Klima-Experte empfiehlt Penisverlängerung statt SUV

Marion Bulla

Symbolbild - © CC0 Pixabay
Symbolbild (© CC0 Pixabay)

Versmold. Die meisten Deutschen erachten Klimaschutz für wichtig. Doch nur wenige gehen das Thema aktiv an und tun etwas dagegen. Umweltwissenschaftler Michael Kopatz hat sich umfassend mit dem Thema beschäftigt und sogar ein Buch darüber geschrieben. »Ökoroutine. Damit wir tun, was wir für richtig halten« lautet der Titel.

"Ich hoffe, Sie schlafen nicht ein"

Darin geht es aber nicht darum, mit erhobenen Zeigefinger die Klimasünden der Menschen aufzuzeigen, sondern eher darum, individuell zu entscheiden, was man wo und wie tun kann. „Vorträge sind ja oft gefürchtet. Ich hoffe, sie schlafen nicht ein", sagt Michael Kopatz zur Begrüßung. Diese Gefahr besteht allerdings nicht eine Minute lang. Locker und mit einer gehörigen Portion Humor erklärt er den 40 Zuhörern seine Ideen für die Klimarettung. Der Sozialwissenschaftler forscht am Wuppertal Institut für Umwelt, Klima und Energie.

Die Tochter darf nach Jamaika fliegen

Kritiker, so Kopatz, würfen den Fridays-for-Future-Aktivisten vor, sie würden auf der einen Seite fürs Klima demonstrieren und auf der anderen Seite trotzdem fliegen. „Solange die fliegen, brauchen die gar nicht demonstrieren zu gehen", so lautet die strenge Öko-Moral. „Wenn nur der Einzelne auf Flugreisen, Auto oder Fleisch verzichtet, erleidet er selbst Nachteile, wodurch sich aber am Großen und Ganzen nichts ändert", argumentiert Kopatz dagegen und erzählt von seiner Tochter Emilia, die die Chance hatte, nach Jamaika zu fliegen, sich bei so einem Vater aber nicht getraut habe, zu fragen. Sie durfte, auch wenn Kopatz selbst mit Leib und Seele Klimaschützer ist. Ein Beispiel: Im Durchschnitt produziert jeder Bundesbürger pro Jahr elf Tonnen CO2. Michael Kopatz hingegen verbraucht nach eigenen Angaben nur fünf.

„So charmant bin ich noch nie in Sachen Klimaschutz unterhalten worden"

Dann nimmt der Umweltwissenschaftler sich die SUV-Autofahrer vor: „Eine Penisverlängerung wäre klimafreundlicher als dieses Angeberauto." Es gebe viele Gründe, warum wir täten, was wir tun. Jeder Einzelne müsse aber daran mitwirken, dass sich die Verhältnisse änderten, um das Klima zu retten. Die Politik sei nun gefragt, die Strukturen zu verändern.

Klima-Experte: Michael Kopatz erklärte auf charmante und lockere Art von seinen manchmal ungewöhnlichen Öko-Ideen. - © Marion Bulla
Klima-Experte: Michael Kopatz erklärte auf charmante und lockere Art von seinen manchmal ungewöhnlichen Öko-Ideen. (© Marion Bulla)

Neben der Stadtbibliothek und der Buchhandlung Krüger ist auch die Stadt Versmold mit ihrem Klimaschutzkonzept mit im Boot der Veranstalter. „So charmant bin ich noch nie in Sachen Klimaschutz unterhalten worden", sagt Besucherin Annelie Pielsticker am Ende.

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