Vandalismus in Versmold: Wie die Stadt geschützt werden soll

Die Stadt überlegt, die nächtlichen Streifen des Ordnungsamtes auszuweiten und bietet weiterhin eine entsprechende Stelle auf ihrer Website an. Fachbereichsleiter Thomas Tappe erklärt warum.

Marc Uthmann

Die nächtliche Streife des Versmolder Ordnungsamtes hat bei ihren Rundgängen auch in einer Kleinstadt wie Versmold viel zu tun. Foto: Ulrich Fälker - © Ulrich Fälker
Die nächtliche Streife des Versmolder Ordnungsamtes hat bei ihren Rundgängen auch in einer Kleinstadt wie Versmold viel zu tun. Foto: Ulrich Fälker (© Ulrich Fälker)

Versmold. Nach der Reihe von Attacken auf die Kunstfiguren und die Martin-Luther-Stele in der Versmolder Innenstadt wurde auch die Rolle der Polizei und der nächtlichen Streife des Rathauses hinterfragt, die seit März unterwegs ist. „Man hat uns Versagen vorgeworfen", sagt Thomas Tappe – Verständnis hat er dafür nicht.

Sechs Mitarbeiter – vier Männer und zwei Frauen – sind in den Nächten im Auftrag des Ordnungsamtes unterwegs, alle im Rahmen eines 450-Euro-Jobs. „Wir haben die Streifen bereits ausgeweitet und die Teams sind auch zeitlich sowie und örtlich flexibel unterwegs", sagt Tappe. „Aber es gibt nun mal gewisse Entfernungen – auch in unserer Stadt." Wenn die städtischen Mitarbeiter gerade bei Rossmann in der Berliner Straße vorbeiliefen, während eine Kunstfigur bei der Buchhandlung Krüger zerstört werde, ließen sich die Täter eben auch bei Präsenz nicht auf frischer Tat ertappen.

„Wir sind letztlich auf Zeugen angewiesen und hoffen, dass die erhöhte Belohnung von 5.000 Euro dazu beiträgt, Verantwortliche zu ermitteln", sagt der Chef des Versmolder Ordnungsamtes.

Zusätzlicher Mitarbeiter würde Flexibilität erhöhen

Dieses Schild an der Sonnenschule weist darauf hin, dass das Betreten nicht jederzeit und nicht jedermann erlaubt ist. Seit der Ordnungsamtsaußendienst abends kontrolliert, soll sich die Situation verbessert haben. Foto: Tasja Klusmeyer - © Tasja Klusmeyer
Dieses Schild an der Sonnenschule weist darauf hin, dass das Betreten nicht jederzeit und nicht jedermann erlaubt ist. Seit der Ordnungsamtsaußendienst abends kontrolliert, soll sich die Situation verbessert haben. Foto: Tasja Klusmeyer (© Tasja Klusmeyer)

Für ihn sind mit Blick auf die Streife ganz andere Dinge wichtig: „Ich bin froh, dass wir da so eine gute Truppe haben und bislang niemand im Einsatz verletzt wurde." Die Mitarbeiter hätten zunächst Schulungen im rechtlichen Bereich, in Selbstverteidigung und Eigensicherung absolviert, zudem waren sie in der Startphase zu dritt unterwegs.

Nun machen Duos ihren Rundgang und haben dazu nach absolvierter Fortbildung auch mehr Gelegenheit im Rahmen ihrer 450-Euro-Verträge. „Dennoch erhalten wir das Stellenangebot aufrecht, weil wir das Team eventuell noch einmal um eine Person aufstocken wollen", bestätigt Tappe. „So haben wir mehr Luft bei der Planung der Einsätze und können bei Großveranstaltungen oder wenn jemand ausfällt, besser reagieren."

Die Streife darüber hinaus zu vergrößern, um besser gegen Vandalismus vorzugehen, sei hingegen eine politische Entscheidung – da bestätigt Thomas Tappe seinen Chef, Bürgermeister Michael Meyer-Hermann. Und ob eine solche Strategie zum Ziel führe, wagt Tappe angesichts der eingangs geschilderten Grenzen einer solchen Streife zu bezweifeln.

„Wir wollen keine schwarzen Sheriffs"

Er betont allerdings, dass sich die nächtlichen Rundgänge seit März durchaus bewährt haben. „Auf den öffentlichen Plätzen, vor allem im Bereich der Schulhöfe, hat es ganz klar eine Entspannung bei Müll und Vandalismus gegeben. Die Menschen, die sich dort aufhalten, haben eben das Gefühl, dass jemand drauf schaut und vorbeikommen könnte."

Die Streife habe schon einige Ordnungswidrigkeiten festgestellt, so dass Bußgeldverfahren eingeleitet werden konnten. „Wer mutwillig öffentliches Eigentum beschädigt, muss auch spüren, dass ihn das etwas kostet", sagt Tappe. Er weiß, dass es für Jugendliche schwierig ist, wenn die Streife außerhalb der Schulzeiten darauf achtet, dass sich niemand ohne Anlass auf dem Gelände aufhält. „Das könnte uns Kritik einbringen, weil die jungen Menschen dann keinen Platz mehr finden, wo sie sich treffen können."

Allerdings ändere sich vieles, wenn Alkohol ins Spiel komme und dann eben doch Sachbeschädigungen passierten. „Falls Plätze fehlen sollten, wäre das ein Ansatz für die aufsuchende Jugendarbeit. Wir könnten dann Lösungen entwickeln", schlägt Thomas Tappe vor. Ihm ist wichtig, dass die Arbeit der Streife auch gewürdigt wird: „Wir wollen keine schwarzen Sheriffs, die rumpöbeln und Leute einschüchtern." Es gehe darum, vernünftig auf die Menschen zuzugehen. Und da sei das nächtliche Rathaus-Team im wahrsten Sinne des Wortes auf einem guten Weg.

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