Nati Vita: Versmolderin Natali nimmt die Kamera mit in den Kreißsaal

Privatsphäre Fehlanzeige? Obwohl die Versmolder Youtuberin Natali ihren Alltag mit der Kamera einfängt und ihre Zuschauer sogar bei ihrer Brust-OP und der Geburt ihrer Jüngsten mitnimmt, gibt es dennoch Momente, die nur ihrer Familie gehören

Melanie Wigger

Natali und Tochter Alba: Die Youtuberin aus Versmold zückt die Kamera regelmäßig, um ihren Mama-Alltag für Netz zu dokumentieren. Foto: Melanie Wigger - © Melanie Wigger
Natali und Tochter Alba: Die Youtuberin aus Versmold zückt die Kamera regelmäßig, um ihren Mama-Alltag für Netz zu dokumentieren. Foto: Melanie Wigger (© Melanie Wigger)

Versmold. „So, ihr Lieben. Herzlich Willkommen erstmal zu diesem Video ...", grüßt eine junge Frau in die Kamera. Neben ihr sitzt ihr Mann am Steuer. Der Anlass für ihre Fahrt: „Wir haben die Vermutung, dass meine Fruchtblase geplatzt ist." Es folgt ein zwölf minütiges »Wehentagebuch« inklusive Kreißsaalszenen. Seit März wurde dieser Zusammenschnitt auf dem Youtube-Kanal »Nati Vita« knapp 200.000-mal aufgerufen. Die Zuschauer begleiten die Hochschwangere, während sie an Untersuchungsgeräten oder in der Badewanne liegend auf die Geburt ihres dritten Kindes wartet. Auch beim Abendessen im Aufenthaltsraum – Ehemann Davide hat Döner und Reis geholt – ist die Kamera mit dabei.

„Als Mutter ist man sehr angreifbar"

Für das Paar nichts Ungewöhnliches. Schließlich dokumentiert Youtuberin Natali schon seit sechs Jahren ihren Mami-Alltag. Jahrelang hat die junge Versmolderin selbst Videos im Netz geguckt. Der Reiz es selbst zu probieren wuchs. Während der Ausbildung zur Altenpflegerin traute sie sich jedoch nicht. Aber in der Elternzeit – ihre Erstgeborene war gerade zwei Monate alt – schnappte sich Natali eine Kamera und legte los. Nach einem Vorstellungsvideo drehte sie als erstes einen Beitrag über die neuen Babyklamotten ihrer Tochter.

Seitdem ist die Kamera in vielen Momenten mit dabei – selbst in sehr privaten: Neben der Geburt zählt Natali ihre Brust-OP zu den persönlichsten Einblicken, die sie bislang gezeigt hat: „Ich bekomme heute noch Fragen dazu", sagt sie eineinhalb Jahre nach dem Eingriff. Viele Frauen hätten ihr zurückgemeldet, dass dieses Video ihnen Mut gemacht habe. Das macht die 28-Jährige sichtbar stolz.

So offen wie jetzt war sie nicht immer. „Früher habe ich beim Filmen in der Öffentlichkeit die Blicke der anderen intensiv gespürt. Aber ich habe mich daran gewöhnt. Und meine Familie sieht das auch ganz locker." Gioia (6) und Giada (3) stehen sogar gerne vor der Kamera.

Nacktaufnahmen und Peinliches sind tabu

Anfangs hat Natali ihre Töchter unkenntlich gemacht. Nach langen Gesprächen entschieden sie und ihr Mann, dass es darauf nicht ankommt: „Wir finden, wir schützen sie mehr, indem wir genau überlegen, was wir zeigen. Das ist wichtiger als Gesichter zu pixeln." Nacktaufnahmen von den Kindern oder Situationen, die ihnen später peinlich sein könnten, seien tabu. Obwohl das Zeigen von Kindergesichtern im Netz sehr umstritten ist, habe Natali überwiegend positive Reaktionen darauf bekommen. „Damit haben wir selbst nicht gerechnet. Vielleicht liegt es daran, dass die Zuschauer wissen, dass wir unsere Inhalte sehr bedacht auswählen."

Denn trotz aller Offenheit gebe es noch private Momente für die Familie. „Ich habe zwar die Geburt meiner Tochter gezeigt, aber bewusst nicht den ersten Moment mit ihr. Der gehört nur uns." Das Video ist an dieser Stelle geschwärzt, stattdessen ist der erste Schrei des Babys zu hören. Ein paar Sekunden später wird eine Szene mit der erschöpften Mama eingeblendet. Ihre Augen leuchten kurz in die Kamera. Alba ist da. Mehr als 10.000 Zuschauer drückten bereits auf „Gefällt mir".

Negative Reaktionen seien hingegen selten. „Beleidigungen kommen selten und wenn, dann lösche ich sie einfach." Inzwischen könne sie damit umgehen – zu Beginn war das schwieriger, verrät ihr Mann. „Als Mutter ist man sehr angreifbar", kommentiert Natali.

In der Regel genieße sie den Austausch mit ihren Fans. Mehr als 110.000 Abonnenten folgen ihrem Kanal. Im Gegensatz zu Großstadt-Youtubern verläuft ihr Alltag in der Fleischerstadt eher ruhig. „Ab und zu werde ich mal für ein Foto angesprochen." Wenn Natali in Gütersloh, Osnabrück oder Bielefeld unterwegs sei, erkenne sie fast immer ein Fan. – „Aber es gibt keinen Massenandrang."

„Sie verstellt sich wirklich gar nicht"

Wie viele Youtuber wirbt Natali für Produkte. Belohnt wurde sie zuerst überwiegend mit Geschenken von den Unternehmen. Nun verdiene damit auch Geld. „Anfangs habe ich dafür noch Firmen angeschrieben. Nach einer gewissen Zeit kamen sie auf mich zu." Zusätzlich vermittelt ihr eine Agentur passende Werbekampagnen. „Aber ich entscheide trotzdem selbst, was ich zeige, und ich mache nur Werbung für das, was ich vertreten kann." Auch wenn die Kamera läuft, will sie authentisch sein. Und das sei sie auch, untermauert ihr Mann. „Sie verstellt sich wirklich gar nicht", sagt der 30-Jährige, dessen Rolle in Natalis Videos momentan wächst. Denn der gemeinsame Hausbau wird ebenfalls mit der Kamera festgehalten. Beide sind in Elternzeit und das schweißt zusammen.

Um der Familie eine weitere Finanzspritze zu sichern, planen die beiden ein weiteres Standbein, das auch über Youtube vermarktet werden könnte. „Wir wollen aber noch nichts darüber verraten", sagt Davide.

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