Klimaschutz vor Ort: Diese Ziele hat die Stadt Versmold erreicht

Weltweit gehen am Freitag Menschen mit der »Fridays for Future«-Bewegung auf die Straße. In Versmold gibt es seit drei Jahren ein Klimaschutzkonzept. Die Verwaltung hat einiges erreicht

Tasja Klusmeyer

Die Vielfalt kommunalen Klimaschutzes: Vor Ort hat die Stadt schon viele Projekte umgesetzt – von Photovoltaik und Elektromobilität über Naturschutz bis hin zu klimaneutralen Bauprojekten wie das Feuerwehrgerätehaus Hesselteich. - © Sandra Neumann
Die Vielfalt kommunalen Klimaschutzes: Vor Ort hat die Stadt schon viele Projekte umgesetzt – von Photovoltaik und Elektromobilität über Naturschutz bis hin zu klimaneutralen Bauprojekten wie das Feuerwehrgerätehaus Hesselteich. (© Sandra Neumann)

Versmold. Nur ein einziger Tagesordnungspunkt stand im am Mittwochabend im Ausschuss für Energie, Klima und Umwelt an. Aber einer, „der es in sich hat", meinte Ausschussvorsitzender Wolfgang Beuge von den Grünen eingangs. Mehr als zweieinhalb Stunden lang stellte die Stadtverwaltung das vor, was sie in den vergangenen drei Jahren in Sachen Klimaschutz auf den Weg gebracht hat, welche Ziele erreicht wurden und was noch geplant ist. Alle Fachbereichsleiter sowie das dreiköpfige Klimaschutzteam arbeiten dabei übergreifend zusammen. „Respektabel", kommentierte Beuge zwischendurch das Erreichte. „Aber noch lange nicht das Ende der Fahnenstange." Hier Beispiele kommunalen Klimaschutzes.

Kommunale Gebäude

Die Stadt sieht sich in der Vorreiterrolle, ihre Energieverbräuche zu reduzieren und damit Emissionen zu verringern. Dazu gehört die energetische Gebäudesanierung durch LED-Umstellung, Fensteraustausch, Dachsanierung oder Erneuerung der Heizungsanlagen. Bei Neubauten setzt die Verwaltung von vornherein auf Alternativen zu fossilen Technologien und plant die Gebäude in Anlehnung an Passivhausstandard. Bauhof, die Feuerwehrgerätehäuser Hesselteich und Oesterweg sowie Sparkassenarena werden klimaneutral betrieben. Das heißt, sie produzieren mindestens so viel Energie, wie sie verbrauchen.

Info

Zahlen aus der Statistik

  • 1,1 Millionen kWh Strom verbraucht die Stadt für ihre Liegenschaften im Jahr – das macht etwa ein Prozent am Gesamtverbrauch in ganz Versmold aus. Zusammen mit Kläranlage und Wasserwerk kommt sie auf 2,7 Millionen kWh.

  • 66 Prozent weniger CO2-Emissionen fielen 2018 (im Vergleich mit dem Basisjahr 1994) bei den städtischen Liegenschaften an. Damit hat die Stadt ihr Klimaschutz-Ziel zwei Jahre früher erreicht als geplant.

In vielen Gebäuden hat die Stadt auf die Nutzung erneuerbarer Energien umgestellt: Blockheizkraftwerke, Pelletheizungen oder Photovoltaik. 2018 betrug die durch PV produzierte Leistung mehr als eine Million kWh. Damit produzierte die Stadt in der Bilanz genauso viel Strom wie sie verbrauchte.

Insgesamt, so Fachbereichsleiter Carsten Wehmöller, sei der Wärmeverbrauch der kommunalen Liegenschaften um 53 Prozent gesunken, der Stromverbrauch um elf Prozent – vor dem Hintergrund der Digitalisierung sei das ein guter Wert.

Wasserwerk

Das Wasserwerk in Rippelbaum auf Sassenberger Gebiet liegt zwar außerhalb der Stadtgrenzen. Versmold ist aber Hauptabnehmer des dort geförderten Trinkwassers. 2,2 Millionen Kubikmeter fließen im Jahr insgesamt von dort in die Haushalte der drei beteiligten Kommunen. Es braucht enorm viel Energie, um die Anlagen zu betreiben, konkret eine gute Million kWh Strom jährlich. Zum Vergleich: Im städtischen Rathaus sind es 70.000. Durch Investitionen in die Technik konnten Verbrauch und Kosten aber deutlich reduziert werden.

In Sachen Naturschutz engagiert sich der Wasserbeschaffungsverband ebenso. Es wurden zuletzt 500 Sträucher und 200 Stauden gepflanzt und es wurde ein 3,5 Hektar großer Blühstreifen anlegt.

Verbraucher im Fokus

Der Anteil der Stadt am Gesamtenergieverbrauch vor Ort ist gering. Umso wichtiger ist es der Verwaltung, die Bürger mit ins Boot zu holen, die Stadtwerke sind dabei Partner. Prokurist Sebastian Kirchmann referierte zum nachhaltigen Verbraucherverhalten, das zur CO2-Vermeidung in privaten Haushalten beitragen soll.

Tarifkunden werden vom Unternehmen an der Nordfeldstraße seit 2015 ausschließlich mit Ökostrom beliefert. Bezogen auf den Gesamtabsatz des Versmolder Versorgers liegt der Anteil an Strom aus regenerativen Energien bei 78,5 Prozent und damit deutlich über Bundesschnitt (36,6 Prozent). Die CO2-Einsparung, die die hiesigen Stadtwerke dadurch erreichen, beziffert Kirchmann auf 21 Tonnen jährlich.

Um den Energieverbrauch eines jeden Einzelnen zu reduzieren, bietet das Unternehmen Förderprogramme und Dienstleistungen an.

E-Mobilität

Die Stadtwerke betreiben 18 Stromtankstellen mit 37 Ladepunkten. Seit 2017 wurden Fahrzeuge bei 2.700 Ladevorgängen mit 32.000 kWh Strom befüllt. „Das hört sich nicht viel an", gibt Sebastian Kirchmann zu. Ein E-Golf aber könnte damit 6,6 Mal um den Äquator fahren.

Der Energieversorger selbst hat aktuell sechs Elektrofahrzeuge in seinem Fuhrpark, außerdem sieben Wagen, die mit Erdgas fahren. Die Stadtverwaltung verfügt über drei Hybridwagen und zwei reine E-Autos, dazu kommen zwei durch Strom betriebene Nutzfahrzeuge am Bauhof.

Bauen und Naturschutz

Kommunaler Klimaschutz findet in Versmold auf vielen Ebenen statt – nicht allein bei Gebäudemanagement und Mobilität. In der Bauleitplanung beispielsweise hat die Stadt ein Auge darauf, Bauherren möglichst zum klimafreundlichen Bauen zu animieren – oder es ihnen vorzuschreiben. „Bestes Beispiel", so Fachbereichsleiter Dirk Niggemann, sei die Klimaschutzsiedlung in Bockhorst. Aber auch bei anderen Bebauungsplänen macht die Stadt Vorgaben zur Begrünung oder Regenwasserversickerung.

Die Stadt selbst setzt Artenschutzprojekte, Kanalsanierungen, Saumpflegekonzept und Bachrenaturierungen um. Im kommenden Haushaltsjahr ist ein größeres Projekt geplant: In Halstenbeck soll auf einem Hof eine 20.000 Quadratmeter große Streuobstwiese mit 123 Bäumen plus Teich entstehen. 100.000 Euro stellt sie dafür in den Haushalt ein. Noch in diesem Jahr startet sie die Aktion »300 Jahre, 300 Bäume« und verschenkt Obstbäume an die Bürger.

Aktionen

Bildungsangebote und Beratungen sowie Aktionen wie das Stadtradeln werden ebenso von der Stadt initiiert. Vor einiger Zeit präsentierte sie die Comebags, aus Werbebannern recycelte Taschen. Bald wird es umweltfreundliche Obstbeutel geben, die beim Regionalmarkt im Oktober vorgestellt werden.

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