Erst Kaffee, nun Cocktails: Darum sind die Wiltmanns begeisterte Barkeeper

Der Versmolder Veranstaltungskalender ist ihr Dienstplan. Bei fast jedem Event baut das Ehepaar seine mobile Cocktailbar auf. Dafür verzichtet es auch auf eine besinnliche Adventszeit.

Tasja Klusmeyer

Was darf es sein? Kerstin und Matthias Wiltmann sind mit ihrer mobilen Cocktailbar eine feste Größe im Versmolder Veranstaltungsleben – im Sommer beim Stadtfestival, wie auf dem Foto, genauso wie an der Eisbahn im Winter. - © Tasja Klusmeyer
Was darf es sein? Kerstin und Matthias Wiltmann sind mit ihrer mobilen Cocktailbar eine feste Größe im Versmolder Veranstaltungsleben – im Sommer beim Stadtfestival, wie auf dem Foto, genauso wie an der Eisbahn im Winter. (© Tasja Klusmeyer)

Versmold. Eigentlich, so sagt Kerstin Wiltmann, „waren wir nie wirklich Cocktailtrinker". Lieber bestellte die Versmolderin mit ihrem Mann Matthias mal ein Bier. Das Stadtfest brachte die damaligen Inhaber des Tee- und Kaffeeparadieses an der Berliner Straße auf anderen Geschmack. Vor der Bühne am Rathaus gab es über mehrere Jahre eine Cocktailbar „mit toller Atmosphäre" und Getränken, welche die Biertrinker überzeugten.

2009 – die aufstrebende Band Luxuslärm spielt in Versmold – reift der Entschluss, sich ein zusätzliches Standbein zu schaffen. „Entweder wir können es oder wir lassen es", beschreibt Matthias Wiltmann sein Credo. Bevor der Tischlermeister und seine Frau, eine gelernte Druckformherstellerin, den Schritt gehen, bereiten sie sich vor. Der Versmolder Dirk Tabor vermittelt einen Kontakt zu einem Barmann, der über Know-how und Equipment verfügt, 2011 betreiben die Wiltmanns erstmals die mobile Cocktailbar.

Feuer zerstört den ersten Pavillon

Der Standverkauf bei Veranstaltungen liegt den Wiltmanns. Likör und Glühwein verkaufen sie schon zu Teeladen-Zeiten zu besonderen Anlässen vor ihrem Geschäft oder bauen bei Märkten in der Region ihren Pavillon auf. Als beim Hesselteicher Weihnachtsmarkt am Café im Schafstall ein Großfeuer ausbricht, zerstören die Flammen den Pavillon. Der Tischler baut daraufhin die Holzhütte, in der die Cocktail-Karriere ihren Anfang nimmt.

„Es war ein Sprung ins kalte Wasser", sagt Kerstin Wiltmann rückblickend. Aber das Ehepaar wird mehr und mehr mit seiner neuen Aufgabe warm. 2014 gibt es den Teeladen an der Berliner Straße auf. „Wir waren mit Herzblut bei der Cocktailbar, beides war zu viel", sagt Kerstin Wiltmann heute, die zu diesem Zeitpunkt zudem gesundheitliche Probleme hatte. Inzwischen geht es der 50-Jährigen wieder gut und sie kann ihre ganze Energie ins Geschäft stecken.

"Es ist anstrengend, aber es macht Spaß"

Ehemann Matthias ist weiterhin in Vollzeit in einem Haller Tischlereibetrieb angestellt. „Einer muss weiter arbeiten", sagt der 52-Jährige. Von der Cocktailbar alleine könne man keine Familie ernähren. Und so nehmen die Versmolder die Doppelbelastung in Kauf und sind viele Wochenenden im Jahr auf Veranstaltungen unterwegs. „Es ist anstrengend, aber es macht uns Spaß", sagt der 52-Jährige. Beide engagieren sich zudem, auch wenn sie keinen klassischen Einzelhandel mehr betreiben, im Vorstand der Kaufmannschaft IGEV.

Unterstützt von einem Team aus zehn Mitarbeitern, die auf 450-Euro-Basis eingesetzt werden, mixen und shaken die Versmolder bis in die Nächte hinein Cocktails. Auch die beiden erwachsenen Kinder, Freunde und Familie helfen manchmal, wenn der Laden brummt, mit. Die größte Karte wird bei der Kirmes Sünne Peider angeboten. Bis zu 70 verschiedene Getränke – sowohl heiße als auch kalte – sind dann im Übergang vom Winter zum Frühjahr im Angebot.

Beim Stadtfestival hingegen kann der Kunden aus »nur« etwa 30 Variationen wählen. Zur Sicherheit liegt in der Hütte stets ein Spickzettel parat, was in welchen Cocktail gehört. Zwischen den Veranstaltungen geht es an Einkauf, Bestellungen, Buchführung und Planung. Und immer wieder ans Verfeinern der Karte. „Man muss sich bewegen. Auf den Lorbeeren auszuruhen, funktioniert nicht", sagt Kerstin Wiltmann, die selbst am liebsten einen echten Klassiker mag: Caipirinha oder die Variante ohne Alkohol, einen Ipanema.

In der Adventszeit täglich in der Hütte

Wichtig ist den Versmoldern nicht nur das, was im Glas ist, sondern auch das Drumherum. „Wir passen uns dem Motto der Veranstaltung an", sagt die 50-Jährige. Es gibt entsprechende Deko, Beleuchtung und Cocktailnamen. Bis an den Ostseestrand nach Travemünde oder nach Goslar in den Harz sind die Wiltmanns bereits gereist. Zunehmend wird die mobile Cocktailbar für private Feiern gebucht.

Die Adventszeit hat es besonders in sich. Sechs Wochen lang betreiben die Wiltmanns eine Hütte an der Eisbahn – an allen Adventswochenenden und an den Feiertagen. Das traditionelle Familienessen findet ohne die beiden statt, viel Weihnachtsschmuck und Besinnlichkeit gibt es in den eigenen vier Wänden nicht. Das Ehepaar macht das Beste daraus. So bittet Matthias Wiltmann, der am 29. Dezember Geburtstag hat, seine Gäste zum Eisstockschießen.

Apropos Geburtstag. Kerstin Wiltmann feierte jüngst ihren 50. Ohne Cocktailbar, in der Kneipe Dixi. Manchmal muss es eben ein ordentliches Bier sein!

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