Warum diese plötzliche Abschiebung einen ganzen Verein schockiert

Dennis Bleck

Zurück in Ghana: Das BAMF hat Richard Frimpong, hier während des Haller-Kreisblatt-Cups im Jahr 2014, abgeschoben. - © Sven Hauhart
Zurück in Ghana: Das BAMF hat Richard Frimpong, hier während des Haller-Kreisblatt-Cups im Jahr 2014, abgeschoben. (© Sven Hauhart)

Versmold-Oesterweg. In Daniel Hermann wütet noch immer Unverständnis. Unverständnis darüber, dass in Richard Frimpong ein beliebter Vereinskamerad der SG Oesterweg das Land Anfang der vergangenen Woche verlassen musste. Das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) hatte die Abschiebung des dunkelhäutigen Angreifers angeordnet. Der Kreis Gütersloh hat diese Entscheidung nun vollstreckt. Wie Pressesprecher Jan Focken auf HK-Nachfrage erklärte, war Frimpong schon seit dem 31. Januar 2017 ausreisepflichtig.

SG schaltet Anwalt ein

Obwohl also auf den ersten Blick rechtlich alles in Ordnung zu sein scheint, hat der Verein einen Anwalt eingeschaltet. Dieser soll nun prüfen, ob und inwieweit es eine Möglichkeit gibt, Frimpong legal zurück nach Deutschland zu holen. Schließlich habe sich dieser nie etwas zu Schulden kommen lassen. Im Gegenteil: Frimpong galt als gut integriert, war im Verein und in ganz Versmold beliebt. Zudem engagierte er sich als Jugendtrainer. Vor rund fünf Jahren war der Ghanaer nach Deutschland gekommen und hatte sich auf Anhieb bei der SG wohlgefühlt. „Deshalb verstehe ich auch nicht, warum der Prozess der Abschiebung so lange gedauert hat", sagt Hermann. Frimpong habe sich in den fünf Jahren in Deutschland mittlerweile ein Leben aufgebaut, das die Behörden nun urplötzlich zerstört hätten.

Gespräche ohne Ergebnis

Ganz so plötzlich wie diese Aktion erscheint, ist sie aber offenbar nicht. Wie Kreissprecher Focken sagte, gab es mehrere Ausreisegespräche zwischen Frimpong und der Ausländerbehörde. Während dieser Treffen versuchte der Kreis, den Fußballer dazu zu bewegen, das Land selbstständig zu verlassen. Wer am Ende dieses Gesprächs die Erklärung für die freiwillige Ausreise nicht unterschreibt, erfährt, dass er jederzeit abgeschoben werden kann. Gerade Menschen, von denen die Behörde annimmt, dass sie aus wirtschaftlichen Gründen nach Deutschland gekommen seien, biete dieses Verfahren gleich mehrere Chancen. Es werde für sie kein Wiedereinreiseverbot verhängt und sie könnten versuchen, mit einem Arbeitsvisum offiziell nach Deutschland zurückzukommen. Weil Frimpong dazu nicht bereit war, darf er laut Focken nun zweineinhalb Jahre nicht in die Bundesrepublik einreisen.

Welle der Hilfsbereitschaft

Daniel Hermann hält via WhatsApp täglich Kontakt zu Frimpong. Er berichtet, dass es ihm „den Umständen entsprechend gut geht". Allerdings habe Frimpong schon mehrere Male mit brüchiger Stimme per Sprachnachricht um Hilfe gebeten. Laut Hermann sei er am Tag seiner Abschiebung mit nur wenig Bargeld und einer Reisetasche in den Flieger gestiegen. Focken bestätigte, dass Frimpong am Nachmittag vor der Ausweisung wegen eines Termins im Kreishaus gewesen war und die Ausländerbehörde ihn anschließend gleich vor Ort behielt. Seine Sachen konnte er also nicht mehr packen.

Deshalb schicken Mannschaftskameraden nun Kleidung und etwas Geld nach Afrika, um Frimpong unter die Arme zu greifen. Vor dem A-Liga-Meisterschaftsspiel am Sonntag beim SC Peckeloh II wollen die Oesterweger ein Banner hochhalten, um auf den Verlust ihres Freundes und Mitspielers aufmerksam zu machen. »Stay strong, Richie«, zu deutsch: Bleib stark wollen ihm seine jahrelangen Vereinskameraden mit auf den Weg geben. Denn genau wie Hermann haben sich diese noch nicht mit der Abschiebung des beliebten Kickers abgefunden. „Für alle im Verein war das ein harter Schlag. Ich hoffe, wir sehen ihn bald wieder", sagt Hermann.

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