noch mit den Reizen einer Frau zu kokettieren. - © Marion Bulla
Gewagte Darstellung von Susann Pohlmann. Sie fragt sich, ob es tabu ist, auch im Alter noch mit den Reizen einer Frau zu kokettieren. (© Marion Bulla)

33 Mitglieder haben ihre Werke ausgestellt. Jede Künstlerin, jeder Künstler ist anders mit der Thematik umgegangen. Manch einer hat sich ein wenig schwer getan. So wie Gaby Masmann. „Ich habe hin und her überlegt. Was sind Tabus. Achselhaare vielleicht? Und dann habe ich im Fernsehen etwas über Kannibalismus gesehen. Und wenn das kein Tabuthema ist, dann weiß ich es auch nicht", erzählt die Künstlerin. Sie hat einen gedeckten Tisch aufgestellt. Nur dass das, was es hier zu essen gibt, wenig appetitlich ist. Jedenfalls für die meisten Menschen. Auf dem Teller liegt eine abgetrennte Hand. In diesem Fall ist sie aus Ton. Daneben steht passenderweise eine Flasche Ketchup. Eine sehr kreative Idee.

Sehr persönlich: Künstlerin thematisiert ihre Depressionen

Sabine Schmückers Arbeiten sind sehr persönlich. Die 58-Jährige leidet seit Jahren an Depressionen und hat die Krankheit auf zwei 20 mal 20 Zentimeter großen Leinwänden verarbeitet. Auf beiden Bildern ist ihr Konterfei zu sehen, bearbeitet mit mehreren Filtern, die sich überlagern. Das erste behandelt den Suizid. Es ist ein Totenkopf zu sehen. Daneben ein Teil ihres Gesichtes. Im Auge blitzt es. „Da ist etwas Licht. Ein Stück Hoffnung", erörtert Sabine Schmücker. Im Bild daneben zerbröselt ihre eine Gesichtshälfte. „Die Depression ist immer da. Doch man darf nie aufgeben. Das ist mein Lebensmotto", so die Künstlerin. Sie ist mutig und gibt der Krankheit, die in der Öffentlichkeit oftmals totgeschwiegen wird, ein Gesicht.

Sabine Schmücker findet, dass die Krankheit Depressionen aus der Tabuecke heraus muss und hat sich kreativ mit dem Thema beschäftigt. - © Marion Bulla
Sabine Schmücker findet, dass die Krankheit Depressionen aus der Tabuecke heraus muss und hat sich kreativ mit dem Thema beschäftigt. (© Marion Bulla)

Bea Wegmann hat sich Gedanken über die Frau in den Medien gemacht. „Die Modells müssen immer jung und attraktiv sein. Warum eigentlich?", zeigt die 56-Jährige sich höchst erstaunt. Sie hat zur Ausstellung eine Fotografie mit einer Gruppe von Leuten im Auto beigesteuert. Und Bea Wegmann mittendrin im Hippiegewand.

Die Ausstellung ist noch bis zum 5. Januar in der Galerie et zu sehen.

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