5.000 Euro Belohnung für Zeugen der Randale in Versmold

Nachdem nun auch die Martin-Luther-Stele schwer beschädigt wurde, gehen Stadt und Kirchengemeinde gemeinsam in die Offensive. Und kündigen mehr Härte als bisher an.

Marc Uthmann

Ihnen reicht es: Sven Keppler (von links), Michael Meyer-Hermann, Rainer Wolf und Dirk Leiendecker setzten nach der Luther-Randale auf eine Belohnung. Foto: Marc Uthmann - © Marc Uthmann
Ihnen reicht es: Sven Keppler (von links), Michael Meyer-Hermann, Rainer Wolf und Dirk Leiendecker setzten nach der Luther-Randale auf eine Belohnung. Foto: Marc Uthmann (© Marc Uthmann)

Versmold. Es ist kalt und windig zwischen Pfarrhaus und Petri-Kirche. Und auch die Stimmung an diesem Freitagmorgen ist frostig. „Wir wollen nicht einfach zur Tagesordnung übergehen und uns im Stillen ärgern", sagt Pfarrer Dirk Leiendecker beim kurzfristig einberufenen Pressegespräch. Und fügt an: „Ich bin wirklich sauer."

Das Presbyterium der evangelischen Kirchengemeinde hatte am Mittwoch getagt und darüber beraten, wie es mit dem zerstörerischen Angriff auf die Martin-Luther-Figur umgehen soll. Das Gremium war sich einig, die Stadt mit ins Boot zu holen – was angesichts der darüber hinaus verübten zahlreichen Attacken auf die Kunstfiguren in der Innenstadt durchaus nahelag. Und so war auch Bürgermeister Michael Meyer-Hermann mit vor Ort und gab bekannt: „Wir setzen eine Belohnung von 5.000 Euro für Hinweise aus, die zur Ergreifung der Täter führen." 2.000 Euro dieser Summe würde die Kirchengemeinde aufbringen, für 3.000 Euro stünde die Stadt Versmold gerade.

"Der Schaden muss bezahlt werden"

Auch der Kunstkreis hatte zunächst über eine Beteiligung an der Aktion nachgedacht, sich dann aber für ein anderes Vorgehen entschieden: Es soll im nächsten Frühjahr ein Projekt für Kinder und Jugendliche geben, bei dem diese selbst kleine Figuren basteln, die dann im Stadtgebiet verteilt werden. So sollen die jungen Kreativen den Wert künstlerischer Arbeit zu schätzen lernen.

Ein schöner Ansatz, wie auch Dirk Leiendecker findet, doch angesichts der aktuellen Vorfälle plädiert er auch für Härte: „Die Figur ist irreparabel, der Schaden mit geschätzt 10.000 Euro sehr hoch. Und er muss bezahlt werden, selbst wenn der Verursacher dafür 30 Jahre braucht." Um die Zerstörer der Kunstfiguren »Vassemer« zu fassen, hatten Stadt und Kunstkreis 4.000 Euro ausgelobt – bislang ohne Erfolg. Nun sollen die nochmals erhöhte Summe und die Eindringlichkeit des Appells zum Ziel führen. „Es gibt Mitwisser, das ist ganz klar", sagt Michael Meyer-Hermann. „Und die können sich dann an die Polizei wenden. Aber wenn sie unsicher sind, zunächst natürlich auch an die Stadt oder die Kirche." Eines sei allerdings klar: Wer sich melde, werde letztlich auch aussagen müssen. Und zwar belastbar, mit zielführenden Hinweisen. „Einfach nur eine Geschichte zu erzählen, die man hinter vorgehaltener Hand gehört hat, reicht da nicht", betont Baukirchmeister Rainer Wolf.

Stadt und Polizei stünden im engen Austausch, bekräftigte Michael Meyer-Hermann. Offenbar geht es derzeit darum, besseren Kontakt zur Szene der Jugendlichen zu bekommen, um etwas über Personen zu erfahren.

Repariert wird nicht

Die Motive für die Zerstörungswut sorgen derweil immer noch für Diskussionen. Pfarrer Sven Keppler, der bei verschiedenen Attacken in der Nähe seines Hauses noch Gesprächsfetzen der angetrunkenen und aufgekratzten Jugendlichen mitbekommen hatte, glaubt nicht an übergeordnete Ziele.

Dirk Leiendecker verweist allerdings darauf, dass der Luther nicht so spontan zu zerstören gewesen sei: „Dazu brauchte man Werkzeug." Auch dafür hat Sven Keppler eine Erklärung: „Die haben eben festgestellt: Nur mit Treten geht es nicht, also kommen wir mit dem Hämmerchen wieder." Eine frustrierende Mutmaßung.

Repariert werden kann der Luther nicht, er bleibt jetzt erst mal so stehen. „Wir haben mit Innenstadtsanierung, Kirchplatzumgestaltung und dem Bau unserer Gemeindehauses gerade genug andere Dinge, die uns beschäftigen", sagt Dirk Leiendecker. Sein Zorn klingt durch diese Worte aber immer noch durch.

Mehr Streifen keine Garantie

Offenbar gab es bei der Stadt angesichts des Vandalismus erste Überlegungen, die Streife des Ordnungsamtes zu stärken: mit mehr Personal und daraus folgend längeren Zeiträumen, in denen die Kräfte nachts unterwegs sind.

Auf Anfrage des Haller Kreisblattes gab sich Bürgermeister Michael Meyer-Hermann defensiv: „Das müsste ja zunächst einmal politisch diskutiert werden." Zudem erhöhe sich bei einer größeren Präsenz der Streife zwar die Chance, Täter zu erwischen, eine Garantie gebe es indes nicht. „Wir haben bislang allenfalls locker darüber nachgedacht."

Info
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