Prozessauftakt im Mordfall an junger Versmolderin

Simon Janßen

Kurz vor Prozessbeginn: Der Angeklagte aus Meerbusch versteckt sich unter einer grauen Decke. Seit seinem Suizidversuch, bei dem er beide Beine verlor, sitzt der 32-Jährige im Rollstuhl. - © Simon Janßen
Kurz vor Prozessbeginn: Der Angeklagte aus Meerbusch versteckt sich unter einer grauen Decke. Seit seinem Suizidversuch, bei dem er beide Beine verlor, sitzt der 32-Jährige im Rollstuhl. (© Simon Janßen)

Versmold/Düsseldorf. Es sind gespenstische Szenen wenige Minuten vor Beginn der Hauptverhandlung vor dem Düsseldorfer Landgericht. Verschleiert mit einer grauen Decke wird der Angeklagte um kurz nach 13 Uhr von einem Justizbeamten in den Saal geschoben. Der 32-jährige Patrick H. sitzt im Rollstuhl, hat bei seinem Suizidversuch beide Beine verloren. Durchgehend schaut er auf den Boden. Nahezu regungslos nimmt der Meerbuscher die Anklageverlesung zur Kenntnis, die erschreckende Details offenbart.

Der Angeklagte soll am Tattag – dem 26. April dieses Jahres – seiner Ex-Freundin, der Versmolderin Constanze K., um 10.20 Uhr auf der Gladbacher Straße in der Neusser Nordstadt aufgelauert haben. In seiner Hand: ein geladener Revolver des US-amerikanischen Waffenherstellers Smith & Wesson. Laut Anklage soll sein Ziel gewesen sein, die junge Frau zu vergewaltigen und im Anschluss zu töten. Seine Ex-Freundin konnte zunächst fliehen, der 32-Jährige soll sie verfolgt und schon auf der Straße Schüsse auf sie abgefeuert haben – wenig später auch aus kurzer Distanz in der Nähe eines Blumenladens.

Still wird es im Gerichtssaal, als der Notruf des Opfers bei der Polizei abgespielt wird. „Bitte kommen Sie. Mein Ex-Freund hat eine Pistole", ist Constanze K. völlig außer Atem zu hören. Es folgen ein Schuss – und ein Schrei. Sekunden später wird ein weiterer Notruf einer Zeugin abgespielt. „Hier hat gerade einer geschossen", hallt es durch die Lautsprecher des Gerichtssaals. In welche Richtung der Täter geflohen sei, wisse sie nicht. Kurz bevor die Telefonate abgespielt werden, verlassen die Eltern des Opfers unter Tränen den Saal.

Constanze K. erlitt insgesamt vier Schussverletzungen im Kopf-, Hals-, Brust- und Schulterbereich. Trotz umgehend eingeleiteter Rettungsmaßnahmen starb die Frau später im Lukaskrankenhaus. Nach der Tat soll sich der Angeklagte auf die in der Nähe des Blumenladens gelegenen Bahngleise gelegt haben, wo er von einem Güterzug erfasst und schwer verletzt wurde. „Der Angeklagte wollte, dass sie nie wieder einen anderen Freund hat", sagt Staatsanwalt Stefan Peters zu einem möglichen Mordmotiv.

Es geht um schweren sexuellen Missbrauch, versuchte Vergewaltigung und Mord.

Doch nicht nur wegen des Mordes am 26. April muss sich Patrick H. verantworten, sondern auch wegen zwei weiteren Taten. So soll er versucht haben, seine Ex-Freundin, die zu diesem Zeitpunkt bereits einen neuen Freund hatte, am Nachmittag des 1. Januar 2019 in seiner Wohnung zu vergewaltigen.

Die Versmolderin erwirkte daraufhin ein Kontaktverbot. Demnach hätte sich der Angeklagte der 27-Jährigen nicht nähern dürfen. Die gerichtliche Anordnung wurde am 3. April ausgesprochen. 23 Tage danach fielen die tödlichen Schüsse auf die junge Frau, die sich sozial und kirchlich engagierte, die viel Fröhlichkeit ausstrahlte, die beliebt im Sportverein war, die noch so viel vorhatte. Deren Leben plötzlich ausgelöscht wurde.

Es war nicht das erste Mal, das Patrick H. gewalttätig einer Frau gegenüber wurde. Auch eine Tat am 12. Juli 2016 wird dem Meerbuscher, der 2008 bei der RTL-Casting-Show »Deutschland sucht den Superstar« im Fernsehen zu sehen war, vorgeworfen. Damals soll er seine damalige Lebensgefährtin – nicht das spätere Mordopfer – in das Badezimmer seiner Wohnung gezerrt, die Tür verschlossen und sie zu sexuellen Handlungen gezwungen haben – mit der Drohung, sie zu vergewaltigen. So lautet der Vorwurf, der jetzt vorm Landgericht verhandelt wird, auf schweren sexuellen Missbrauch, versuchte Vergewaltigung und Mord.

Der Prozess wird am 7. November fortgesetzt. Das Gericht hat für den Fall insgesamt 17 Verhandlungstage angesetzt.

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