Kaum Klima-Proteste am Versmolder Gymnasium - obwohl die Schüler demonstrieren dürfen

Das Engagement der Schüler ist in diesem Bereich bislang eher mau. Das hat auch Schulleiter Karsten Jochmann festgestellt. Für Aktionismus plädiert er deswegen aber nicht und verteidigt auch jüngste Flugreisen

Marc Uthmann

Kommt nicht so recht auf einen grünen Zweig: Das Thema Klimaschutz führt am CJD-Gymnasium derzeit eher ein Schattendasein.  - © Marc Uthmann
Kommt nicht so recht auf einen grünen Zweig: Das Thema Klimaschutz führt am CJD-Gymnasium derzeit eher ein Schattendasein.  (© Marc Uthmann)

Versmold. »Alles fürs Klima« heißt es am kommenden Freitag, 20. September, wenn sogar zum „globalen" Streik aufgerufen wird. In Halle wollen Jugendliche und Erwachsene gemeinsam zum Rathaus ziehen, in Bielefeld und Gütersloh sind große Aktionen geplant. Mittlerweile bringen sich auch Eltern gezielt in die Bewegung ein, wie die Gruppe »Parents for future« beweist – mit einer Versmolderin als Sprachrohr. Am CJD-Gymnasium scheint die Klimadebatte allerdings alles andere als heißzulaufen.

Weniger als zehn Streikende

„Das ist in der Tat bislang kein großes Thema bei uns", bestätigt Schulleiter Karsten Jochmann im Gespräch mit dem Haller Kreisblatt. Auch aus der Schülerschaft komme nur wenig. Die neue Schülervertretung habe sich allerdings gerade erst formiert, „wir stehen in Kontakt und führen erste Gespräche". Grundsätzlich stünde die Schule den Protesten für das Klima sehr offen gegenüber. „Wir stellen die Schülerinnen und Schüler sogar für die Demos frei, wenn uns eine von den Eltern unterschriebene Entschuldigung vorliegt", sagt Karsten Jochmann und fügt an: „Wobei jene, denen das Thema wichtig ist, dafür ja auch ein paar unentschuldigte Fehlstunden akzeptieren würden." Das Problem ist nur: Kaum jemand nimmt das Angebot an. „Es waren bei uns keine zehn Schüler, die bei der ersten Welle vor einem Jahr protestiert haben", so Jochmann.

Bewusster Protest

Das Thema Klimaschutz soll auf der Agenda der Schule künftig trotzdem eine größere Rolle spielen, kündigt Karsten Jochmann an: „Wir möchten eine AG einrichten, dabei unterstütze ich die Schülervertretung. Dann gilt es aber zunächst einmal, zu klären: Was möchten wir? Wofür setzen wir uns ein?" Dem Schulleiter liegt viel daran, dass die Jugendlichen sich um Nachhaltigkeit bemühen, aber sie sollten das auch bewusst tun. „Wenn ich dann sehe, dass bei Demonstrationen Unmengen von Müll anfallen, kann ich das nicht nachvollziehen."

Im Kleinen beginnen

Die Grenzen des Engagements sind Karsten Jochmann durchaus bewusst. „Wir retten die Welt im kleinen Versmold nicht." Aber auch im Kleinen lasse sich Sinnvolles für den Planeten tun: „Das beginnt damit, Müll zu vermeiden und nicht ganz so häufig das Elterntaxi zu nutzen", betont der Schulleiter.

Durchaus politisch

Es sind vernünftige Gedanken im Sinne des Klimaschutzes, die Karsten Jochmann da formuliert, doch drängt sich der Gedanke auf: Müsste all das nicht eigentlich von seinen Schülern kommen? Der Diagnose, seine Schützlinge seien unpolitisch, widerspricht er dennoch entschieden: „Wir machen hier beim Christlichen Jugenddorfwerk politische Bildung und es gibt auch viel Engagement. Zwei Versmolder Gymnasiasten organisieren zum Beispiel gerade die CJD-weite Jugendkonferenz mit." Der Schulleiter hat eher den Eindruck, dass derzeit immer mehr gesellschaftliche Aufgaben auf immer weniger Schultern verteilt werden. „Da wird es dann irgendwann auch zu viel für die Jugendlichen."

Reizthema Flugreisen

Zuletzt waren die Oberstufenschüler auf ihren Kursreisen unterwegs, unter anderem ging es da mit dem Flieger nach London. Eine Strecke, die früher durchaus auch mit dem Bus absolviert wurde. Jetzt geht es in die Luft – mitten in der aufgeheizten Debatte darüber, was jeder tun kann, um das Klima zu retten. „Natürlich kann man Flugreisen kritisch sehen", gesteht Karsten Jochmann ein. „Aber wir haben zunächst einmal einen Bildungsauftrag und möchten den Schülerinnen und Schülern etwas zeigen, das sie so noch nicht kennen." Da sei England gerade vor dem Hintergrund der Brexit-Debatte spannend – und die Zeitersparnis bei einem Flug ein Argument. Und ob eine Busreise nach London viel ökologischer ist, hält Jochmann durchaus für diskutabel: „Wir reden nur von CO2 – aber was ist etwa mit dem Reifenabrieb des Busses bei einer so langen Reise? Da kommt dann eine Menge Mikroplastik in die Umwelt." Und schließlich laste eine 25er-Reisegruppe den Bus auch nicht komplett aus, was die Ökobilanz zusätzlich verschlechtere. „Das ist mir momentan alles etwas zu einseitig. Die Sensibilität für diese Themen muss her, aber dann brauchen wir als Gesellschaft auch ein Gesamtkonzept."

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