City-Baustelle: Versmolder werden noch mehr eingeschränkt

ISEK 2020: Die Stadt legt die Pläne für den weiteren Verlauf der Innenstadtumgestaltung vor. Nach der Kirmes geht es auf der Münsterstraße und dem Kirchplatz weiter. Schon jetzt ist abzusehen, dass es eine schwierige Zeit werden wird

Tasja Klusmeyer

Die Versmolder Innenstadt - © Ulrich Fälker
Die Versmolder Innenstadt (© Ulrich Fälker)

Versmold. Das Ende der einen Baustelle bedeutet den Beginn einer neuen. Das wird in den kommenden drei Jahren in der Versmolder Innenstadt der Fall sein. Da ist von den Betroffenen Durchhaltevermögen gefragt. Von Frühjahr bis Herbst 2020 wird vor den Geschäften entlang von Versmolds Hauptachse gebuddelt. Die Läden an der Münsterstraße werden für den motorisierten Verkehr über mehrere Monate nicht bis nur schwer erreichbar sein. In einer öffentlichen Informationsveranstaltung stellte die Stadt am Donnerstag die Pläne vor.

Das wird gemacht

Teil zwei des integrierten städtebaulichen Entwicklungskonzeptes sieht die Umgestaltung des Verkehrsraumes zwischen Altstadtstraße und Ravensberger Straße sowie die Erneuerung des Kirchplatzes vor. Fahrbahn und Fußweg werden gepflastert, Versorgungsleitungen verlegt und Parkplätze neu geordnet. Zudem wird die Kirchmauer abgebrochen und nach hinten versetzt, der Kirchplatz geöffnet und aufgewertet.

Ein wesentliches Merkmal der Maßnahme: Fußgänger bekommen mehr Platz. Der Verkehr hingegen soll durch entsprechend reduzierte Fahrbahnbreiten, die in der Tempo-10-Zone aber weiterhin Begegnungsverkehr zulassen, zum Langsamfahren angehalten werden.

Im Haushaltsentwurf 2020 stehen 315.000 Euro für den Kirchplatz und knapp 600.000 Euro für die Münsterstraße bereit – 60 Prozent davon gefördert durch Landesmittel.

So sieht der Zeitplan aus

Am 3. März – direkt nach dem Kirmeswochenende – soll es losgehen. Vier Abschnitte sind geplant. Für die gesamte Bauzeit bis Ende September wird die Verkehrsführung in der City entscheidend geändert. Im unteren Bereich der Ravensberger Straße (ab Parkplatz Petri-Kirche) gilt dann Einbahnstraße Richtung Marktplatz. Die Münsterstraße muss zunächst für etwa drei Monate komplett gesperrt werden. Acht provisorisch angelegte Parkplätze im Bereich des Kirchplatzes sollen den Kunden ermöglichen, nah an die Geschäfte heranzukommen. Die fußläufige Erreichbarkeit, so die Aussage der Verwaltung, sei zu jeder Zeit gegeben.

Im ersten Schritt werden an der Münsterstraße Versorgungsleitungen verlegt. Anschließend werden von Altstadtstraße bis zur Galerie et Fahrbahn und Gehwege erneuert; im Anschluss weiter bis zur Ravensberger Straße. Dann (ab etwa Mitte Juni) kann der Anliegerverkehr auf dem ersten Teilstück zumindest bis zur Baustelle hineinfahren.

Bodenuntersuchungen im Vorfeld haben ergeben, dass der Bereich unter der Fahrbahn durch die Verkehrsbelastung inzwischen wasserundurchlässig ist und deshalb komplett erneuert werden muss. „Der alte Schotter kann nicht mehr wiederverwendet werden", erklärte Thomas Wiese, Projektplaner aus dem Bauamt.

Ende August dürften die Arbeiten an der Fahrbahn fertiggestellt sein. Dann kann der Verkehr wieder rollen – zumindest in eine Richtung. Denn solange im finalen Schritt die Arbeiten auf dem Kirchplatz laufen und Baustellenverkehr rangiert, ist eine vollständige Freigabe nicht möglich.

Den 30. September nennt die Stadt als Datum, wenn alles fertig zu sein hat. In der Ausschreibung der Maßnahme, die jetzt erfolgen wird, soll das verbindlich festgelegt werden.

Die Sorgen der Händler

Schon in diesem Frühjahr mit Beginn der ISEK-Baustelle rund ums Rathaus sei der Umsatz teils „erheblich" zurückgegangen, klagen die Geschäftsleute. Immobilieneigentümer Roland Wischkämper beispielsweise spricht von „Existenznöten" einiger Betroffener, die bisher nicht einmal im direkten Baustellenbereich lägen. Nun rücken Baustelle und mir ihr Straßensperrungen näher heran.

Auch Rosi Dieckmann-Roses Geschäft liegt an der Münsterstraße – bald mit Blick auf Bagger und Baugrube. „Durchhalten und schnell bauen", sagt die Geschäftsfrau, zugleich im Vorstand der Kaufmannschaft. „Wir haben versucht, mit Aktionen gegenzusteuern – eine andere Möglichkeit haben wir ohnehin nicht." Die IGEV werde auch weiterhin versuchen, Akzente zu setzen und die Kunden trotz Baustelle in die City zu locken.

Edith Taake, die im Textilgeschäft NKD arbeitet, weiß ebenso um die Schwierigkeit. Auch sie hätten Umsatzeinbußen gespürt. Zwischenzeitlich war von mehreren Seiten Kritik am Vorankommen auf der Baustelle laut geworden. „Es mag auf die Firma geschimpft worden sein – die Mitarbeiter waren uns immer behilflich, haben mit angepackt und Lösungen gefunden", schildert Taake.

Michael Biedendiek, der zwei Modegeschäfte an der Münsterstraße betreibt, appelliert an die Stadt, die Kreuzung Münsterstraße/Ravensberger Straße 2020 gleich mitzumachen. Sonst wäre der Bereich im Zuge der weiteren Umgestaltung ein Jahr später wieder Baustelle – und eine Durchfahrt erneut nicht möglich. „Irgendwann geht einem die Luft aus", sagt Biedendiek. „Eine gute Anregung", so Bürgermeister Michael Meyer-Hermann. Man werde prüfen, was an dieser Stelle möglich ist.

Die Umgestaltung der Ravensberger Straße allerdings ist erst für 2022 im Haushalt eingeplant und nicht Inhalt der aktuellen Ausschreibung für Teil zwei des ISEK. Die Kreuzung komplett neu zu gestalten, dürfte da schwierig werden.

Das sagt die Stadt

„Uns ist bewusst, dass es zu Einschränkungen und Einbußen führt", sagt Bürgermeister Michael Meyer-Hermann zu den Sorgen der Kaufleute. Die mehrjährige Bauphase sei nicht einfach. Man werde deshalb stets mit den Betroffenen im Dialog bleiben und auf Probleme reagieren.

Für die Anlieferung beispielsweise werde die Stadt versuchen, Zeitfenster zwischen Händler und Baufirma zu regeln, in denen Fahrzeuge in die Baustelle hineinfahren könnten.

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