Wer will Gas geben? Versmolder verlosen Startplatz im Crossauto

Autocross ist ihr Hobby. Marcel und Tino Schwenzfeier schrauben viel und fahren selbst Rennen. Nun geben sie Jugendlichen die Möglichkeit, einmal am Steuer zu sitzen

Tasja Klusmeyer

Wer möchte ans Steuer? Tino Schwenzfeier und sein Sohn Marcel stellen einem Jugendlichen den umgerüsteten Peugeot fürs nächste Stoppelfeldrennen zur Verfügung. Die bisherigen Wettbewerbe haben deutliche Spuren hinterlassen. - © Tasja Klusmeyer, HK
Wer möchte ans Steuer? Tino Schwenzfeier und sein Sohn Marcel stellen einem Jugendlichen den umgerüsteten Peugeot fürs nächste Stoppelfeldrennen zur Verfügung. Die bisherigen Wettbewerbe haben deutliche Spuren hinterlassen. (© Tasja Klusmeyer, HK)

Versmold. Angefangen hat alles mit einem Schulprojekt. Marcel Schwenzfeier mag Autos – wie viele andere Jungs auch. Zusammen mit seinem Vater Tino besucht er regelmäßig das Stoppelfeldrennen in der Nachbarschaft Aschen – ebenso wie andere Familien. Als für den Realschüler der Technikklasse dann in Jahrgang zehn ein Abschlussprojekt ansteht, entscheidet er sich: Ich baue ein Crossauto. Diese Idee hat nicht jeder.

Gesagt, getan. Vater Tino Schwenzfeier unterstützt seinen Sohn dabei. Als gelernter Parkettleger verfügt er zumindest über handwerkliches Geschick, in Sachen Auto aber betritt er Neuland. „Wir haben ganz bescheiden und unbedarft angefangen", erinnert sich der Oesterweger an die ersten Versuche in der Garage.

"Erstmal muss alles raus, was nicht gebraucht wird"

Vater und Sohn begeben sich auf die Suche nach einem Auto, das ausreichend Leistung bringt, nicht mehr für die Straße geeignet und günstig ist, und das sich für den Umbau zum Crosswagen eignet. Schwenzfeiers schaffen sich einen alten Opel Corsa B an und werkeln ein Jahr lang an ihm herum. „Erstmal muss alles raus, was nicht mehr gebraucht wird", erklärt der 47-Jährige. Anschließend folgt der Aufbau zum Crosswagen mit Überrollkäfig, Fahrersitz, Kühler im Kofferraum und allem, was einen richtigen Rennwagen, der auf Feld und Acker bestehen muss, ausmacht.

Es bleibt nicht beim Bauen fürs Schulprojekt. Wer schon mal so viel Zeit (und Geld) in ein Auto steckt, der will auch mal am Steuer sitzen. 2015 nimmt Marcel Schwenzfeier erstmals am Stoppelfeldrennen in Aschen in der Jugendklasse teil. Er schafft es bei seiner Premiere gleich in den Endlauf, scheidet dort aber aus. „So ist das halt im Rennsport."

Der Schüler aus Oesterweg hat Blut, oder besser: Motorenöl, geleckt. Zweieinhalb Jahre lang fährt er in der Jugendklasse im Deutschen Rallye Cross Verband (DRCV) bis zu 14 Rennen pro Jahr, und wird sogar deutscher Vizemeister. Mit 18 Jahren wechselt Marcel Schwenzfeier, der eine Ausbildung zum Kfz-Mechatroniker macht, in die Klasse 3 des DRCV (Serientourenwagen ab 1.800 Kubikzentimeter). Den B-Corsa hat er inzwischen gegen einen Astra eingetauscht. Die heimische Garage gegen eine angemietete Werkstatt am Eschkamp.

"Wir fahren nicht, um andere zu rammen"

In völliger Abgeschiedenheit im äußersten Zipfel von Bockhorst schrauben Vater und Sohn an ihren Rennwagen. Grasgrün und schwarz sind die Farben ihres Teams, das sie »Cross Schmiede Versmold« getauft haben und das für den Verein MSC Bockhorst startet. Der 47-Jährige fährt nur ab und an Hobbyrennen, sein 20-jähriger Sohn sowie die Tochter nehmen regelmäßig an Crossrennen teil.

Als „Formel 1 auf losem Untergrund", beschreibt Tino Schwenzfeier das, was Autocross aus seiner Sicht ausmache. Es gehe darum, das Maximale aus den Wagen herauszuholen, bei schwierigen Bedingungen zu bestehen. „Wir fahren nicht, um etwas kaputt zu fahren oder andere zu rammen", sagt Schwenzfeier. Sicherheit habe bei jedem Rennen oberste Priorität. So tragen die Fahrer feuerfeste Kleidung, sitzen im Rennsitz und sind von einem Überrollkäfig umgeben.

Die Möglichkeit möchte das Team der »Cross Schmiede« auch anderen jungen Leuten geben, die Spaß an Autos haben. Zum dritten Mal nach 2018 und 2019 verlosen die Schwenzfeiers jetzt für kommendes Jahr einen Startplatz in der Jugendklasse beim Aschener Stoppelfeldrennen – inklusive rennfertigem Crosser. Jugendliche zwischen 16 und 18 Jahre können an der Aktion teilnehmen und sich via Facebook bei der Cross Schmiede Versmold um den Platz am Steuer des Peugeot 106 bewerben. Wichtig: Die Eltern müssen der Teilnahme zustimmen. „Wir stellen das Auto, Sprit und Ersatzteile", sagt Tino Schwenzfeier. „Wir haben nichts davon – nur Arbeit und Kosten. Aber es macht einfach Spaß."

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